Das US-Finanzministerium kann Dollar-Transaktionen jederzeit verbieten. Dennoch spielt der US-Dollar global eine große Rolle. Das muss und wird ein Ende finden – und China arbeitet schon fleißig daran, dass es so kommt.

Von Marco Maier

Seit mehreren Jahrzehnten ist es den USA theoretisch möglich, andere Länder systematisch vom internationalen Handel mehr oder weniger auszuschließen. Der Grund dafür: Zum Einen wird der globale Handel überwiegend auf Dollar-Basis abgewickelt, zum Anderen kann das US-Finanzministerium einzelnen Ländern auch die Nutzung des US-Dollars verbieten und deren Handelspartnern mit Sanktionen drohen. Der Iran oder Kuba beispielsweise wissen wie das ist.

Doch das System der globalen Dollar-Dominanz wird gerade vor allem von China (aber auch von Russland) herausgefordert. Die Volksrepublik, welche bis zum Jahr 2030 wohl eine doppelt so große Volkswirtschaft haben wird als die Vereinigten Staaten, baut derzeit an einem neuen internationalen Finanzsystem, in dem der US-Dollar dann faktisch keine Rolle mehr spielt – dafür jedoch der chinesische Yuan.

Das zentrale Stück hierbei ist die "Neue Seidenstraße" (auch "One Belt, One Road" genannt), mit der Peking das ganze Gebiet vom eigenen Land bis hin nach Europa und Afrika mit Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen, modernen Autobahnen, Glasfaserkabeln, Energie-Pipelines, Häfen, Flughäfen und so weiter durchziehen will. Eine gewaltige Infrastrukturoffensive, die einerseits die ganzen beteiligten Länder in der Region innerhalb weniger Jahre gewaltige Schritte nach vorne machen lassen wird, andererseits auch dafür sorgt, dass die ganze Region im Handel nicht mehr auf den US-Dollar sondern auf den chinesischen Yuan setzen wird.

Im Jahr 2013 kündigte Präsident Xi Jinping den insgesamt 1,4 Billionen Dollar umfassenden Plan an, der als größtes Infrastrukturprojekt der Geschichte gilt. Bis zum Jahr 2025 soll den chinesischen Erwartungen zufolge dieses Projekt auch weitestgehend funktionieren. Und wenn die Chinesen als langfristige Strategen etwas in Angriff nehmen, dann wird das auch bis zum Schluss umgesetzt. Man muss nur einmal folgende Zahlen betrachten: Zwischen 1996 und 2016, also in nur 20 Jahren, haben die Chinesen insgesamt 4,2 Millionen Kilometer an Staßen gebaut, wovon 112.000 Kilometer alleine nur Autobahnen sind. Das ist mehr als die Vereinigten Staaten in ihrer gesamten Geschichte gebaut haben. Dies soll nur einmal veranschaulichen, was es bedeutet, wenn Peking so viel Geld in die "Neue Seidenstraße" investieren will.

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Wenn Peking nun hingeht und auch den Ölhandel dem Dollar-Diktat entzieht, wird es für die Amerikaner schon langsam eng. Denn noch führt der Ölkauf zu einer künstlichen Nachfrage nach US-Dollar. Wenn nämlich Deutschland, Österreich oder auch Paraguay oder Laos Erdöl von Kuwait, Saudi-Arabien oder Nigeria kaufen wollen, müssen sie zuerst auf den Finanzmärkten Dollar kaufen, um das Öl damit zu bezahlen. Sie können nicht einfach ihre Euros, Guaraní oder Kip nehmen, um ihre Ölrechnung zu bezahlen, nein, sie brauchen US-Dollar. Peking will dies mit der "Goldenen Alternative" zum Petrodollar, welche am 26. März live geht, ändern.

Wenn die Shanghai International Energy Exchange dann sogenannte "Futures" auf Ölverträge anbietet, die auf den chinesischen Yuan denominiert und mit den chinesischen Goldreserven abgesichert sind, erlaubt dies den Ölproduzenten ihre Ware auch in der chinesischen Währung zu verkaufen – ohne den Dollar zu brauchen. Das ist die Etablierung des "Petro-Yuan". Insbesondere Länder wie der Iran oder Venezuela, die ihre Probleme mit den USA haben, dürften darauf anspringen. Aber auch die anderen Ölstaaten könnten rasch darauf anspringen, da sie ihre Geschäfte mit China auch ausweiten wollen. Das heißt: Viel Geld wird anstatt in Dollar und US-Staatsanleihen dann eben in den Yuan und Gold fließen. Und wenn man bedenkt, dass China täglich 8,5 Millionen Barrel Öl importiert (was zum gegenwärtigen Zeitpunkt einem Wert von rund 500 Millionen Dollar entspricht), sieht man, wie groß der Impakt auf den Markt sein wird – nicht nur auf den US-Dollar, sondern über kurz oder lang auch auf das Gold.

Das Zeitalter des Petrodollars und der US-Dollar-Welthegemonie neigt sind rasch dem Ende zu. Die globale Finanzwelt wird in den nächsten Jahrzehnten zunehmend auch vom Yuan geprägt werden. Doch da Peking auch großen Wert darauf legt, die Währungen der Handelspartner zu stärken, könnte dies auch dazu führen, dass die bislang vom Dollar dominierten Weltfinanzmärkte sukzessive vielfältiger werden und auch andere Währungen (und nicht nur der Yuan) eine größere Rolle spielen.

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