Dass es für die Bahnreisenden nicht angenehm ist wenn die Lokführer streiken, ist verständlich. Ebenso muss man nachvollziehen können, dass nur das Streikrecht selbst dazu beiträgt, dass die Arbeitnehmer zur Not auch drastische Schritte zur Durchsetzung ihrer Interessen setzen dürfen.

Von Marco Maier

Sicher, der Versuch der Gewerkschaft der Lokomitivführer (GdL) im Machtpoker der Gewerkschaften den Einfluss auszuweiten, trägt nicht gerade viel zum Verständnis bei, doch hierbei geht es um deutlich mehr als nur Macht und Einfluss. Die GdL beansprucht das Recht, für das gesamte Fahrpersonal Tarifverträge zu verhandeln. Neben den Lokführern will die Gewerkschaft auch Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Ausbilder, Instruktoren und Lok-Rangierführer vertreten. Die Deutsche Bahn rechnet, dass sie etwa 37.000 Mitarbeiter in diesen Bereichen beschäftigt. Davon sind 19.000 Mitarbeiter bei der GdL, nur etwa 8.000 bei der Konkurrenz Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die Teil des DGB ist. Etwa 10.000 Mitarbeiter sind nicht Mitglied bei einer der Gewerkschaften.

Die EVG ist jedoch eine übergeordnete Transportgewerkschaft mit insgesamt 200.000 Mitgliedern. Der Anteil der Bahn-Mitarbeiter im Vergleich zur GdL entsprechend gering. Umso deutlicher wird es, dass die GdL keinen anderen Weg gehen kann, wenn sie in Zukunft noch eine Rolle spielen möchte. Wenn nun viele Medien behaupten, dass "eine Minderheit die Mehrheit unter Druck setzen" würde, so mag das zwar theoretisch stimmen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass auch diese "Minderheit" das Recht auf ordentliche Tarifverträge hat.

Zudem muss man auch nachvollziehen, dass die deutschen Lokführer im europäischen Vergleich doch recht wenig verdienen. Die Arbeitskollegen in Frankreich oder Italien beispielsweise verdienen deutlich mehr. Angesichts der Verantwortung, die auf den Schultern der Lokführer lastet, ist eine ausreichende Bezahlung das Mindeste. Denn die EVG-Vorgängergewerkschaft Transnet sorgte schon im Jahr 2007 dafür, dass mittels eines Tarifvertrags mit der Deutschen Bahn Lokführer um magere 7,50 Euro pro Stunde angestellt werden konnten. Dass dies kein wünschenswerter Zustand ist, sollte auch klar sein.

Umso mehr Verständnis für ihren Kampf um die Rechte der Bahnmitarbeiter braucht es auch. Vor allem dann, wenn die meisten Medien den Unmut der Bahnkunden dafür ausnutzen, Stimmungmache gegen die GdL zu betreiben und sich damit wieder ein paar Pluspunkte bei den vergrämten Lesern zu erschleichen. Denn wie jede andere Gewerkschaft auch, versucht die GdL nur die Interessen der Mitglieder durchzusetzen. Auch wenn dies bedeutet, dass es die nächsten Tage zu einigen Unannehmlichkeiten kommt.

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