Während Japan mit aller Gewalt versucht, die Inflation mit Hilfe der Druckerpresse anzuheizen, kämpft Chinas Wirtschaft ebenfalls mit Konjunkturproblemen. Insbesondere der Immobiliensektor im Reich der Mitte kommt ins Straucheln. Damit verschlechtern sich allerdings auch die Aussichten der Weltwirtschaft.

Von Marco Maier

Erst vorige Woche hatte die Zentralbank in einem überraschenden Schritt beschlossen, bis zu 80 Billionen Yen (563,5 Milliarden Euro) pro Jahr an Wertpapieren aufzukaufen. Bisher waren nur 60 bis 70 Billionen Yen geplant. "Es gibt keine Grenzen für unsere geldpolitischen Instrumente, das gilt auch für den Kauf japanischer Staatsanleihen", sagte Notenbankchef Haruhiko Kuroda heute in Tokio. "Um die chronische Krankheit der Deflation zu überwinden, muss die gesamte Medizin eingenommen werden. Eine unausgegorene Behandlung wird nur die Symptome verschärfen." Ziel der Notenbank bleibe es, die Inflationsrate so schnell wie möglich auf zwei Prozent zu hieven. Derzeit liegt sie nur etwa halb so hoch.

Japans Wirtschaft leidet seit den 1990ern unter einer Stagnation die mit ständig sinkenden Preisen einher ging. Der demographische Wandel erschwert eine Wende in der Konjunkturpolitik enorm. Hinzu kommt die massive Verschuldung des japanischen Staates bei den eigenen Bürgern. Die nun langsam steigende Inflation sorgt jedoch dafür, dass die Staatsanleihen Dank der faktisch nicht vorhandenen Zinsen immer weniger Wert werden, was sich insbesondere auf die Altersversorgung der Menschen auswirkt. Die derzeit eingeschlagene Wirtschafts- und Finanzpolitik könnte damit zwar kurzfristig für etwas Wachstum sorgen, wird langfristig jedoch nur eine weitere Verarmung der japanischen Rentner mit sich bringen.

Chinas Wirtschaft strauchelt

Zwar klingt ein erwartetes Wirtschaftswachstum von 7,2 Prozent im dritten Quartal nicht schlecht, doch dies ist der niedrigste Wert seit 5 Jahren. Insbesondere der Dienstleistungs- und der Immobiliensektor haben derzeit Probleme. Auch die sinkende Inflation lässt darauf schließen, dass den Chinesen die Konsumkraft ausgeht. Eine Flaute in China würde auch die deutsche Wirtschaft treffen. Deren Exporte in die Volksrepublik waren im ersten Halbjahr um 15,5 Prozent auf 43 Milliarden Euro gestiegen, womit die Unternehmen die schwache Nachfrage aus Europa teilweise ausgleichen konnten.

Chinas Immobilienentwickler haben zudem immer größere Schwierigkeiten, neugebaute Wohnungen zu verkaufen. Durch das künstlich erzeugte Überangebot leiden die Immobilienkonzerne unter wachsenden, unverkäuflichen Lagerbeständen. Laut der neusten Statistik besaßen Chinas 142 börsennotierte Immobilien-Unternehmen bis Ende September 2014 einen Lagerbestand im Gesamtwert von 2,3 Billionen Yuan (287,5 Milliarden Euro). Der Lagerbestand ist damit um rund ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr angeschwollen.

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Auch Europa ist davon betroffen

Die Probleme der beiden großen asiatischen Wirtschaftsmächte wirken sich nicht gerade positiv auf die europäische Konjunktur aus, die derzeit ebenfalls massiv unter Druck steht. Grundsätzlich gilt zum Beispiel die Faustregel, wonach ein Prozent Wirtschaftswachstum in China für 0,2 Prozent Wachstum in Europa sorgt. Immerhin exportierte China im Jahr 2013 Waren im Wert von 279 Milliarden Euro in die EU, während die EU Waren im Wert von 148,1 Milliarden Euro nach China exportierte.

Für die schwächelnde europäische Wirtschaft wäre eine spürbare Abkühlung der chinesischen Konjunktur ein weiterer herber Schlag, zumal schon die bestehenden Russland-Sanktionen eine klar negative Auswirkung haben. Angesichts der leicht negativen Vorzeichen dürfe es jedoch noch für einige Zeit düster am Konjunkturhimmel bleiben.

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