Muslime beim "Hadsch" um die Kaaba in Mekka. Bild: Flickr / Citizen59 CC BY-SA 2.0

In den meisten arabischen Ländern nimmt die Religiosität ab. Doch die radikalen Minderheiten bestimmen (noch) die politischen und gesellschaftlichen Geschicke.

Von Michael Steiner

Prognosen zufolge soll der Islam bereits um das Jahr 2100 herum zur größten Religion der Welt avancieren. Demnach dauert es nämlich nur noch rund 80 Jahre, bis das Christentum nicht mehr die größte religiöse Gruppe darstellt. Hauptgründe sind die hohe Geburtenrate in den muslimischen Ländern, sowie die auch dort steigende Lebenserwartung. Hinzu kommen Konvertiten und der Umstand, dass man die Religionsgemeinschaft nicht verlassen darf, ohne mit dem Tod bedroht zu werden.

Doch wenn man den Umfrageergebnissen vom „Arab Barometer“ im Auftrag von BBC News Arabic glauben darf, kann man das vielleicht sogar relativieren. Denn alleine von 2013 bis Ende 2018/Beginn 2019 stieg die Anzahl jener Menschen an, die sich als „nicht religiös“ bezeichnen. In Zahlen: Von acht Prozent im noch vor sechs Jahren auf nunmehr dreizehn Prozent. Und: es sind vor allem die jüngeren Araber, die der Religion den Rücken kehren. Das könnte sich auch auf die Erziehung der folgenden Generationen auswirken.

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Sollte in den kommenden Jahrzehnten eine Säkularisierungswelle durch die arabischen Gesellschaften ziehen, könnte dies auch mit enormen politischen und sozialen Umwälzungen einhergehen. Zwar kann man die muslimischen Gesellschaften nicht so einfach mit den christlichen Gleichsetzen, doch ein Machtverlust der religiösen Autoritäten wäre schon ein Anfang für eine freiere Lebensweise.

Auch die religiös motivierten Extremistengruppen werden durch eine solche Entwicklung massivst geschwächt. Die islamische Welt mag zwar einerseits recht repressiv sein, so dass sich kaum jemand traut sich zu „outen“, doch ähnlich wie bei weltlichen Diktaturen sorgt die innere Erosion irgendwann zu einem Erdrutsch.

Selbst im streng islamischen Iran begehren immer mehr Menschen gegen die strikten Regeln des Mullah-Regimes auf. Zwar sorgt die Minderheit der religiösen Fanatiker bislang noch für „Recht und Ordnung“ – aber ewig geht das nicht mehr. Moderate Reformer haben dort vor allem in den Städten einen starken Rückhalt.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das Ganze noch entwickeln wird. Doch der Umstand, dass selbst in muslimischen Ländern immer mehr Menschen beginnen selbst zu denken anstatt sich ihr Leben von alten Büchern vorschreiben zu lassen, macht doch etwas Hoffnung.

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3 KOMMENTARE

  1. Nun, wer jetzt glauben mag, das sei eine tolle, gute Botschaft, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Bsp. im Jemen sind immer noch ca. 88 % streng religiös, islamgläubig, im Irak 95 %!
    🙁 🙁 🙁

    Und BTW: Nafris (Nordafrikaner) sind keine „Araber“!

  2. Das wäre für uns Christen und für unsere Kinder und Kindeskinder zu hoffen….. was ich allerdings nicht glaube……

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