Hackerangriff: Erbeuteten Chinesen Informationen zu US-Spionen?

Geheimdienstmitarbeiter und Regierungsvertreter befürchten, dass die Chinesen beim großen Datenklau im Juni auch an sensible Informationen zu Auslandsagenten der USA gekommen sind. Das ganze Auslandsspionagesystem steht damit vor dem Zusammenbruch.

Von Marco Maier

Die US-Auslandsgeheimdienste haben ein enormes Problem: Beim Hackerangriff im vergangenen Juni erbeuteten die Eindringlinge Daten von 25 Millionen Bundesangestellten, deren Angehörigen und zivilen Auftragnehmern. Darunter könnten auch unzählige Datensätze von US-Spionen gewesen sein. Dies berichtete die New York Times unter Berufung auf Geheimdienstmitarbeiter.

Zwar betonten die US-Behörden, dass keine Informationen über Spione der USA bei der Bundesverwaltung gespeichert worden seien und diese Daten zum Zeitpunkt des Hackerangriffs auch völlig geschützt gewesen wären, doch einige Geheimdienstmitarbeiter und diverse Regierungsvertreter äußerten massive Bedenken, dass eine Kombination aus den gestohlenen Daten mit bereits gesammelten Informationen unzählige Auslandsspione enttarnen könnten.

Für den gewaltigen Spionageapparat der USA, der sich über die gesamte Welt erstreckt, ist dies ein Horrorszenario. Vor allem dann, wenn die Chinesen ihre erlangten Informationen mit befreundeten Staaten wie Russland, Venezuela und Brasilien, aber auch mit Ländern wie dem Iran oder Weißrussland teilen. Für wohl tausende Auslandsagenten der USA wäre dies ein unter Umständen lebensbedrohlicher Ernstfall. Insbesondere hochrangige Beamte in diesen Ländern, die sensible Informationen an die US-Behörden weiterleiten, könnten dann wegen Hochverrat oder Landesverrat vor dem Henker, oder zumindest lebenslang hinter Gitter wandern.

Gleichzeitig jedoch ist dies für die betroffenen Länder ein enormer Glücksfall, der zumindest vorübergehend für mehr politische Sicherheit sorgen kann. Immerhin können diese verräterischen Subjekte dann nicht mehr ihrer subversiven Arbeit zugunsten der Welt-Hegemonialmacht USA nachgehen, was auch die Wahrscheinlichkeit von Störmanövern und Regime-Change-Operationen massiv reduziert. Insbesondere im Hinblick darauf, dass dem jetzigen doch eher gemäßigten US-Präsidenten Barack Obama ziemlich sicher ein "Falke" folgen wird und eine aggressiver außenpolitische Linie zu erwarten ist, würde der (partielle) Zusammenbruch des Auslands-Spionagesystems zumindest ein klein wenig mehr globale Sicherheit mit sich bringen.

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2 Kommentare

  1. Auf dieser Liste, wenn sie denn entschlüsselt wird, dürften dann auch einige deutsche „Staatsdiener“ auf der Liste stehen – mit großer Wahrscheinlichkeit die Dame, die gerade vom Stuhl gefallen ist.
    Diese Herrschaften erwartet aber nicht der Henker oder langjährige Haftstrafen, sondern der goldene Handschlag und das Verdienstkreuz für besondere Leistungen.

  2. „Für wohl tausende Auslandsagenten der USA wäre dies ein unter Umständen lebensbedrohlicher Ernstfall.“

    sorry aber dazu fällt mir dann im Ernstfall nur der berühmte Sack Reis in China ein, wenn DER umfällt
    ist es genauso interressant wie wenn von den oben genannten einen draufgeht.

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