Netflix-Streaming

Wer will sich von den Programmdirektoren der TV-Sender denn überhaupt noch immer vorschreiben lassen, was man sich wann ansehen kann?

Von Marco Maier

Bevor es die (legalen und illegalen) Streamingangebote im Internet gab, hatte man als TV-Konsument keine Chance. Entweder nahm man sich z.B. für den Film, eine bestimmte Dokumentation oder die nächste Episode seiner Lieblingsserie an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Stunde Zeit, oder man musste darauf hoffen, eine Wiederholung sehen zu können um nichts zu verpassen. Bei Filmen gab es zur Not noch die Möglichkeit, ein Video aufzunehmen oder sich ein Video bzw. eine DVD auszuleihen. Das hat sich glücklicherweise geändert.

In den letzten Jahren haben sich viele Streamingportale entwickelt. Manche legal, manche illegal – aber im Endeffekt bieten sie den Film-, Doku- und Serienliebhabern die Möglichkeit, sich zu jeder Tageszeit nach Belieben einen Film oder eine Doku nach Wahl anzusehen oder auch unter Umständen verpasste Folgen ihrer Lieblingsserie(n). Gerade für Schichtarbeiter oder jene, die zur Hauptsendezeit (also zumeist 20:15 Uhr) arbeiten müssen, war dies eine hilfreiche Entwicklung. Ebenso für jene, die öfter verreisen (müssen) oder gar im Ausland leben.

Netflix, Amazon, die Mediatheken der einzelnen TV-Sender selbst & Co haben es den Menschen ermöglicht, sich vom Zeit- und Programmdiktat der Programmdirektoren zu lösen. Viel mehr noch: sie haben den Menschen sogar ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung gegeben. So wie es das Internet generell den Menschen ermöglichte, sich vom Informationsdiktat der öffentlich-rechtlichen und der Konzernmedien zu lösen und sich auch alternativ zu informieren.

Über kurz oder lang wird das klassische Fernsehen verschwinden, zumal ohnehin fast nur noch die älteren Generationen darauf setzen. Die jüngeren Generationen haben sich schon auf die neuen Angebote eingestellt und sind bei ihrer Freizeitplanung nicht mehr an das zeitlich festgelegte Angebot gebunden.

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Die klassischen TV-Sender sind mediale Dinosaurier wie die gedruckten Zeitungen und Magazine. Im Internetzeitalter sind gedruckte Nachrichten welche von gestern, die man bereits am Vortag schon online lesen konnte. So wie niemand mehr MTV oder Viva für vorprogrammierte Musikvideos braucht, wenn diese via Youtube frei verfügbar sind oder die Internetradios der Wahl das klassische lokale/regionale Radio ersetzen.

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6 KOMMENTARE

  1. Wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger. So wird es auch mit dem TV sein, aus verschiedenen Gründen. Wurde nicht auch dem klassisch gedruckten Buch schon lang das Aus vorhergesagt und mancher hat sein Bücherregal geleert? Dabei ist das ebook eine sinnvolle Ergänzung aber keinesfalls ein Ersatz für das Kulturgut Buch.

  2. Ich hatte in den 90er Jahren wieder relativ viel Fernsehen gesehen und viel Radio gehört. Da waren auch noch, unter Rudolf Augstein, eine ganze Reihe von Artikeln im Spiegel interessant – weil sie teilweise auch mit Originaldokumenten gespickt waren. Das war eine Zeit, in der auch die FAZ noch lesenswert war.

    Danach ging es rasant bergab. Ab 2002 hatte ich keine „Abo- oder Kaufzeitungen“ mehr. Der Radiokonsum ging zurück und 2008 hatte ich ein Fernseh-Aufkommen von ca. 6 Stunden pro Woche. 2009 habe ich mir das Internetradio erschlossen. Damals waren ca. 50 Sender vorprogrammiert, heute sind es knapp über 100, seit die neue Plattform langsam wieder in die Gänge kommt. Die relativ hohe Anzahl ist vorrangig durch die Spartensender für die klassische Musik begründet.

    Mein reiner Fernsehsender-Konsum ist auf Null Stunden gesunken. Die Geräte existieren aber noch und ich habe ihnen jeweils einen Mini-Computer (Raspberry) vorgeschaltet und sehe dort dann manchmal die ganz normalen Video-Kanäle des Internets oder spiele Aufzeichnungen/Downloads ab.

    Über Downloads und Radiotracker-Aufzeichnungen, die ich sortiert, gegebenenfalls geschnitten und nachbearbeitet habe, könnte ich jetzt über etliche Monate autark Musik, Hörbücher und Hörspiele, via USB-Stick oder Festplatte, hören.

    Parallel habe ich meinen Buchbestand an gedruckten Büchern und auch an eBooks deutlich erhöht.

    Ich hätte es mir früher nie vorstellen können, aber es ist einfach herrlich ohne TV und auch das ÖR-Radio vermisse ich nicht.

    • Bei mir zu Hause läuft der Fernseher eigentlich nur wegen meinem Sohn (Disney Junior) oder meiner Lebensgefährtin (lokale/nationale Nachrichten und Kochshows). Dafür habe ich mir gestern Abend endlich wieder einmal die Zeit genommen, Dokus („The Pyramid Code“) zu streamen. Selbst als ich noch in Österreich bzw. Deutschland war, habe ich die letzten Jahre faktisch gar kein TV mehr gesehen…

      • Ja, das sind die „kleinen“ Schätzchen, die man immer noch bei YouTube findet. Zu diesem Thema gibt es auch inhaltlich sehr gute Beiträge von Axel Klitzke, z.B. „Wissen in Stein“.

        Noch interessanter wird es, wenn man zusätzlich in archive.org stöbert und dort Bücher dazu findet, aus der Zeit des Kaiserreiches, in einer lebendigen Sprache, anschaulichen geschrieben und mit einer wissenschaftlichen Akribie erstellt.

        • Nicht nur auf Youtube. Auch andere Seiten bieten interessante Dokus an (wobei ich da sowohl deutsch- als auch englischsprachige Dokus ansehe).
          An eBooks (auch ältere) habe ich auch schon eine recht große Sammlung. 🙂

  3. Gerne schließe ich mich meinen Vorrednern an, aber eines haben sie dabei übersehen, nämlich der staatlich installierte Zwangsbeitrag und selbst wenn beide Sender nur von morgens bis abends alte Kamellen abspielen, bleiben ihnen diese Einnahmen erhalten, egal ob sie noch Zuschauer haben oder nicht, das mag dann für sie frustrierend sein und ähnelt einer staatlichen Leibrente auf Lebenszeit, was es in dieser Form in einem Wirtschaftsbetrieb garnicht mehr geben dürfte und dennoch kommt immer wieder der Sozialismus durch, sie können es einfach nicht lassen.

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