Proteste in Recife. Bild: Rodrigo Lôbo/ Fotos Públicas CC-BY-SA 2.0

Die Brasilianer wollen endlich mit ihrer Politmafia aufräumen und Regierung, Abgeordnetenhaus, öffentliche Verwaltung, staatliche und private Unternehmen, Polizei und Militär, von der Korruption und Vetternwirtschaft säubern. Auch wenn die gesamte Gesellschaft von diesem Krebsgeschwür befallen ist, sind es vor allem die Parteien, die als regelrechte "Schulen für schmutzige Geschäfte" gelten. Das Volk ist auf der Straße. Dabei fällt allerdings auf, wie sehr der Protest von der Opposition manipuliert wird.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Es ist ja nicht so, als hätten die Menschen nicht allen Grund auf die Straße zu gehen. Die Korruption im Kleinen wird mit allen Mitteln bekämpft, während in den großen Staatsunternehmen, in der Privatwirtschaft, in der Politik und der Diplomatie es den Anschein hat, als wären die hohen Herren unantastbar. Unsere Kontakte in Brasilien haben ihr Herz ausgeschüttet und waren bereit, ihren Frust mit den Lesern des Contra-Magazins zu teilen. Eine von ihnen ist Rochele Rego.

Rochele Rego: Hallo Contra Magazin. Das brasilianische Volk ist verärgert und hat diese ganze Korruption satt. Präsidentin Dilma hat Milliarden von Dollar aus den öffentlichen Kassen veruntreut. Das öffentliche Gesundheitssystem ist ein regelrechtes Chaos. Wir brauchen Ärzte in den Krankenhäusern, die Pflege ist prekär. Der Diebstahl, die Veruntreuung von Petrobras-Geldern, war der Höhepunkt der Korruption. Wir wollen weder ein kommunistisches Regime, noch diesen Sozialismus in Brasilien. Wir sind Demokraten. Rousseff und der ehemalige Präsident Lula wollen mit aller Kraft das sozialistischen und kommunistischen Regime in Brasilien einführen. Ganz zu schweigen davon, dass sie in öffentlichen Schulen die islamische Religion unterrichten wollen. Den Islam, den nehmen wir nicht an, den akzeptieren wir nicht. Wir sind Christen, Katholiken. So werden wir am 15.03.2015 in ganz Brasilien die Amtsenthebung der Präsidentin fordern und auf die Straße gehen, um gegen sie zu protestieren. Unsere Parolen sind: Petralha geht nach Kuba! Wir wollen euch hier nicht. Dilma / Lula raus und nehmt die PT mit euch.

Contra Magazin: Was bedeutet "Petralha"?

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RR: Metralha ist die portugiesische Bezeichnung der Panzerknacker bei Donald Duck. Die PT (Partido Trabalhista) ist die politische Partei der äußerst korrupten Präsidentin. Aus beidem ergibt sich dann Petralha.

CM: Wie war das? Islamunterricht?

RR: Die Partei der Präsidentin tut alles, um das in den Schulen einzuführen. Doch dafür muss die Abgeordnetenkammer zustimmen. Und die Abgeordneten tun das Mögliche, um das Gesetz nicht durchzulassen. Aber das ist noch nicht das Schlimmste. Die schlimmste Lüge aber, war als Dilma sagte, dass es in Brasilien keine Armut mehr gäbe. Die Mittelschicht sind jetzt die Armen. Es gibt Menschen die hungern! Der Benzinpreis wird erhöht, erhöht und immer weiter erhöht. Der Strom wurde um mehr als 30 Prozent teurer. Der Dollar kostet 3 Reais. Letzte Nacht haben wie sie von unseren Fenstern aus ausgebuht und die Videos auf YouTube gesetzt.

CM: Aber sie wurde doch Gewählt?

RR: Ich habe nicht für sie gestimmt. Ich weiß, dass sie ein schlechter Mensch ist. Sie war in der Guerilla, eine Terroristin, während der Militärdiktatur von 1960 bis 1975 hat sie geraubt und entführt, die Banken und die Menschen ausgeraubt!

CM: Dann sprechen wir uns nach der Demo wieder?

RR: Gerne erzähle ich den Menschen in Europa, was hier vor sich geht.

Bleibt noch die Reaktion der Präsidentin Dilma Rouseff und die Opposition der extremen Linken zu beschreiben. Während die PT sich alle Mühe zu geben scheint in den eigenen Reihen aufzuräumen, appellierte Dilma an alle Seiten, eine gewaltlose Demonstration zu garantieren. Dabei hat das Innenministerium die Anweisung an die Polizeikräfte ausgegeben, Zurückhaltung zu üben. Dabei sagte Dilma noch, dass in der Zeit der Militärdiktatur niemand demonstrieren konnte. "Es ist ein wichtiger Bestandteil der Demokratie. Wir gingen früher dafür ins Gefängnis. Solange es friedlich bleibt."

Die Kommunisten, so ein Mitglied der PCB (Kommunistische Partei Brasiliens) halten sich währenddessen zurück. Auch wenn die Linksextremen die PT für gewöhnlich hart kritisieren, ist ein Aecio Neves für sie wohl das schlimmere Szenario. Daher möchten sie nicht mit diesen Aktionen in Verbindung gebracht werden. Sicher bereiten sie ihre eigenen Proteste vor. Die Anhänger der PT bereiten ihrerseits Kundgebungen vor, um der Regierung ihre Unterstützung zuzusichern.
Mehr zu den Protesten am 15. März im zweitem Teil und einem weiteren Interview mit Rochele Rego.             

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1 KOMMENTAR

  1. Die Demonstrationen sind schon berechtigt, es könnte aber auch böse ins Auge gehen, wenn das Land desstabilisiert wird und eine andere Regierung an die Macht kommt. Dann wäre es mit BRIC vorbei (was möglicherweise auch das Ziel ist, Brasilien aus diesem Block raus zu reisen) und im Land (sogar der gesamte Kontinent) würde innerhalb von 3-4 Jahren mit Bürgerkriegen überschüttet.

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