Nach einem verlorenen Rechtsstreit mit zwei US-Hedgefonds hat die argentinische Regierung angekündigt, die Rückzahlung der Schulden zum Monatsende nicht mehr zu bedienen. Damit steht das südamerikanische Land erneut vor dem Bankrott. Allerdings gibt es Anzeichen für eine Einigung, die jedoch nicht unbedingt sehr vorteilhaft sind.

Von Marco Maier

Es ist nicht das erste Mal, dass Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Bislang musste das Land schon 7 Staatspleiten verkraften – und die achte Pleite wäre eine indirekte Folge der Argentinien-Krise, die zu Umschuldungen 2005 und 2010 führte. Die beiden Hedgefonds hatten sich im Gegensatz zu den anderen Gläubigern geweigert, den Schuldenschnitten zuzustimmen und nur noch 35 Prozent des geliehenen Geldes zu akzeptieren.

Sollte Argentinien diesen beiden Fonds die geforderten 1,4 Milliarden Dollar zahlen, müsste die Regierung auch den anderen Gläubigern die entsprechenden Summen zugestehen, was sich auf insgesamt 15 Milliarden Dollar beläuft. Damit wären mehr als die Hälfte der argentinischen Währungsreserven (aktuell etwa 27 Milliarden Dollar) weg, die das wirtschaftlich nach wie vor sehr angeschlagene Land jedoch dringend benötigt. Zum Vergleich: noch im Jahr 2012 hatte Argentinien Währungsreserven in Höhe von 43,3 Milliarden Dollar.

Indessen hofft man in Buenos Aires auf eine gütliche Lösung des Problems. Präsidentin Cristina Kirchner, deren Politik das Land in ein wirtschaftliches Desaster geführt hat, muss sich mit den Hedgefonds einigen. Fährt sie die bisherige Linie weiter, riskiert sie einen Rückgang der Wirtschaftsleistung Argentiniens um bis zu 13 Prozent und einen Anstieg der Staatsverschuldung von 47 (2013) auf über 58 Prozent des BIP bis 2015.

Momentan muss die argentinische Regierung bis zu 12,25 Prozent Zinsen pro Jahr für neue Kredite und Anleihen bezahlen. Von den noch ausstehenden Anleihen im Wert von rund 135 Milliarden Dollar werden innerhalb der nächsten fünf Jahre mehr als 26 Milliarden Dollar fällig. Um diese durch die Ausgabe neuer Anleihen decken zu können, darf sich das Land nicht von den Kapitalmärkten abwenden. Inländische Kapitalgeber sind nämlich kaum vorhanden.

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Für Kirchner bedeutet das Angebot von Paul Singer, Chef des Hedgefonds Eliott, der gegen Argentinien klagte, einen Hoffnungsschimmer. Er sagte, er würde auch neue Bonds als Bezahlung akzeptieren. Im Gespräch sind dafür Zinssätze von 8 Prozent pro Jahr. Allerdings hat das Angebot auch einen Haken: die Begehrlichkeiten auf die argentinischen Bodenschätze. So besitzt das Land große Vorkommen an Schiefergas und Erdöl, die mittels der umstrittenen Fracking-Technologie gefördert werden können. Damit zeigt sich erneut, wie Staaten wegen ihren Schulden erpressbar werden.

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One thought on “Argentinien: Kirchners Dilemma mit der drohenden Staatspleite”

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