Fußball. - Bild: Wikimedia Commons/Normanvogel CC BY-SA 3.0

Jetzt rollt der Ball also wieder. Wie üblich wurde die EM in Frankreich mit einem an Lächerlichkeit kaum zu überbietenden Showprogramm eröffnet: in den nächsten vier Wochen werden Teams aus 24 Ländern den Titel unter sich ausmachen. Fußball total ist also wieder mal angesagt – und doch mögen sich diesmal Freude und Euphorie nicht so recht einstellen.

Von Marcello Dallapiccola

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Zuerst wäre da wohl die Terrorgefahr zu nennen, die dank ungebremstem Massenzuzug von gewaltbereiten Moslems aus Kriegsgebieten ganz Westeuropa in eiserner Umklammerung hält. Frankreich versucht, dieser Bedrohung mit zusätzlichen 90.000 Sicherheitskräften zu begegnen, was dazu führt, dass der Eintritt in eine „Fanmeile“ dem Einzug in einen Hochsicherheitstrakt nicht unähnlich ist. Immerhin gilt es ja nicht nur, mit Sprengstoffgürtel und Sturmgewehr ausgerüstete Irre am Betreten zu hindern, sondern auch die vielen potentiellen „Antänzer“, eine Mischung aus Taschendieb und Vergewaltiger also, im Auge zu behalten.

Allerorten ist man jedoch eifrig bemüht, die Gefährdungslage kleinzureden; sogar der deutsche Innenminister de Maiziere sah sich veranlasst, kurz vor Beginn der EM noch den Leuten zu „empfehlen“, doch ins Stadion oder in die Public Viewing-Areale zu gehen. Besonders hilfreich war dabei wohl nicht, dass selbst Nationalspieler Jerome Boateng verkündete, seine Familie wegen der latenten Gefahr eines Anschlages nicht in ein Stadion mitzunehmen; doch dessen unbeeindruckt meinte der Innenminister, man dürfe „sich nicht einschüchtern lassen“ und solle versuchen „trotz der vorhandenen Gefahr ein fröhliches Fußballfest zu feiern“.

Unbedingt, denn man stelle sich nur den entgangen Gewinn der Multis vor, die sich die Vermarktungsrechte rund um dieses Kicker-Spektakel gesichert haben!
So eine Großveranstaltung ist ja heutzutage weniger ein Fest des Sports, sondern vielmehr eine straff durchorganisierte Cash-Cow, die es in der begrenzten Zeit dieses Turniers bestmöglich zu melken gilt. Der angeblich freie Markt hat ja inzwischen dazu geführt, dass man innerhalb der organisierten Bespaßungs-Gehege in bester realsozialistischer Manier dazu gezwungen wird, Einheitsbier zu saufen, Einheits-Snacks zu futtern und Einheits-Eis zu schlecken.
Nicht auszudenken, wenn die Getränke- Sportartikel- und sonstigen Konzerne, deren „Marketingstrategien“ den unbedarften Zuschauer auf Schritt und Tritt verfolgen, wegen verängstigter Fans, die lieber zu Hause bleiben anstatt ihre Hintern als Zielscheiben für Verrückte zur Verfügung zu stellen, auf ihren Reibach verzichten müssten!

Doch auch das Gastgeberland selber steckt in Schwierigkeiten. Seit Wochen schon protestiert eine Jugendbewegung namens „Nuit Debout“ (die Aufrechten der Nacht) gegen drohenden, weiteren Kahlschlag im Sozialsystem. Die nächtelangen Mahnwachen eskalieren gelegentlich auch gerne auch mal ein wenig, zusätzlich hat die französische Polizei es immer wieder mit Migranten-Krawallen zu tun. Noch einen Tag vor der kitschigen Eröffnungsfeier streikte der gesamte öffentliche Verkehr, weitere Arbeitsniederlegungen werden wohl unausweichlich sein.
Die Franzosen sind nämlich generell bekannt dafür, nicht jede Krot' einfach zu schlucken, die ihre ReGIERung ihnen serviert – und wann, wenn nicht jetzt, wo doch alle so schön abkassieren wollen, lässt sich das System besser treffen?

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Keine guten Vorzeichen also für ungetrübte Freude am fröhlichen Fußballfest, auch wenn es sicher nach wie vor genug brave Schäflein geben wird, die sich von diesem künstlichen und infantil inszenierten Brot-und-Spiele-Theater von den wahren Schwierigkeiten unserer Zeit ablenken lassen werden.

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