Wenn in Peking ein Mann wie Vizeadmiral Sun Jianguo, der stellvertretende Chef des Generalstabes der Volksbefreiungsarmee, eine politische Äußerung tut, und das auch noch zu einem sehr brisanten Thema, dann ist das so gut, als hätte der Staatspräsident selbst gesprochen. Beiläufige Äußerungen von Offiziellen sind dort nicht der Brauch, dafür ist das politische Konstrukt der KPCh viel zu fein austariert.

Von Florian Stumfall

Es geht vordergründig um den Nachbarn Japan. Sun hat, ein erstaunliches Pathos nicht scheuend, alle friedliebenden Menschen weltweit dazu aufgefordert, auf die Politik Tokios achtzugeben, die geradewegs zur „Wiederbelebung des japanischen Militarismus“ führen könne. „Alle Länder“, mahnt Sun, „sollten aus ihrer Geschichte lernen und lieber nach Frieden und Entwicklung streben, als an den Ideen vergangener Tage festzuhalten oder gegen den Strom der Menschheitsgeschichte zu schwimmen.“

Ein überaus inhaltsschwerer Satz voller Anspielungen, wie sie in China beliebt sind. Mit den „vergangenen Tagen“ erinnert Sun nicht nur an den chinesisch-japanischen Krieg sondern vor allem auch an den Zweiten Weltkrieg und die Gräuel, die damals Japan als Besatzungsmacht in China verübt hat. Dort hat das Wunden hinterlassen, die bis heute nicht verheilt sind, daher darf Sun mit großer Aufmerksamkeit rechnen. Mit dem „Strom der Menschheitsgeschichte“ verhält es sich so, dass immer derjenige ihren angeblichen Verlauf definiert, der sich überlegen fühlt. Zu Deutsch heißt das also nichts anderes als: „Früher oder später kriegen wir euch, wenn ihr nicht spurt.“

Japan, klagt Sun weiter, ehre aber nicht nur Kriegsverbrecher, sondern ändere auch die eigentlich pazifistische Verfassung des Landes. „Japan stockt seine militärischen Kräfte auf, um die Nachkriegsordnung zu verändern.“ Daher habe es auch den Streit um die Inseln im Südchinesischen Meer begonnen.

Soweit die Vorwürfe an Tokio. Berücksichtigt man aber, dass seit 1945 die japanische Verfassung, jedenfalls in Militärdingen, die Rüstung des Landes und vor allem die in den letzten Jahren erfolgte Militarisierung ausschließlich nach dem Willen der USA konzipiert und vorgenommen worden sind, dann wird klar, an welche Adresse der Vorwurf des Vizeadmirals Sun eigentlich gerichtet ist: an das Pentagon, US-Kriegsministerium, Arlington, Virginia, USA. Dort ist es, wo der böse Nachbar wohnt, der eigentlich gemeint ist.

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One thought on “China und sein böser Nachbar”

  1. Das gerade China mahnt, ALLE sollten aus der Geschichte lernen, ist doch auch interessant.

    Das Land hat vieles bis heute nicht gelernt. Gerade wenn es um Freiheiten in den ganzen verschiedenen Provinzen geht, oder der Presse und Meinung, Militärisch hat China nie groß runter gefahren und provozieren tut es die Nachbarn auch jährlich.

    Nun will ich nicht Japan in Schutz nehmen, das ja leider ein treuer Vasall der USA geworden ist, was aber leider aus der Dauerbesatzung nach dem 2.WK resultiert und der dazu gehörigen Umerziehung(was hier in der BRD nicht sanders ist!) Aber man sollte solche Sachen nüchtern betrachten, wie auch im Russland-Ukraine. Jetzt ist nicht alles unterstützenswert, was der ein oder andere macht nur weil es gegen USA/NATO/EU ist.

    Nebenbei war Japan der militärisch "kleinste" in der Ecke der Welt, während herum ständig gerüstet wurde/wird.

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