Jornal de Angola: „Portugals Verantwortliche manipulieren Korridore der Justiz“

Portugals alte Kolonialeliten werden von Angolas Propagandaorgan Journal de Angola beschuldigt, die portugiesische Justiz zu benutzen, um Angolas Regierung zu diskreditieren. Damit soll ein Prozess gegen Angolas Vizepräsidenten Manuel Vicente verhindert werden. Europa, nicht Afrika, sei der Ausgangspunkt aller Korruption.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Zehn Tage nach der Verhaftung des Ex-Staatsanwalts Orlando Figueira, der unter anderem für 200.000 Euro ein Verfahren wegen Geldwäsche gegen den Vizepräsidenten Angolas Manuel Vicente eingestellt haben soll, veröffentlicht Angolas staatlich kontrollierte Zeitung – Journal de Angola – einen Text im feinsten Propagandastil des Kalten Krieges. Schon der Titel, „Rache des (Kolonial)-Siedlers“ und Sätze wie „…die Verantwortlichen der alten Kolonialmacht…“ in der der Vorwurf einer Manipulation „…die jetzt die Korridore der Justiz,“ zum Ziel habe, „um den Versuch zu unternehmen, ihre Absicht einer Neokolonisierung durchzusetzen…“ zeigen eine deutlich aggressive Haltung gegenüber Portugal.

Wozu das alles? Portugals Justiz soll unter Druck gesetzt werden. Mit unsinnigen Vorwürfen soll aber auch das eigene Volk davon überzeugt werden, dass Manuel Vicente und alle anderen unter Korruptionsverdacht stehenden Mitglieder aus Angolas Machteliten, zu Unrecht beschuldigt werden. Man versucht das Bild einer (weißen) europäischen Verschwörung zu erschaffen, die auf einen neokolonialistischen Komplott beruht. Europas alte Elite wäre in Wahrheit das Zentrum aller Korruption. Portugal würde also die Justiz benutzen, um Angola wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, nachdem weder militärische Destabilisierung und Krieg, noch Wahlen oder ökonomische Mittel funktioniert haben.

Auch wenn die Europäer korrupt sind, Afrika nach wie vor ausbeuten und – je nach Land mal mehr, mal weniger – auch die Justiz für ihre Zwecke einspannen, so waren die Afrikaner doch sehr gute Schüler. Angola ist eine Scheindemokratie. Menschenrechte, Gewaltenteilung, Pressefreiheit oder eine unabhängige Justiz sucht man in dem von der Ölpreiskrise schwer getroffenen Land vergeblich. Auf Kosten des in großer Armut und Unwissenheit gehaltenen Volkes hat sich des Clan von Präsident dos Santos und ein kleiner Kreis seiner alten Kameraden bereichert. Geld und Macht gehen Hand in Hand, doch eine Opposition wächst in dem Land heran, welches jahrzehntelang blutige Kriege ausfocht und wo das Volk endlich etwas von den reichen Bodenschätzen abhaben will. Diese Bewegung möchte man klein halten.

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Wir sehen hier die übliche Propaganda, in der man mit Hetze gegen einen vermeintlich unmoralischen Feind zu nationaler Einheit und Patriotismus aufruft. Doch in Wahrheit gibt es keine Ausbeutung von Schwarzen durch Weiße, Angolanern durch Portugiesen, Afrikanern durch Europäer oder umgekehrt. Es gibt nur eine Ausbeutung von armen Menschen durch reiche Menschen. Es war immer schon so und es gab immer schon jede Menge Gehilfen, die sich kaufen lassen und Orlando Figueira ist einer von ihnen. Portugals Justiz ist größtenteils unabhängig, aber auch Staatsanwälte, Polizei oder Richter sind Menschen mit Schwächen. Manuel Vicente aber wird mit Sicherheit angeklagt und der aggressive Ton seitens Angolas offizieller Stellen, lässt vermuten, dass Isabel dos Santos – die Tochter des Präsidenten – und noch andere mehr, auch bald unter Anklage gestellt werden. Es wird Zeit, dass die allmächtigen Machteliten dieser Welt entlarvt, entmachtet und von ordentlichen Gerichten verurteilt werden – egal wo, egal wer, aber bitte bald!

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2 Kommentare

  1. Genau betrachtet geht es der Bevölkerung der Länder schlechter nach der Befreiung von den Kolonialmächten als vorher. Denn auch hier scheint es so zu sein das die sogenannten Befreier schlimmere Ausbeuter sind als die von denen sie das Volk befreit haben. Denn jetzt hat das Volk 2 Ausbeuter, die Eigenen und indirekt die Fremden. Bei der Betrachtung mal den allgemeinen technischen Fortschritt außer acht gelassen.

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