Armenisch-aserbaidschanischer Konflikt: Russland und die Türkei könnten Kriegsparteien werden

Die OVKS warnt: Sollte die Türkei auf der Seite Aserbaidschans in den Konflikt mit Armenien eintreten, würde dies den Bündnisfall auslösen.

Von Marco Maier

Zwischen Armenien und Aserbaidschan ist es in den letzten Stunden zu schweren Gefechten an der Grenze zu Nagorno Karabakh (Bergkarabach) gekommen. Berichten zufolge gab es bereits auf beiden Seiten dutzende Tote. Darunter auch Söldner aus Syrien, die von der Türkei in den Turkstaat Aserbaidschan entsandt wurden.

Offenbar versucht die aserbaidschanische Armee die armenische Exklave Nagorno Karabakh zu erobern. Noch vor wenigen Stunden vermeldete Armenien den Tod von 19 Soldaten, Aserbaidschan soll mindestens 10 Soldaten und eine hohe Anzahl syrischer Söldner verloren haben. Im Internet verbreitete Aufnahmen zeigen, wie armenische Mörsergranaten zwei aserbaidschanische T-72-Panzer zerstörten.

Wie das deutschsprachige Armenien-Portal „Haypress“ berichtet, soll die armenische Armee auch zwei aserbaidschanische Militärhubschrauber und drei Drohnen abgeschossen haben.

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Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für die Gefechte. Der Beschuss habe am frühen Morgen von aserbaidschanischer Seite begonnen, schrieb der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan auf Facebook. „Die gesamte Verantwortung dafür hat die militär-politische Führung Aserbaidschans“, teilte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums von Armenien mit.

Das sunnitisch-islamische Aserbaidschan beansprucht die Region, die mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnt wird und in sowjetischer Zeit wohl vor allem aus verwaltungstechnischen Gründen der Aserbaidschanischen SSR zugeschlagen wurde.

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Durch den Zerfall der UdSSR erklärte sich Bergkarabach am 2. September 1991 per Volksentscheid für unabhängig. Baku reagierte mit einer Blockade der Region und versuchte die Kontrolle mit militärischen Mitteln zurück zu gewinnen. Daraufhin griff Armenien mit russischer Unterstützung ein und besetzte ca. 14 Prozent des Territoriums Aserbaidschans als Schutzzone. Einem 3-jährigen Krieg und ca. 30.000-50.000 Toten folgte im Mai 1994 ein seit jeher brüchiges Waffenstillstandsabkommen.

Sollte die Türkei jedoch nun offiziell auf der Seite Aserbaidschans in den Konflikt eintreten, würde dies die vertragliche Verpflichtung der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS, so sogenannte „Ost-NATO“) zum militärischen Beistand auslösen. Das heißt: Russland würde neben Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Weißrussland dem OVKS-Mitgliedsland Armenien Waffenhilfe leisten. Allerdings dürfte die Türkei kaum darauf hoffen können, dass die anderen NATO-Länder militärischen Beistand leisten.

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5 Kommentare

      1. Karabach wird auf beiden Sprachen sehr ähnlich ausgesprochen. Was das bergige Wort Nagornyj betrifft – das O ist der Buchstabe der am meisten betont wird, das Y wird so ausgesprochen, wie der erste Buchstabe im Wort „Ypsilon“. :>

          1. Das Wort Nagorno gibt es in keiner Sprache. Vielleicht nur in Washington, in der Abtelung für Auslandspolitiker mit untzer 1 iq.

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