Westliche Scheinheiligkeit

Bomben auf Syrien wegen angeblicher Giftgasangriffe und Sanktionen gegen Russland wegen angeblicher Nervengift-Angriffe auf Skripal und Navalny. Man straft auf Verdacht.

Von Marco Maier

Der Westen, in Form von USA, EU, NATO, Deutschland & Co, wirft gerne mit Phrasen wie der „regelbasierten Ordnung“, dem „internationalen Völkerrecht“ und dergleichen um sich. Man inszeniert sich als Hüter einer „liberalen Weltordnung“, die jedoch nur dazu dient, dem westlichen Establishment eine „Anpassung“ der Regeln nach eigenem Gutdünken zu ermöglichen.

Beispielsweise gilt im Westen der juristische Grundsatz, dass jemand so lange als unschuldig zu betrachten ist, bis dessen Schuld auch zweifelsfrei bewiesen wurde. Dafür ist ein „freies, rechtsstaatliches Verfahren“ vorgesehen, wo es die Aufgabe des Klägers ist die Schuld des Angeklagten zu beweisen – und nicht jene des Angeklagten, seine Unschuld zu beweisen.

In der internationalen Politik, der Weltbühne auf der der Westen unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union ihre Show abliefern, spielt dies jedoch keine große Rolle.

Die politischen Ankläger des Westens spielen sich gleichzeitig auch als Richter auf und ignorieren dabei geflissentlich sämtliche Rechtsgrundsätze, die eigentlich den Kern der „liberalen Ordnung“ ausmachen, auf die man ja so stolz ist. Unrechtsbewusstsein? Fehlanzeige. Stattdessen setzt man auf politische Propaganda.

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Wie war es mit den Giftgasanschlägen in Ghouta und Douma in Syrien? Ohne auch nur einen Beweis dafür vorlegen zu können, dass Damaskus die Urheberschaft dafür trägt, wurde sanktioniert und gebombt ohne auf unabhängige Untersuchungsergebnisse abzuwarten. Später, als die Beweislage klar zeigte, dass dahinter islamistische Milizen (unterstützt von den „Weißhelmen“) steckten, gab es nicht einmal eine öffentliche Entschuldigung dafür. Und warum? Weil diese Terrorhelfer auch vom Westen finanziert werden.

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Ein ähnliches Spiel wird in den Fällen Skripal und Navalny gespielt. Beide sollen angeblich mit dem extrem tödlichen Nervengift Novitschok vergiftet worden sein. Man sollte dabei bedenken, dass bereits 0,1 Gramm dieses Giftes absolut tödlich sind und ein gezielter Einsatz gegen Einzelpersonen kaum möglich ist. Dennoch schiebt man im Westen die Schuld – wieder einmal ohne Beweise vorzulegen und bar jeglicher Logik – dem Kreml zu, der sich so angeblich eines Ex-Doppelagenten bzw. eines scheinbar alkoholkranken, ethnische Minderheiten hassenden CIA-Zuträgers entledigen wolle.

Und auch hier kommen wieder einmal Sanktionen ins Spiel, die rein auf Basis von haltlosen Anschuldigungen verhängt werden. Wobei sich hier die Frage stellt, ob nicht westliche Geheimdienste hier ein Komplott an der Politik vorbei schmiedeten, um den Druck auf Russland zu erhöhen, oder aber die Politik die Geheimdienste dazu drängte, entsprechende Ergebnisse zu produzieren, damit man offizielle Gründe für die weitere Verdammung Moskaus vorlegen kann.

Der Wertewesten, dessen Politik und Mainstreammedien, agieren scheinheilig. Während man auf der einen Seite stets von Recht und Ordnung spricht, handelt man gegensätzlich mit Unrecht und der Ignoranz gegenüber den Regeln und Normen, für die man eigentlich selbst einstehen will.

Klar, in der großen Politik gilt stets das Prinzip, wonach Macht Recht bricht, doch wenn man von anderen Playern auf der globalen politischen Bühne erwartet, dass sie sich an die (vom Westen erstellten, aber oftmals selbst ignorierten) Spielregeln halten, müssen Washington, Brüssel, Berlin, London, Paris & Co sich selbst an der Nase nehmen und selber nach diesen Regeln spielen. Tut der Wertewesten dies nicht, verspielt er seine Kredibilität und sorgt für globale antiwestliche Allianzen.

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3 Kommentare

  1. Die westliche Glaubwürdigkeit ist doch längst verspielt.
    Zwar nicht bei Bild-Lesern oder ARD/ZDF-Hörigen, aber kritische, informierte und unverblendete Geister haben das längst realisiert.

  2. Bezüglich der im Artikel erwähnten „Weißhelme“, oder „White Hats“, trage ich nach: Ein spanischer Investigativreporter begleitete seinerzeit vorrückende Assad-Truppen zu einer überhastet von den Weißhelmen verlassenen Stellung. Dort sicherte er Proben von Chemierückständen für eine Laboruntersuchung in Spanien. Resultat: Die festgestellten Ingredienzen waren der Beweis, daß die Weißhelme in einer Giftküche C-Waffen hergestellt hatten die gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt wurden um dann Assad zu beschuldigen.
    Blamabel war, als den Weißhelmen einst das Wasser bis zum Halse stand weil sie kurz vor der Gefangennahme standen und die Terrortruppe, samt Familien, flugs nach Israel geschleust und von dort ausgeflogen wurde . . .
    Pharisäertum auch beim letzten Wahlkampf von Netanyahu in Israel: „Bibi“, der korrupte, mehreren Strafverfahren entgegensehende Politiker warb großkotzig mit dem Versprechen, wenn seine Partei die Wahl gewinnt, daß er nicht zögert zu den völkerrechtswidrig okkupierten Golan-Höhen weiteres syrisches Territorium zu annektieren . . . Wo war der internationale Aufschrei gegen die Annexionspläne und den Zionisten Sanktionen anzudrohen, beispielsweise mit dem Landeverbot von El Al in Europa ? Was wäre Putin passiert, hätte er kühne Eroberungspläne hinsichtlich fremder Territorien avisiert ?

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