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ISIS: Sprengstoff in Nahost

Ein wenig entwickelt sich ISIS (Islamic State in Irak and Syria) zu einem Zauberlehrling der USA. Zuerst hatte Washington, weil man in Libyen ohnehin schon dabei war, auch in Syrien ein wenig gezündelt und dann, als das Flämmchen größer wurde, brav mit Geld und Waffen nachgelegt, damit der Teilzeit-Verbündete al Kaida gut ausgerüstet ist. Jetzt aber läuft die Sache mehr und mehr aus dem Ruder. Das ist der zweite Fehlschlag für die USA in Syrien, nachdem Rußlands Präsident Putin mit seiner Lösung des Giftgas-Problems dem US-Präsidenten Obama seinen Syrien-Krieg vermasselte.

Von Florian Stumfall

Unterstellt man, daß, gemäß dem Yinon-Plan, der die Marginalisierung der Nachbarn Israels vorsieht, nach dem Irak auch Syrien in seine Bestandteile zerlegt werden sollte, dann kann Washington und Jerusalem nichts ungelegener kommen als das, was sich nun anbahnt: ein islamistischer Staat von der Größe Syriens und des Irak zusammengenommen. Was den Irak angeht, so leistet die Regierung keinen Widerstand, weil sie machtlos ist. In Syrien aber ist der Todfeind der USA, Al Assad, der einzige, der den Islamisten die Stirn bieten kann. Mit einem Mal erscheint sein Kampf für die USA vorteilhaft. Was das für die weitere Versorgung von al Assads Feinden in Syrien durch die USA bedeutet, wird man sehen.

Die Gefahr, die von der Entwicklung in der Region ausgeht, besteht nicht nur darin, daß sich ein allzu mächtiger Gottesstaat bilden kann, Zündstoff liegt vor allem auch im Verhältnis zu den Nachbarn. Im Norden nähert sich ISIS der türkischen Grenze, jenseits liegt das stets konfliktträchtige türkische Kurden-Gebiet. Die irakischen Kurden wiederum halten‘s mit der Regierung in Bagdad gegen ISIS, da kann es sehr schnell zu Übergriffen kommen. Da aber die Türkei NATO-Mitgliedsstaat ist, kann sich dort jederzeit der Bündnisfall ergeben, gewollt oder nicht. In jedem Fall bedeutet das Krieg, wobei man sich daran erinnert, daß auch deutsche Soldaten mit ihren ältlichen Patriot-Raketen an dieser Grenze stehen.

Der Iran im Süden ist als das personifizierte Feindbild Israels ebenfalls eine Gefahrenquelle erster Klasse. In Jerusalem gibt es genug Strategen, die auch ohne die jetzige Zuspitzung in Nahost immer wieder einem israelischen Präventivschlag gegen den Iran das Wort geredet haben. Andererseits nähern sich gerade in diesen Tagen die Türkei und der Iran einander vorsichtig an. Das bedeutet zunächst ein taktisches Patt.

Ganz anders verhält es sich mit Israel selbst. Die Entwicklung durch und um ISIS läuft den elementaren Interessen des Landes oder dem, was es dafür hält, völlig zuwider. Da aber, wie schon öfter zu sehen war, die Geduld der Entscheidungsträger erschöpflich ist, kann man nur abwarten wie lange es dauert, bis die Analysten zu dem Ergebnis kommen, Israel müsse in das Geschehen eingreifen. Was daraus folgen kann, entzieht sich einer heutigen Lagebeurteilung.

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