Saudi-Arabien will Uran anreichern und offenbar ein eigenes Atomprogramm starten. Wird das islamistische Regime dann auch kaputtsanktioniert wie der Iran?

Von Marco Maier

Zu den am wenigsten berichteten, aber explosiven Berichten der letzten sechs Monate zählen die wachsenden Anzeichen für die nuklearen Ambitionen Saudi-Arabiens. Jetzt stellt sich jedoch die Frage, ob die künftig geplanten zwei Kernkraftwerke des Königreichs auf rein energetische und friedliche Zwecke beschränkt sein werden.

Es gilt immerhin der Grundsatz, dass Länder oftmals nur deshalb auf Atomkraft setzen, um sich so selbst mit Material für Atombomben versorgen zu können, falls tatsächlich der Tag für den Bau solcher Massenvernichtungswaffen kommen sollte.

Am Montag sagte der Kernenergieminister des Königreichs, Saudi-Arabien wolle Uran für sein Atomkraftprogramm anreichern, berichtet Reuters. Eine Ankündigung, die Gespräche mit Washington über die potenzielle Hilfe amerikanischer Unternehmen bei der Einrichtung ihres Atomenergieprogramms behindern dürfte.

„Der weltgrößte Ölexporteur sagt, er wolle die Kernenergie zur Diversifizierung seines Energiemixes nutzen, aber die Anreicherung eröffnet auch die Möglichkeit einer militärischen Nutzung von Uran“, so Reuters weiter.

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„Wir gehen vorsichtig vor … wir experimentieren mit zwei Kernreaktoren“, sagte Energieminister Abdulaziz bin Salman in Bezug auf einen vorgeschlagenen Plan, eine Ausschreibung für die ersten Kernreaktoren des Landes abzugeben. Das Multi-Milliarden-Dollar-Projekt bringt vor allem Amerikaner und Russen in Stellung.

Im April äußerten amerikanische Abgeordnete Besorgnis über die möglicherweise heimliche Verfolgung von Atomwaffen durch das Königreich und befragten das US-Energieministerium darüber, inwieweit sie von den Vereinigten Staaten bereits Unterstützung erhalten haben. Dieses musste zugeben (wir berichteten), den Saudis trotz eines gesetzlichen Verbots zur Weitergabe entsprechender sensibler Technologie ohne Zustimmung des Kongresses entsprechendes Material geliefert zu haben.

Und das, nachdem im November letzten Jahres Kronprinz Mohammed bin Salman (MbS) gesagt hatte: „Wenn der Iran eine Atombombe entwickelt, werden wir so bald wie möglich nachziehen.“ Angesichts dessen, dass MbS als gewissenloser Soziopath gilt, der auch vor Mordaufträgen nicht zurückschreckt, muss man sagen: Atomwaffen in seinen Händen sind eine tatsächliche Gefahr für die Welt.

Allerdings behauptete ein saudischer Politikanalyst bereits vor drei Jahren, dass sein Land bereits seit dem Jahr 2014 mit dem Wissen der Supermächte (ähnlich wie schon zuvor Israel) über Atomwaffen verfüge. Eine Behauptung, die sich zwar nicht beweisen lässt, jedoch durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Und nicht nur das: angeblich sollen die Saudis bereits in den 70ern Uranverarbeitungsgeräte aus Deutschland und in den 80ern Atombomben von China gekauft haben.

Auch schon im Jahr 2015 wurden Gerüchte laut, Saudi-Arabien würde sich aufgrund des regionalen Konflikts mit dem Iran mit pakistanischen Atomwaffen eindecken, bzw. Nukleartechnologie von Pakistan kaufen. Eine Option, die durchaus plausibel klingt, zumal beide sunnitisch-muslimischen Länder gute Beziehungen untereinander pflegen.

Aber das ist noch nicht alles. Wie wir bereits Anfang dieses Jahres berichteten, arbeiten die Saudis inzwischen an einem eigenen Programm für ballistische Raketen. Diese könnten dann nukleare Sprengköpfe transportieren und beispielsweise über dem Iran explodieren lassen.

Eines ist auf jeden Fall gewiss: Atombomben in den Händen des wahhabitischen Regimes in Riadh sind keine wirklich gute Idee. Doch wenn die Saudis tatsächlich über solche Waffen verfügen, darf man sie dem Iran nicht verwehren. Zudem müssten die Sanktionen gegen Teheran dann entweder sofort aufgehoben werden, oder Riadh auf gleiche Weise sanktioniert werden.

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Ähnlich wie es bei Indien und Pakistan der Fall ist, wo die Nuklearwaffen einen größeren Waffengang (vor allem wegen Kaschmir) bislang verhindert haben, wäre eine nukleare Bewaffnung des Irans und Saudi-Arabiens eine interessante Option. Ohne diese Massenvernichtungswaffen befänden sich die beiden verfeindeten Länder längst in einem blutigen Krieg, wie die jüngsten Spannungen bezüglich Kaschmir zeigen. Dies könnte auch Saudi-Arabien und den Iran vor einem direkten Krieg bewahren.

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