Besuch von Wang Yi in Indien. Bild: Indische Regierung

Die Kongresswahlen in Indien, deren Ergebnis Mitte Mai vorgelegen hatte, brachte ein Ende der jahrzehntelangen Herrschaft durch die abgewirtschaftete Nehru-Gandhi-Sippschaft mit sich. Mit dem Erfolg der hinduistischen Bharatiya Janata Party des Spitzenkandidaten Narendra Modi wurden die Voraussetzungen der indischen Politik von Grund auf verändert. Das zeigte sich kaum zwei Wochen später im Zusammenhang mit einem der schwierigsten außenpolitischen Probleme des Landes, dem Verhältnis zu China.

Von Florian Stumfall

In überraschend kurzer Zeit nach seinem Amtsantritt hat Modi in seiner Hauptstadt Neu-Delhi den chinesischen Außenminister Wang Yi empfangen. Bei der asiatischen Delikatesse in Fragen des Protokolls und der Diplomatie ist es allein schon erstaunlich, dass ein Regierungschef einen ihm nachgeordneten Minister eines anderen Landes empfängt, und das kurz nach seinem Regierungsantritt.

Wang, den Üblichkeiten folgend, übermittelte die Grüße seines Präsidenten Xi Jinping sowie des Premierministers Li Keqiang  und fügte, angesichts der Art der Beziehungen durchaus unüblich, im Namen des chinesischen Präsidenten hinzu, dass China und Indien deutlich mehr gemeinsame Interessen als Differenzen hätten. Beide Nationen seien keine Konkurrenten, sondern langfristige strategische Partner, die gemeinsam zu Frieden, Stabilität und Prosperität in Asien und im Rest der Welt beitragen würden, so Wang Yi.

Auch Modi ließ es an Höflichkeit nicht fehlen. Seine Regierung, versicherte er, sei bereit, zusammen mit China die gemeinsame Entwicklung voranzutreiben. Er äußerte die Auffassung, dass beide Seiten ihre Kontakte auf hoher Ebene fortsetzen und das gegenseitige Vertrauen vertiefen sollten. Friede und Sicherheit in den Grenzgebieten beider Länder sollten sichergestellt werden.

Wang Yi komplettierte seine diplomatische Mission durch Gespräche mit dem indischen Staatspräsidenten Pranab Mukherjee und seiner indischen Amtskollegin Sushma Swaraj. „Alle bedeutenden Themen zwischen den beiden Staaten wurden diskutiert", hieß es und wenn es auch hauptsächlich um  Handels- und Wirtschaftsbeziehungen gegangen sein mag, so war doch auch die Rede von dem Grenzkonflikt der beiden Länder im Himalaya, offensichtlich in überraschendem Einvernehmen.

Ohne Zweifel war dieser Besuch eine Bewährungsprobe der Staatengemeinschaft „BRICS“, in der sich Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika zum Zwecke der Zusammenarbeit locker vereint haben. Der Himalaya-Zwist der beiden Milliarden-Einwohner-Staaten China und Indien war bislang der größte Stolperstein in dem gemeinsamen Gefüge – er scheint nun ein wenig kleiner geworden zu sein. 

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