Esper: „Es ist nicht klar, ob die Hafenexplosion in Beirut ein Unfall oder ein Angriff war“

US-Verteidigungsminister Mark Esper nährt die Gerüchte, wonach die Explosion im Hafen von Beirut möglicherweise kein Unfall war. Washington will eine Untersuchung des Vorfalls.

Von Redaktion

US-Verteidigungsminister Mark Esper erschien am Samstagabend auf der FOX, um die Diskrepanz zwischen den offiziellen Erklärungen der libanesischen Regierung, dass die Hafenexplosion vom 4. August in Beirut ein Unfall war, der auf schwerer „Fahrlässigkeit“ beruhte, und den ersten Erklärungen von Präsident Trump im Anschluss daran, dass es sich um einen „schrecklichen Angriff“ handelte, zu erklären.

Trump hatte für hochgezogene Augenbrauen gesorgt, als er auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus in den Stunden nach der Tragödie, bei der über 150 Tote zu beklagen waren, unter Bezugnahme auf seine Generäle sagte, dass es sich um einen „schrecklichen Angriff“ handele: „Sie scheinen zu glauben, dass es ein Angriff war. Es war eine Art Bombe.“

In den Tagen nachdem sowohl Trump als auch das Pentagon versucht hatten, die Aussagen zurückzunehmen, sagte nun Esper im FOX-Interview am Wochenende, dass letztlich nicht klar sei, ob die Explosion das Ergebnis „eines absichtlichen Angriffs oder eines Unfalls“ gewesen sei.

Loading...

„Unterm Strich wissen wir es immer noch nicht. Wissen Sie, am ersten Tag dachten wir, wie Präsident Trump sagte, es könnte ein Angriff gewesen sein. Einige von uns erwarteten, dass es sich zum Beispiel um eine Waffenlieferung an die Hisbollah handeln könnte, die explodiert ist. Vielleicht eine Produktionsanlage“, sagte Esper zur Moderatorin Jeanine Pirro.

Lesen Sie auch:  Wie China die Vormachtstellung der USA im Nahen Osten abwickelt

„Ich habe schon früher gesagt, dass es wie ein Unfall aussieht“, fuhr Esper fort. „Es ist bedauerlich, dass einige in den Medien versucht haben, Spaltungen innerhalb der Verwaltung zu schaffen, vielleicht zwischen mir und dem Präsidenten und anderen.“

Er schloss: „Das ist einfach nicht wahr. Ich meine, die Wahrheit ist, es ist eine große Tragödie. Unter der Führung des Präsidenten werden wir unser Bestes tun, um dem libanesischen Volk zu helfen und das Richtige zu tun“.

Inzwischen wurde aufgedeckt, dass nicht nur schätzungsweise 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat über 6 Jahre lang ungesichert in einem Lagerhaus am Hafen lag, sondern dass auch eine große Menge beschlagnahmte Feuerwerkskörper im selben Lagerkomplex in der Nähe der hochexplosiven Substanz, die üblicherweise in Düngemitteln und hergestellten Sprengstoffen verwendet wird, gelagert worden war.

Unterdessen hat der libanesische Präsident Michel Aoun trotz der wütenden Proteste als Reaktion auf die Nachlässigkeit der Regierung, die es erlaubte, 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat „unsicher zu lagern“, Forderungen nach einer internationalen Untersuchung als „Zeitverschwendung“ zurückgewiesen.

„Das Ziel von Forderungen nach einer internationalen Untersuchung im Fall des Hafens ist es, Zeit zu verschwenden“, zitierte ihn das Medienbüro des Präsidenten.

Es ist noch unklar, ob Washington zusätzlichen Druck auf die libanesische Regierung ausüben wird, damit ein internationales Team eine offizielle Untersuchung leiten darf.

Angesichts aktueller Behauptungen in den Medien, die Hisbollah habe auch Operationen am Hafen durchgeführt, ist es wahrscheinlich, dass die Regierung auf eine externe, unabhängige Untersuchung der Ursache der anerkanntermaßen größten nichtmilitärischen Munitionsexplosion in der Geschichte drängen wird.

Lesen Sie auch:  Macron trifft in Bagdad ein

Neu im Download-Bereich: Geopolitik 01/2020 – Kampf um die Weltmeere – Schauplatz Südchinesisches Meer (kostenloses ePaper)

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.