Der langsame Verfall eines einst großen Reiches?

Nach zwanzig Jahren Besatzung Afghanistans ziehen die USA ab, oder, um die Dinge beim Namen zu nennen, sie fliehen feige und schauen verzweifelt über die Schulter, um nicht erneut getreten zu werden. Höchstwahrscheinlich, und das liegt auf der Hand, werden die Taliban sofort zurückkehren, um wesentliche Teile des Landes zu kontrollieren, Waffen und Drogen zu schmuggeln und die afghanische Wirtschaft zu beherrschen. Die Innenpolitik des Landes, die in erster Linie auf Stammesinteressen beruht, wird wieder das gesellschaftliche Leben bestimmen.

“Die Amerikaner sind abgereist, wie Biden bestätigte, weil sie ihre Mission für erfüllt hielten. Natürlich hat er versucht, die Situation so positiv wie möglich darzustellen, aber jedem ist klar, dass die Mission gescheitert ist. Das wird offen zugegeben, auch in den Vereinigten Staaten selbst”, stellte der russische Außenminister Sergej Lawrow zu Recht fest. Er sagte, der Terrorismus sei nicht verschwunden. Die in der Russischen Föderation verbotene Terrorgruppe DAESH und ein Ableger der in Russland verbotenen Terrororganisation al-Qaida haben ihre Positionen in Afghanistan gestärkt. Gleichzeitig hat die Drogenproduktion einen neuen Höchststand erreicht.

Am 14. Juli kritisierte der ehemalige US-Präsident George W. Bush den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan und nannte die Entscheidung des Weißen Hauses einen Fehler. Gegenwärtig verschlechtert sich die Lage in Afghanistan vor dem Hintergrund des Abzugs des US-Militärkontingents aus dem Land. Mitglieder der Taliban konnten mehrere Siedlungen einnehmen, unter anderem nahe der Grenze zu Tadschikistan.

Wenn viele in der Welt zu Recht sagen, dass die amerikanische Besetzung Afghanistans ein kolossaler Fehler war, wiederholen die herrschenden Kreise unverblümt, wie ein Mantra, dass die USA die Hauptziele erreicht haben, für die sie Afghanistan überhaupt besetzt haben, wobei sie gegen alle internationalen Gesetze verstoßen haben: den Taliban einen schmerzhaften Schlag zu versetzen und Osama bin Laden zu töten, im Grunde genommen die Rache nach dem 11. September. Aber war das ein paar tausend amerikanische Leben, zehntausende afghanische Leben und eine Billion Dollar wert? Aber das ist die Philosophie der herrschenden Kreise in den USA – einige unbekannte Ergebnisse zu erzielen, um ihre Macht zu stärken, indem sie weltweit Menschen töten, sogar ihre Soldaten und Offiziere.

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Der Abzug des Militärkontingents aus Afghanistan wirft gleich mehrere heikle Fragen zur politischen und militärischen Stellung Amerikas in der Welt auf. Die erste Frage betrifft die Positionierung der Vereinigten Staaten in Asien. Die New York Times stellte fest, dass die Präsenz des Pentagons in Afghanistan die Streitkräfte gegen den weichen Unterbauch Russlands gerichtet hat, was den USA möglicherweise ein strategisches Druckmittel gegenüber Moskau verschafft. Dadurch wurde die Präsenz des Pentagons im Persischen Golf gestärkt, was zusätzliche Kräfte gegen den Iran bedeutete, falls erforderlich. Es erlaubte Washington auch, den vielleicht gefährlichsten Streit auf dem Kontinent zu beobachten und möglicherweise einzugreifen: den Konflikt zwischen den beiden atomar bewaffneten Staaten, Indien und Pakistan.

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Eine Analyse von Viktor Mikhin

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5 Kommentare

  1. Sie mußten doch in der jüngeren Vergangenheit oft unverrichteter Dinge abziehen, Korea, Vietnam, Irak und jetzt Afghanistan und den Kampf gegen Hitler konnten sie nur gewinnen, weil die halbe Welt mit Pate stand, ansonsten wäre es für sie übel ausgegangen weil sie allein niemals in der Lage gewesen wären diese Armee zu vernichten und die Fehler der Reichsführung war ihr Vorteil und der Rest hat sich dann von ganz allein ergeben.

    Ihre tatsächlichen Fähigkeiten kann man ja daran erkennen wo sie als Hauptmacht kläglich versagt haben und allenfalls noch bei kleineren Schurkenstaaten kurzfristige Erfolge erzielt haben und Somalia war doch auch so ein Beispiel wo sie sich die Finger verbrannt haben, was da immer so großartig sein soll ist doch nicht nachvollziehbar und wahrscheinlich nicht viel mehr als ein Nimbus, den sie sich nach dem 2. Weltkrieg selbst übers Haupt gesteckt haben um sich zu feiern.

    Das alles wird ganz anders aussehen, sollten sie sich mit Rußland oder China in die Wolle kriegen, denn dann kommt die Stunde der Wahrheit bezüglich ihrer Fähigkeiten und diese Erkenntnis könnte furchtbar werden, wenn andere entsprechend kontern und den Krieg ins eigene Land tragen und einen winzigen Vorgeschmack haben sie ja schon erhalten, indem eine kleine Gruppe idiologisierter Islamisten ins Herz ihres Landes geflogen sind und binnen von Sekunden 3000 Menschen Opfer wurden, ohne jegliche Gegenwehr und da mag man sich ja garnicht vorstellen, was alles passieren könnte, wenn andere Atommächte auf ähnliche Ideen kämen.

    1. Ja Sie haben recht. Aber vor allem Russland hat Hitler-Deutschland besiegt. Deutsche Historiker bestätigten, dass 85 % der gesamten deutschen Armee in Russland war und 92 % aller Verluste der Deutschen waren ebenfalls gegen die Russen. Zudem hat Russland Berlin erobert und nicht der Westen. Die restlichen 15 % der deutschen Armee war im restlichen Westeuropa stationiert. So hatten die Amerikaner und Briten im Verhältnis zu Russland, leichtes Spiel.

  2. Die USA und China drehen sich z.Z. noch als einigermaßen gleichstarke Gegengewichte um das gravimetrische Machtzentrum der Welt.

    Für alle sichtbar gestartet wurde dieser Entscheidungskampf mit den politischen Inszenierungen als man in den USA die 3 Türme am 11.9.2001 in die Luft sprengte, und gleichsam in China am 22.8.2015 in Tianjin ein riesiges Logistikareal.

    Seither läuft der Countdown, an dessen Ende China stehen wird.
    Die Innovationskraft diese Landes ist stetig nach oben gerichtet, wohingegen die USA dabei sind sich innerlich selbst zu zerlegen.

  3. Die Taliban werden bald in Kabul einmarschieren. Die selbe Taktik wie bei Mao, wenn man die stark befestigten Städte nicht einnehmen kann, erobert man zuerst alles rund herum, um die Städte zu belagern und Versorgungswege zu kappen, so den Talibans auch Flugfelder in die Hände fallen, wodurch die afghanische Armee keine Luftangriff mehr fliegen kann und noch schwächer wird. Da nützen auch Luftangriffe der Amis nichts mehr. Das erinnert alles an die letzten Monate des Vietnamkriege 1974/75.

  4. Zitat: “Höchstwahrscheinlich, und das liegt auf der Hand, werden die Taliban sofort zurückkehren, um wesentliche Teile des Landes zu kontrollieren, Waffen und Drogen zu schmuggeln und die afghanische Wirtschaft zu beherrschen. ”
    Die Taliban glauben doch streng an den Koran. Darin werden Drogen streng verboten. Die Taliban hatten den Drogenanbau fast auf Null gebracht, bevor die Amerikaner einmarschierten. Das wird wohl wieder so werden. Schlecht für das CIA und die Junkies.
    Dann stellt sich noch die Frage, wofür sie Waffen schmuggeln sollten, wenn sie wieder unter sich sein dürfen und ihre Wirtschaft nach den seit 1.400 Jahren geltenden Regeln eines Händlers namens Mohammed gestalten können?

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