Kanadische Flagge. Bild: Flickr / Gavin St. Ours CC-BY 2.0
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Bei der Diskussion um die Zuwanderung nach Deutschland oder nach Österreich kommt immer wieder ein Land zur Sprache, welches insbesondere bei den konservativen und rechten politischen Kräften diesbezüglich als Vorbild gilt: Kanada. Der politischen Linken ist das kanadische Punktesystem zu unmenschlich. Dabei plant das nordamerikanische Land angesichts der Rekordeinwanderung schon Reformen.

Von Marco Maier

Kanada gilt als das Einwanderungsland schlechthin, wenn es um die reguläre Migration ohne Asylwerber geht. Belief sich das Kontingent im vergangenen Jahr noch auf maximal 265.000 Personen, so dürfen in diesem Jahr bis zu 285.000 Menschen regulär in den nördlichen Nachbarn der USA einwandern. Zum Vergleich: Nach Deutschland migrierten im Jahr 2011 958.000 Menschen mit fremder Staatsangehörigkeit, während 679.000 wieder fortzogen. Das ist ein Überhang von 279.000 Personen, nur knapp mehr als nach Kanada durften, aus welchem nur wenige Menschen wieder auswandern.

Es gibt jedoch nicht nur quantitative Unterschiede bei der Einwanderung, sondern auch qualitative: Um nach Deutschland einwandern zu können, braucht man trotz des propagierten Fachkräftemangels keine besonderen Qualifikationen. Kanada hingegen hat ein umfangreiches Punktemodell entwickelt, welches den gesamtgesellschaftlichen Gewinn über alle anderen Faktoren stellt. Wer regulär nach Kanada einwandern will, muss ein "skilled immigrant" sein – also über benötigte Fachkenntnisse verfügen, die dem Land von Vorteil sind. In Deutschland (aber auch in Österreich) ist dieser Faktor hingegen kaum von Belang.

Und so kommt es, dass Kanada das erste Land der Welt ist, in dem die Zuwandererkinder bei den Pisa-Tests an den Schulen die Kinder der Einheimischen überflügelten. Das war 2006. In Deutschland und Österreich hingegen müht man sich mit Integrationsmaßnahmen ab, zumal es nicht selten schon an den Sprachkenntnissen mangelt. Schüler mit Migrationshintergrund schneiden hierzulande im Schnitt schlechter ab als jene der Einheimischen. Das Problem hierbei: diese Differenzen wirken dann bis ins Berufsleben nach. Schlechte Noten und damit ein schwerer Stand auf dem Arbeitsmarkt sorgen für eine frustrierte Generation, die sich kaum mehr Zukunftshoffnungen macht. Hilfsarbeiterjobs und Arbeitslosigkeit prägen das Leben dieser Menschen, während man sich in Kanada über den Mehrwert der Leistungen der Migranten und deren Kinder freut.

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Doch während man in Europa noch darüber streitet, ob ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild kaltherzig oder vorteilhaft ist, wird dieses in Kanada selbst schon wieder umgebaut. Genügte es bislang schon Akademiker zu sein, um entsprechende Punkte zu erhalten, wird man zukünftig auch auf die Praxistauglichkeit der akademischen Ausbildung achten. Mit dem neuen "Express Entry System" (EES) sollen Fachkräfte mit einem vorhandenen Arbeitsangebot bevorzugt werden. Wenn dann auch noch eine "skill transferability" vorliegt – der Bewerber also auch noch bei Bedarf die Voraussetzung erfüllt, schnell umgeschult werden zu können – steht der Einwanderung und der Chance auf einen kanadischen Pass so gut wie nichts mehr im Weg.

Nun kann man sagen, dass Kanada vom Brain-Drain aus anderen Ländern profitiert, womit sich die Entwicklungschancen der betroffenen Volkswirtschaften vermindern. Doch andererseits liegt es auch an den jeweiligen Ländern selbst, sich als vorteilhaftes Land zu profilieren. Die kanadische Regierung sagt, dass sie keine Einwanderung in die Sozialsysteme möchte und zudem keine Ressourcen für langwierige Integrationsarbeit auwenden will. Wer nach Kanada auswandern möchte muss zeigen, dass er ein produktives Mitglied der Gesellschaft sein möchte. Dafür bietet das Land auch ein ordentliches Einkommen, eine gesicherte Existenz und eine offene Gesellschaft.

In Deutschland und Österreich, wo es teilweise schon ganze Schulklassen gibt, in denen ein Unterricht mangels Sprachkenntnisse kaum möglich ist; wo sich Parallelstrukturen entwickeln aus denen einfach keine Fachkräfte kommen können, findet nicht grundlos eine Diskussion über die Einführung des kanadischen Modells statt. Debatten darüber, ob Zuwanderer mehr kosten als sie bringen müssten – angesichts der im Schnitt höheren Arbeitslosenquote und geringeren Qualifikation der Migranten – nicht mehr geführt werden und auch Vorbehalte in der Bevölkerung könnten sich so in Luft auflösen und eine offenere Umgangskultur entstehen.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass man jene Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen fliehen, kategorisch abweisen darf. Allerdings muss sich hierbei in der deutschen Außen-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik, die auch innerhalb der Europäischen Union maßgeblich ist, etwas ändern. Anstatt dafür zu sorgen, dass Menschen aus Kriegsgebieten flüchten müssen, sollte man solche kriegerischen Auseinandersetzungen gar nicht erst vorantreiben. Ebenso könnte man mit verbindlichen ethischen Richtlinien im Außenhandel (ein sanfter ökonomischer Druck) dafür sorgen, dass sich die wirtschaftliche Situation in den ärmeren Ländern verbessert. Ursachenbekämpfung statt Symptome kurieren ist da angesagt.

Über kurz oder lang wird man sich entscheiden müssen, ob man das bisherige Modell der "unkontrollierten" Zuwanderung beibehält, oder nicht vielleicht doch auf ein adaptiertes kanadisches Modell zurückgreift. Bleibt alles so wie es ist, wird der allgemeine Lebensstandard in Deutschland und Österreich sinken, wenn man nicht auch auf umfangreiche Begleitmaßnahmen zur sprachlichen und gesellschaftlichen Integration setzt. Was nützen hunderttausende Einwanderer pro Jahr, die aufgrund der mangelnden Integration beruflich kaum Chancen haben? Der volkswirtschaftliche Bedarf an Hilfskräften sinkt stetig, während man angesichts des im globalen Vergleich hohen Lohnniveaus nur noch mit Fachkräften mithalten kann. Muss man diese erst mit einem Gewaltakt an Integrations- und Bildungsmaßnahmen "heranzüchten", wird dies schwierig.

Das kanadische Einwanderungsmodell mag etwas kalt und hart erscheinen, dennoch ist es ein probates Mittel um sicherzustellen, dass eine langfristig positive Entwicklung funktioniert. Gelingt dies nicht, droht innerhalb weniger Dekaden ein ökonomischer Absturz – und das ist weder im Sinne der hier lebenden Bevölkerung, noch jener Menschen die hier leben wollen. Es sollte ja auch im Interesse der Immigranten liegen, dass das Zielland weiterhin ein attraktiver Wohnort ist. Oder etwa nicht?

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3 KOMMENTARE

  1. für die linken ist jede art von leistung oder forderung (an migranten und bevorzugte gruppen wohlgemerkt!) unmenschlich, auch wenn sie nur einen normalen ausgleich darstellt. ihnen nach müssen alle aufgenommen, vollversorgt, gehätschelt, mit sozialleistungen vollgestopft werden, und wenn jemand dann trotzdem totgetreten wird, dann ist natürlich das opfer, die gesellschaft etc. schuld und die täter kommen mit sozialstunden davon.

    zu eurer information, europa streitet sich nicht, sondern die medien geben eine vorgefertigte meinung vor und diffamieren jeden als nazi, der es wagt auf die missstände hinzuweisen!

  2. Auch Kanada ist Exporteuer von Krieg und Waffen (Die größten Exporteure waren USA (54 %), Belgien (6 %), Frankreich (5 %), Deutschland (4 %), Großbritannien (3 %), China, Norwegen, Italien, Kanada und Schweiz (jeweils 2 %)
    Schon deshalb ist Kanada moralisch verpflichtet alle Kriegsflüchtlinge aufzunehmen. Kein Imperialismus = keine Migration

  3. bullshit. der sozialstaat gepaart mit laschen gesetzen ist das, was die meisten anzieht. es gibt viele flüchtlinge aus ländern in denen überhaupt kein krieg herrscht. und wie kommt es, dass so viele ausgerechnet in länder mit starkem sozialstaat wollen? und der glaube, man könnte kriege einfach verbieten ist unfug. notfalls wird die waffenproduktion nur verlagert. der jahrzehntelange krieg gegen drogen hat doch auch nichts gebracht!

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