Immer wieder machen die Städteplaner in den Etagen der Rathäuser von sich reden, wenn sie ihre aberwitzigen und fehlkalkulierten Großprojekte der Öffentlichkeit präsentieren. Doch zwischen Wunschdenken und der Realität existieren Abgründe. Abgründe, die die Vordenker solcher Projekte zumindest auf dem Papier spielerisch überbrücken.
Von Marcel Grasnick
Berlin hat sich mit dem Regierungsviertel und der damit verbundenen Neustrukturierung der Innenstadt inklusive neuem Hauptbahnhof ganz weit aus dem Fenster gelehnt, doch glücklicherweise durften nicht nur die Einwohner der neuen alten Hauptstadt dafür zahlen, sondern alle Bundesbürger. Viel dramatischer ist das folgende Großprojekt mit dem allgemein bespöttelten Flughafen, der einfach nicht fertig werden will. Dass dieser Flughafen sich aber auch immer weiter weigern muss, endlich den Kinderschuhen zu entwachsen. Ausgewachsen sind dafür natürlich die Folgen der Fehlplanung und Kungelei in den Chefetagen: die Kosten. Bloß gut für den Berliner Senat, sich kein weiteres Eigentor zu leisten bei der Bevölkerung, in dem Olympia mehr oder weniger freiwillig aufgegeben wurde.
Stuttgart ist da mit seinem Großprojekt "Stuttgart 21" schon fast als langweilig zu bezeichnen. Zwar ebenfalls überdimensioniert, dafür allenfalls aufgrund klammer Kassen als einziges Projekt in der Größenordnung. Da interessiert es sowieso nicht, dass die Einwohner dagegen aufbegehren. Interesse geheuchelt hat dafür der Hamburger Senat, als er die Einwohner über das Großprojekt Olympia abstimmen ließ und muss nun zähneknirschend das Desinteresse dieser hinnehmen. Allerdings ist das Desinteresse daran als nichtig zu betiteln, weil viele andere städtebauliche Großprojekte und deren Folgen nicht für das Stadtsäckel, sondern auch die leeren Taschen der Einwohner umso mehr Aufmerksamkeit erregen.
Da ist nicht nur die ebenfalls fehlgeplante Kalkulation des Prestigeobjektes der Elbphilharmonie, die sich ebenfalls weigerte, fristgerecht und kostendeckend fertig zu werden. Nein, da sind noch etliche weitere Prestigeobjekte in Planung und Ausführung - und natürlich in der Diskussion. Nicht alle Einwohner der Hansestadt stimmen mit der Obrigkeit überein, dass der A7-Deckel wirklich sinnvoll ist. Was sich die Einwohner auch erlauben, nicht nur dagegen zu sein, sondern trotz- und alledem die gleichen Leute im Senat immer wieder zu wählen. Doch nicht nur der A7-Deckel erhitzt die Gemüter, sondern der weitere Ausbau des Nahverkehrsangebotes mit immer neuen U-Bahn-Linien und -Routen. Während - und das wie überall in Deutschland - die kleinen Problemchen weiterhin liegen bleiben. Wozu sollten auch die Straßen auch saniert werden? Die Schlaglöcher kommen doch sowieso immer wieder, ergo, vergebene Müh. Und die Behelfsampel, die nun schon seit mehreren Jahren an einer bestimmten Kreuzung steht, die schafft auch noch ein paar Jahre mehr.
Was weiß schon das gemeine Volk, die zusammengepferchten Einwohner einer Stadt schon, was gut für sie ist? Oder besser, für die Stadt? Was zählen schon die vielen kleinen Probleme und Widrigkeiten im Alltag gegen das Prestige, dass sich ein bestimmter Bürgermeister mit dem einen oder anderen Bau und dem dazugehörigen Milliardenloch in der Haushaltskasse setzt? Und nebenbei erwähnt, schließlich hat doch jeder Einwohner etwas davon, wenn die bewohnte Stadt in aller Munde ist. Und wenn es auch die negativen Schlagzeilen sind, die ursprünglich als positive gedacht waren, die die Stadt über den Rahmen hinaus bekannt machen.
Wie auch immer. Bei diesen Großprojekten bleibt das Geld jedenfalls weitestgehend im Land!
Das würde ich pauschal nicht sagen, die Großkonzerne haben ausländische Besitzer, die Rechtsanwaltskanzleien werden ja auch gerne aus Übersee genommen.
Vor den Hintergrund das es sich um AGs handelt ist die Aussage zweifelhaft. Wie gesagt nicht die Löhne sind der Preistreiber. Richtig ist das der Steuerzahler neue Kredite abzutragen hat durch die unausweichliche Neuverschuldungmit allen bekannten Auswirkungen, für den Finazmarkt auf der einen und die Steuerzahler auf der anderen.
Anhand der Bauindustrie kann man gut nachvollziehen wozu Politiker imstande sind wenn sie nur völlig Ahnungslos sind, vom Globalen Wettbewerb überhaupt nichts wissen außer dem was ihnen ein paar Bänker und Marktradikale ins Ohr flüstern.
Versuch der chronologischen Auflistung;
- Werkverträge (Lohnniveau Gesenkt, Qualität abgebaut, erste Entlassungswelle ca.300000 Arbeitsplätze vernichtet
- Internationale Ausschreibung für jede kleine Baustelle (schade nur dass in Polen wenig über DE Normen bekannt war)
- Öffentliche Ausschreibungen für Großprojekte werden als Ganzes Ausgeschrieben (der Installateur von nebenan bspw. mit 5 Gesellen darf nicht mitbieten der darf dann anschließend fürs halbe Geld bei dem Konzern als Subunternehmer arbeiten der die Ausschreibung gewonnen hat. Natürlich nur für die Hälfte dessen was Marktüblich ist. Der Konzern rechnet aber natürlich das 5 Fache ab wie das was der Installateur dem öffentlichen Bauherrn berechnet hätte wenn er denn hätte mitbieten können.
- TÜV Mafia, erfindet fortwährend neue Qualifikationen die angeblich unbedingt jeder haben muss. Macht geschickt Lobbyismus und eine Bauverordnung draus. Kostet natürlich den Handwerksmeister 2000€ Jährlich und bringt am Bau nix außer Mehrkosten.
- Die Politik und ihre Bauordnung. Is hier Ländersache und wird Jährlich mal um ein paar neue strengere Regeln erweitert. Bei Großprojekten passiert es dann das während des Baus neue Regeln erlassen werden die die Baukosten mal eben vervierfachen weil aus einer gewöhnlichen Autobahnüberfahrt plötzlich ein Tunnel wurde mit entsprechenden Regeln. Und wenn die Bauordnung nicht von dem jeweiligen Bundesland geändert wird kommen die EU Politiker mit ihren Änderungen um die Ecke. Recht und damit Planungssicherheit ab Baugenehmigung gibt’s nich.
- Baukonzerne. Mittlerweile ham die mehr Rechtsanwälte beschäftigt wie Ingenieure. Es werden grundsätzlich 40% Nachträgen in der Angebotskalkulation mit verrechnet um Kostendeckend zu sein. Die kommen auch immer raus, spätestens auf dem Klageweg. Allerdings muss das nur selten sein weil sie natürlich während der Bauphase das entsprechende Erpressungspotential besitzen.
Alles in allem also gibt es defakto keine öffentlichen Bauten mehr unter mind.70% Mehrkosten bei schlechterer Qualität und geringerer Bezahlung der Handwerker.
Das eigentlich geniale an der Deutschen Bauwirtschaft is das sich die Großprojekte in 15 Jahren um 400% verteuert haben während die Löhne seit 15 Jahren auf der stelle Tanzen.
Das ist gelebter Globalismus und wird mit TTIP noch viel besser werden,…. für Konzerne.:-)