Russland und China haben große Pläne im Weltraum

Der Trend zur Abkehr von der von Washington geführten unipolaren “internationalen Ordnung” hin zum Multipolarismus entfaltet sich nicht nur hier auf der Erde, sondern weit darüber hinaus im Orbit und sogar darüber hinaus.

Von Gunnar Ulson

Washingtons fortgesetzte Kampagne der Kriegstreiberei gegenüber Moskau hat sogar eines der wenigen Felder der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den beiden Nationen erschwert: die Kooperation im Weltraum.

Dazu gehört die 22 Jahre alte Internationale Raumstation (ISS), die aus einer Kombination russischer, amerikanischer, europäischer und japanischer Module besteht und Astronauten aus Nationen aus aller Welt beherbergt.

Doch selbst diese beeindruckende Errungenschaft, sowohl in technischer Hinsicht als auch im Bereich der Zusammenarbeit, ist von der Politik getrübt. Die ISS schließt mehrere Nationen von der Zusammenarbeit aus, darunter China, ein zunehmend wichtiger Verbündeter Russlands (und vieler anderer Nationen rund um den Globus).

In jüngster Zeit haben die USA die Zusammenarbeit mit Russland besonders ins Visier genommen, indem sie versuchten, den Verkauf russischer Raketentriebwerke an das in den USA ansässige Raumfahrtunternehmen United Launch Alliance (ULA) zu verbieten. Während “Sicherheitsbedenken” angeführt wurden, war das Verbot in Wirklichkeit durch die Krise in der Ukraine und Washingtons Frustration über den Wiederanschluss der Krim an die Russische Föderation im Jahr 2014 motiviert.

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Während das Verbot aufgrund der Abhängigkeit der ULA von russischer Raketentechnologie teilweise aufgehoben wurde, wurden die Bemühungen fortgesetzt, die Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland zu beenden.

Das Lunar-Gateway-Projekt wurde als “zu US-zentrisch” für eine größere Beteiligung Russlands angesehen, wie SpaceNews in ihrem Artikel “Russia skeptical about participating in lunar Gateway” berichtet. Die Minimierung der Rolle Russlands bei Projekten oben im Weltraum scheint eine Fortsetzung der Politik Washingtons zu sein, den Einfluss Russlands auf der Erde zu minimieren und zu isolieren.

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Und genau wie auf der Erde, wo sich Russland anderen Partnern zuwendet, um weiter voranzukommen, sucht es auch im Weltraum nach Partnern, um auch dort weiter voranzukommen.

Der Guardian in seinem Artikel, “China und Russland enthüllen gemeinsamen Plan für Mond-Raumstation” berichtet:

Russland und China haben Pläne für eine gemeinsame Mond-Raumstation enthüllt, wobei die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos sagte, sie habe ein Abkommen mit Chinas Nationaler Raumfahrtbehörde (CNSA) unterzeichnet, um einen “Komplex von experimentellen Forschungseinrichtungen zu entwickeln, die auf der Oberfläche und/oder in der Umlaufbahn des Mondes geschaffen werden”.

Während es für Nationen leicht ist, Pläne vorzuschlagen und zu enthüllen, scheint die russisch-chinesische Zusammenarbeit im Weltraum mehr als nur Wunschdenken zu sein. Russland hat eine jahrzehntelange Erfolgsbilanz bei der Beförderung von Menschen in den Weltraum mit seinem bewehrten Sojus-Trägersystem. Es hat nicht nur zu den Schlüsselmodulen der aktuellen ISS beigetragen, sondern auch die bisher am längsten im Orbit befindliche Raumstation der Geschichte, Mir, unterhalten.

Russland erwägt auch den Bau einer eigenen nationalen Raumstation. Ein weiterer Guardian Artikel, dieser mit dem Titel, “Russland: Wir werden die Internationale Raumstation verlassen und bauen unsere eigene” merkt an:

Russland ist bereit, mit dem Bau einer eigenen Raumstation zu beginnen, mit dem Ziel, sie bis 2030 in die Umlaufbahn zu bringen, wenn Präsident Wladimir Putin grünes Licht gibt, sagte der Chef seiner Raumfahrtbehörde Roscosmos.

Der Artikel zitiert eine “Krise über Menschenrechte, Cyberangriffe und andere Themen” als Ursache für Störungen in einer ansonsten konstruktiven Beziehung im Weltraum zwischen den USA und Russland. Die eigene Formulierung des Guardian und die einseitige Analyse der sich verschlechternden Beziehungen weist jedoch auf den eigentlichen Grund für das Ausfransen dieser Beziehungen hin: absichtliche und unehrliche westliche Feindseligkeit.

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Russland ist eindeutig in der Lage, seine eigene Raumstation zu bauen. Es hat dies schon einmal getan und hat durch seine kontinuierlichen Beiträge zur ISS, deren nächstes Modul von Russland gebaut wurde und noch in diesem Jahr zur ISS starten soll, die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse erhalten, um dies erneut zu tun.

Kombiniert mit China könnte diese Expertise in einer orbitalen Version des Multipolarismus eine potente Mischung sein.

China hat nicht nur seine eigenen “Taikonauten” ins All geschickt, sondern auch temporäre Raumstationsmodule im Orbit getestet, um den Bau seiner ersten permanenten Raumstation vorzubereiten, der in diesem Jahr beginnen soll.

Das berichtet New Scientist in einem Artikel mit dem Titel “China ist dabei, mit dem Bau einer Raumstation im Orbit zu beginnen“:

China ist im Begriff, den ersten Abschnitt einer neuen Raumstation zu starten und damit ein orbitales Bauprojekt zu beginnen, das voraussichtlich 2022 mit einem Außenposten enden wird, der etwa ein Viertel der Größe der Internationalen Raumstation (ISS) hat.

Der Artikel stellt auch fest, dass:

Die Chinese Space Station (CSS) wird die 11. bemannte Raumstation sein, die jemals gebaut wurde. Es ist Chinas dritte Station, obwohl die beiden vorherigen deutlich kleiner waren. Die CSS wird etwas größer sein als Mir, die sowjetische Raumstation, die der ISS vorausging.

China hat ebenfalls damit begonnen, unbemannte Missionen sowohl zum Mond als auch zum Mars zu meistern. Wenn in den kommenden Jahren russische und chinesische Raumstationen in der Erdumlaufbahn betrieben werden, erscheint ein russisch-chinesisches Projekt, das in Konkurrenz zum Lunar Gateway des Westens betrieben wird, plausibel.

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Die Auswirkungen mehrerer Raumstationen in der Erdumlaufbahn und mehrerer Mondprojekte auf die Geopolitik auf der Erde bedeuten, dass andere Nationen, die von westlich orientierten Raumfahrtprogrammen und -projekten ausgeschlossen sind, die Möglichkeit haben werden, sich stattdessen an der Seite Russlands und Chinas zu beteiligen, wodurch ein größeres Gleichgewicht der Kräfte sowohl auf der Erde als auch im Orbit darüber geschaffen wird.

Der Westen mag spüren, dass ihm seine Vormachtstellung entgleitet, was ihn zu mehr offener Kriegslust und einem allgemeinen Gefühl der Unsicherheit über seinen Platz innerhalb der internationalen Gemeinschaft (und darüber im Weltraum) treibt. Er verpasst jedoch eine wichtige Gelegenheit, die Welt in eine multipolare Zukunft zu führen, und wird stattdessen mit Füßen getreten, um deren unvermeidliche Entstehung zu verhindern.

Die Expertise und die Errungenschaften des Westens im Weltraum sind beeindruckend, aber sein mangelndes Interesse an der Zusammenarbeit mit Nationen wie Russland und China scheint nur dafür zu sorgen, dass sich die Konflikte und die Gewalt, die der Westen seit Jahrzehnten auf der Erde antreibt, im Weltraum ausbreiten und in absehbarer Zukunft fortsetzen werden.

Aber genau wie auf der Erde könnten Kooperation und Multipolarismus unter der Führung Russlands und Chinas dazu beitragen, die Gefahr dieser Kriegstreiberei zu minimieren und eine beispiellose Entwicklung und menschliche Errungenschaften sowohl auf der Erde als auch jenseits der Erde voranzutreiben.

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3 Kommentare

  1. Meint man mit Weltraum irgendetwas, was ständig hinter irgendwelchen unbekannten Dingen verdeckt und viel zu weit von der Erde entfernt ist und man kaum dorthin einen Speziergang machen kann oder das Erdenorbit, den Raum, der von der Erde vielleicht 20000 km entfernt ist, und wo die Scheibenplaneten, Satelliten, Asteroide und Orbitmüll sich herumtreiben? Da kann man dort sicher hin, aber der Weltraum ist sicher nicht das, was man glaubt. Außerdem sollte man auf der Erde und im Orbit einmal Ordnung schaffen und halten, als die gierigen Finger wohin auszustrecken, wo man noch mehr überfordert ist, als auf der malträtierten Erde. Menschen müssen nicht überall sein……reicht,daß es auf der Erde immer mehr davon gibt. Glück für die Erde? oder für wen? Muß auch das Orbit was davon abhaben??? Was will man dort—-Krieg auf große Entfernung????

  2. Völlig sinnlos, wenn man die Probleme kennt und weiß in welcher Entfernung eventuell bewohnbare Planeten liegen.

    Wäre allenfalls für unbemannte oder Robotergesteuerte Raumfahrzeuge etwas um ein kleinen Blick um uns herum zu werfen, ansonsten wird es wahrscheinlich nur als Kampfplatz von ein paar hundert Kilometern im luftleeren Raum gesehen, denn im All generell fehlt jede Voraussetzung um im herkömmlichen Sinne leben zu können.

    Im Prinzip ist der Griff nach den Sternen eine Illusion, weil man sich darin verrennen kann und das menschliche Hirn für diese Dimensionen nicht ausgelegt ist und der Wahn überkommt halt die Menschheit immer wieder und genauso wenig wie ein Leben unter Wasser wünschenswert oder auch erbaulich ist, genauso wenig ist es im All, denn da ist nichts, was für uns von Nutzen wäre, ohne daß wir dabei unseren Verstand und unser Geld über Gebühr strapazieren.

    Selbst wenn man was finden könnte, hätte man immer noch nicht die Gewähr, daß dies friedvoll ablaufen kann und wenn wir überleben wollen, was allerdings eine Generationenfrage ist, dann müßte die Überpopulation abgestellt werden, denn die ist das Haupthindernis weiterer guter Entwicklung und deshalb ist der Gedanke zum Aufbruch in das All nur ein Placebo um sich nicht dieser Aufgabe stellen zu müssen, denn das wird die härteste Nummer für alle Nachkommen sein um überhaupt überleben zu können, weil auch das All kein Ausweg ist, weil unser Platz hier vorgesehen war und den haben wir sträflich vernächlässigt, was der Menschheit über kurz oder lang zum Verhängnis wird.

    Im übrigen gibt es nach früherer Definition und auch richtig erkannt wurde ein Luftmeer, was für die fliegenden Zeitgenossen vorgesehen ist, darunter gibt es eine Landmasse, die für uns bestimmt ist und das große Wassermeer, welches für das schwimmende Getier gedacht war.

    Niemand von dort käme doch auf die Idee in den Weltraum gelangen zu wollen und diese Art von geistiger Entgleisung kann nur den deformierten Gehirnen der Menschen entspringen, die sich in völliger Selbstüberschätzung Dinge vorgenommen haben, die nicht umsetzbar sind und sogar noch zur Vernichtung der eigenen Art beitragen können und das alles mit einem Verbrennungsmotor wie aus der Steinzeit, wo alles angefangen hat.

  3. Die NASA (mit deutscher Hilfe) hat es zumindest geschafft schon in den 60er Jahren eine Rakete vom Boden abheben zu lassen, ohne dass sie gleich abgeschmiert und/oder explodiert ist (die ersten rein amerikanischen Versuche der Navy verliefen kläglich)!
    Was in den frühen Jahren mit damaliger Technik möglich war sollte doch jetzt um ein vielfaches einfacher sein, oder? Eigentlich sollten die Milliardäre doch Schlange stehen, um mal eben zum Mond und wieder zurück zu fliegen! Könnte dem die Raumstrahlung im Weg stehen? Es gibt ja durchaus Stimmen die meinen, dass außerhalb der Erdatmosphäre die Strahlung für Menschen tödlich ist. Wohl auch einer der Gründe, warum die ISS in einer erdnahen Umlaufbahn ist.
    Damals wie heute ein Ablenkungsmanöver bzw. ein Symbol der Überlegenheit eines Systems.
    Vielleicht wollen die Reptilien auch einfach nur wieder zurück nach Hause!?

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