NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg - Bild: Flickr.com /NATO North Atlantic Treaty Organization CC BY-NC-ND 2.0

Erst im April feierte die NATO ihren 70. Geburtstag. Doch das transatlantische Militärbündnis hat sich längst schon überlebt.

Von Marco Maier

Zu Zeiten des Kalten Krieges hatte die NATO noch einen Existenzzweck. Auf der Welt gab es den westlichen (kapitalistischen) Block, geführt von den USA, und den östlichen (kommunistischen) Block, geführt von der Sowjetunion. Dazwischen gab es noch viele blockfreie Länder, die sich nicht vor den Karren einer Seite spannen lassen wollten.

Und heute? Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde aus dem Macht-Duopol eine multipolare Weltordnung. Neben den USA und Russland ist auch China aufgestiegen. Hinzu kommen aufsteigende Regionalmächte, die ihr eigenes Spiel spielen. Und so wie die EU ihren Brexit hat, könnte die NATO bald einen „Türxit“ erleben. Denn Ankara ist klar, dass das NATO-Korsett den eigenen Sicherheitsinteressen zuwider läuft. Auch Indien, Pakistan, der Iran und Saudi-Arabien machen ihr eigenes Ding.

Aber was ist mit Europa? Die Europäer hängen größtenteils noch zu sehr an der NATO, obwohl sie eigentlich auch ohne die USA eine effektive Verteidigung des Kontinents leisten könnten. Man hat ja nicht umsonst zwei Atommächte und theoretisch könnte man sogar eine gesamteuropäische Nuklearstreitmacht aufbauen, die einen eigenen „nuklearen Schutzschild“ besitzt. Dazu braucht man keine Amerikaner, die irgendwelche Feindbilder vorgeben.

Für Europa und die Europäer ist die NATO ein Klotz am Bein. Einerseits dient sie dem Militärisch-industriellen Komplex (vor allem jenem der USA) als Cash Cow, andererseits werden die Europäer in Konflikte getrieben, die von den US-Eliten angezettelt und vorangetrieben werden. Und während es im Interesse Europas ist, ausgeglichene Beziehungen zu den USA, zu Russland, zu China und zu anderen Ländern zu haben, kreiert man so ständig neue Feindbilder und Konfliktherde. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.

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Europa wäre gut beraten, eine eigene Sicherheitsinfrastruktur mit rein defensivem Charakter aufzubauen. Wer Frieden haben will muss sich für den Krieg rüsten, sagt ein lateinisches Sprichwort. Doch nicht um tatsächlich (völkerrechtswidrige) Angriffskriege zu führen, wie es unter der NATO-Ägide geschieht, sondern um potentiellen Angreifern zu zeigen, dass man sich effektiv wehren kann.

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2 KOMMENTARE

  1. Genau so sollte es theoretisch sein.
    Leider gibt es jedoch im Westen, auch in D, zuviele kalte und auch heiße Krieger.
    Leute in Politik, Medien, NGO’s usw., welche anscheinend unfähig oder unwillig sind, aus der Geschichte - selbst der von den Siegern geschriebenen - zu lernen, und sich mit der Nachbarschaft zu vertragen. Ein Rausschmiss dieser Zündler wäre nötig!
    Und hatte nicht vor etwa 2 Jahren die Bundesregierung den Par. 82 SGB (Aktionen gg. das friedliche Zusammenleben…) „entschärft“, warum wohl?!

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