Nach Angaben von IHS Jane’s, einer israelischen Denkfabrik für „Verteidigung und Sicherheit – Forschung und Analysen“, baut derzeit Indien sein geheimes Uran-Anreicherungsprogramm aus. Im kommenden Jahr soll in der Nähe von Mysore im südindischen Bundesstaat Karnataka eine Produktionsanlage in Betrieb gehen, die es möglich machen wird, thermonukleare Waffen herzustellen.
Von Florian Stumfall
Vorgeblich wird die Anlage in Mysore dazu dienen, hochangereichertes und damit kernwaffenfähiges Uran für das Betreiben der indischen Atom-U-Boote bereitzustellen. Doch IHS Jane’s vertritt die Ansicht, die Produktionskapazitäten würden den Bedarf der U-Boot-Flotte bei weitem übersteigen. Der Überschuss würde dazu dienen, Indien im Wettbewerb mit den Nachbarn China und Pakistan einen Vorteil zu verschaffen, so die Experten. Seit 1998 ist Indien offiziell Kernwaffen-Macht und verfügt derzeit über etwa 110 nukleare Sprengköpfe.
Bis vor drei Jahren hatte Indien immer wieder Probleme, ausreichend Uran einzuführen. Angesichts der fragilen Lage zwischen den ostasíatischen Atom-Mächten ist die Neigung mancher Produzenten nicht groß, Uran in die Region zu schicken. Nun hat aber 2011 Indien große Uran-Minen auf eigenem Territorium in Andhra Pradesch entdeckt. Die Lagerstätte könnte zu den größten der Welt gehören. Kein Wunder, dass Indien auch auf die energetische Nutzung des Urans setzt. Zu den bisher 20 Kernreaktoren sollen in den nächsten Jahren 34 weitere kommen.
Was die militärische Nutzung angeht, so scheint sich insgesamt das Wettrüsten nach Asien zu verlagern, wie das Stockholmer Institut SIPRI feststellt. „Die langfristigen Programme“, so die Stockholmer, „zur Modernisierung der Atomwaffen zeigen, dass die Atomstaaten diese Waffen weiterhin als Zeichen ihres Status und der Macht in der Welt betrachten.“ Nun – um das zu wissen, braucht man kein Institut. Interessanter ist da der nukleare Größenvergleich der drei Asiaten: Indien hat, wie gesagt, 110 Atom-Sprengköpfe, Pakistan 120 und China 250. Über die notwendigen Träger-Systeme verfügen alle drei.
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Bleibt zu hoffen, dass es den USA nich eines Tages gelingt, das nukleare Potential Indiens gegen China auszuspielen. Die beiden BRIC-Staaten stehen unvermeidbar im strategischen Wettbewerb zueinander. Die USA verstehen es meisterhaft, solche Gegensätze zum eigenen Nutzen und zum Schaden der betroffenen Regionen gegeneinander auszuspielen. Bislang hatte ich den Eindruck, dass es Indien verstand, sich nicht vom Weltpolizisten USA instrumentalisiren zu lassen, doch ich kann nicht einschätzen, wie sich die Außenpolitik des Landes nach der Regierungsübernahme durch die Hindu-Partei positionieren wird. Dem Land wäre zu wünschen, dass seine Eliten ihre Zukunft nicht im Zusammenschluss mit den USA sehen, denn wäre der Anfang vom Ende für das Land.
Bisher ist die Politik der neuen indischen Führung sehr auf einen Ausgleich mit China ausgerichtet.