Seine Alleingänge und fehlende Kommunikation sorgen dafür, dass die Zahl der internen Kritiker an Draghis EZB-Führung stetig wächst. Immer mehr formieren sich Widerstände gegen seine Geldpolitik. Wie lange wird sich der Ex-Goldman-Sachs-Banker noch an der Spitze halten können?

Von Marco Maier

Medienangaben zufolge planen einige nationale Notenbanker die direkte Konfrontation mit Draghi. Ihre Kritik: sein aus ihrer Sicht heimlichtuerischer Führungsstil und seine unberechenbare Kommunikation. Für Mario Draghi könnte das durchaus gefährlich werden, denn Irritationen im 24-köpfigen EZB-Rat, in dem die Gouverneure der Zentralbanken der aktuell 18 Euro-Länder über eine Mehrheit verfügen, könnten seinen Gestaltungsspielraum begrenzen. Doch die Zeichen stehen deutlich auf Revolte im Glaspalast.

Denn beim heutigen Abendessen vor der morgigen Zinsentscheidung, dürften einige der Euro-Notenbanker ihren Unmut lautstark äußern. Denn der Italiener trifft die wichtigen Entscheidungen für die europäische Geldpolitik meistens entweder allein, oder nach Beratung mit ein paar wenigen Vertrauten. Dieses "Küchenkabinett", zu dem auch EZB-Chefvolkswirt Peter Praet und Benoit Coeure gehören, sorgte immer wieder für umstrittene Entscheidungen des EZB-Direktors, bei denen sich die anderen Notenbanker übergangen fühlten.

"Mario ist verschwiegener, wenig kollegial. Die Gouverneure der nationalen Notenbanken fühlen sich manchmal ausgeschlossen, tappen im Dunklen", bemängelt ein langjähriges Ratsmitglied, das in der Presse nicht namentlich genannt werden will. "Jean-Claude hat viel mehr daran gearbeitet einen Konsens herzustellen. Er beriet sich mehr und hat mehr kommuniziert", beschreibt ein anderer EZB-Insider den Wandel an der Spitze der Notenbank.

Sogar Mitglieder des der Form nach engsten Führungszirkels um Draghi, des sechsköpfigen EZB-Direktoriums, hätten von zwei der jüngsten Alleingänge des Chefs vorab nichts gewusst: seinem beim Notenbankertreffen in Jackson Hole (USA) gegebenen Versprechen, die EZB werde "mit allen Mitteln" gegen das Schreckgespenst einer Deflation vorgehen ebenso wie seiner Aussage, die EZB wolle ihre Bilanz "auf das Niveau von Anfang 2012" aufblähen. Damit macht man sich keine Freunde.

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Vor allem Draghis letzte Äußerung sorgte nach Aussagen der Insider für Verärgerung bei den Kollegen im EZB-Rat: "Wir hatten uns darauf geeinigt, dass wir keine Hausnummern nennen. Deshalb irritierte sein Hinweis auf die Größe der Bilanz zu Anfang 2012 zahlreiche Kollegen." Ein anderer Notenbanker glaubt sogar, dass Draghis forsche und unabgestimmte Kommunikation schädlich war: "Das hat exakt die Erwartungen erzeugt, die wir doch vermeiden wollten. Jetzt wird alles, was wir tun, daran gemessen, ob wir es schaffen, die Bilanz um eine Billion Euro zu vergrößern." Ein solcher Führungsstil ist einfach nur kontraproduktiv.

Viele im Rat kreiden Draghi auch die Art und Weise an, mit der er das Gremium leitet und lenkt. "Er sitzt da mit seinen drei Mobiltelefonen vor sich und verschickt Nachrichten oder geht hinaus, um Telefonate zu führen", sagt eine Person, die normalerweise bei den Sitzungen hinter verschlossenen Türen dabei ist. So kann man die wichtige EU-Institution nicht führen. Zudem bekundet Draghi damit seinen fehlenden Respekt vor seinen Kollegen. Inzwischen gilt er als arrogant und abgehoben. Die Kommunikation über drei Mobiltelefone während der Sitzungen lässt auch darauf schließen, dass er einzelne Punkte wohl mit anderen Personen außerhalb abgleichen möchte.

Draghis bekanntermaßen äußerst miserables Verhältnis zu Bundesbank-Chef Jens Weidmann ist ein weiteres Problem. Inzwischen hat sich nach Angaben eines EZB-Insiders sogar schon Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeschaltet und die beiden Streithähne gebeten, sich wieder zu versöhnen. Ein Gespräch der zwei Gegenpole der europäischen Geldpolitik in der vergangenen Woche sei jedoch nicht wirklich erfolgreich gewesen. EZB und Bundesbank wollten das nicht kommentieren, ebensowenig das Kanzleramt in Berlin. Ein Zeichen dafür, dass das Verhältnis der beiden Banker massiv zerrüttet ist.

Auf jeden Fall kann sich Draghi nicht mehr darauf verlassen, dass die anderen Notenbank-Chefs weiterhin seine Alleingänge mittragen. Spätestens dann, wenn Draghi seinen Kurs der Flutung der Geldmärkte weiter vorantreiben will, dürften ihm 7 bis 10 Notenbanker die Gefolgschaft verweigern. Denn immer mehr Notenbank-Gouverneure weigern sich, die monetäre Flut mitzutragen. Als deklarierte Gegner gelten die beiden Direktoriumsmitglieder Yves Mersch und Sabine Lautenschläger, sowie die Gouverneure von Deutschland, den Niederlanden, Luxemburg, Estland und Lettand. Eventuell könnten noch Österreich, die Slowakei und Slowenien hinzu kommen. Zwar hätte Draghi dann immer noch eine Mehrheit im für die Geldpolitik entscheidenden EZB-Rat, aber auch ein massives politisches Problem im Staatenbund der Währungsunion. Ein Rücktritt des umstrittenen EZB-Chefs stünde damit im Raum.

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2 thoughts on “EZB: Palastrevolte gegen Draghi?”

  1. Es muss einem klar sein, dass wir uns einen amerikanischen Finanzkriminellen an die europäischen Schalthebel der Macht gesetzt haben. Es ist kein Geheimnis, dass die USA an einem wirtschaftlich starken Europa kein Interesse haben und wenn man auch weiß, dass es Draghi war, der die griechischen Billanzen gefälscht hat, damit sie in den Euro konnten dann ergibt das ein Bild, welches dem eines amerikanischen Maulwurfs in der EU entspricht. Ich frage mich immer wieder, wie ausgerechnet er zur EZB kam…mit seinem Hintergrund. Ich bin mir sicher, dass ihn die USA dort platziert haben. Die europäischen Regierungschefs sind dermaßen amrikahörig, da wundert es mich auch nicht mehr, dass man sich den Feind ins Haus holt ohne zu mucken. Seine ganzen hier im Bericht beschriebenen Verhaltensweisen deuten genau darauf hin. Mit wem wird er wohl telefonieren mit seinen 3 Mobil-Telefonen? Ich sage es noch einmal: Draghi wurde platziert, um der EU maximalen Schaden zuzufügen!

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