Globaler Reichtum wächst durch Inflation an den Finanzmärkten

Wie die Boston Consulting Group (BCG) ermittelte, wuchs das globale private Finanzvermögen im Jahr 2013 um insgesamt 14,6 Prozent. Im Gegenzug konnte die Weltwirtschaft hingegen gerade einmal ein Wachstum von marginalen 2,9 Prozent verzeichnen. Grund dafür ist vor allem die Geldschwemme der Zentralbanken, die vor allem die Finanzmärkte befeuert.

Von Marco Maier

Die globalen Ungleichgewichte in Sachen Wohlstand und Vermögen haben sich im vergangenen Jahr wieder deutlich verschärft, wie aus den Untersuchungen des Beratungsunternehmens hervorgeht. Die Flutung der Finanzmärkte mit billigem Geld, so die Studie der BCG, kam hauptsächlich den Millionären und Milliardären zugute, die von den dadurch verursachten inflationären Tendenzen an den Börsen profitierten.

Das private Finanzvermögen nach Definition der Boston Consulting Group umfasst dabei Bargeld und Einlagen, Geldmarktfonds und börsennotierte Sicherheiten, Lebens- und Pensionsversicherungen, sowie andere Onshore- und Offshore-Verögen. Nicht inkludiert sind die Unternehmensvermögen, Immobilien und Luxusgüter.

BCG2013ReichtumInsgesamt belief sich das globale Finanzvermögen 2013 auf 152 Billionen US-Dollar, nachdem es 2012 noch 132,7 Billionen Dollar umfasste. 33,1 Prozent (2012: 32,8 Prozent) davon befanden sich in den USA, 24,9 Prozent (2012: 27,1 Prozent) in Europa. Besonders aufholen konnte die Region Asien-Pazifik (ohne Japan), die mit 24,3 Prozent des globalen Vermögens deutlich auf Europa aufschließen konnten, nachdem sie 2012 noch 21,3 Prozent davon auf sich vereinigen konnten.

Interessant ist die Aufschlüsselung der Finanzvermögen: von den 19,3 Billionen Dollar an Zuwachs entfielen 15,2 Billionen (rund 80 Prozent) auf bereits existierende Vermögenswerte, während mit lediglich 4,1 Billionen Dollar gerade einmal ein Fünftel neu geschaffen wurden.

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Zum Vergleich: Das Weltsozialprodukt erreichte 2013 einen Wert von rund 74 Billionen Dollar (2012: 71,8 Billionen). Damit umfassen die globalen Finanzvermögen 205 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung dieser Welt. 2012 lag dieser Wert noch bei 185 Prozent. Nimmt man die Prognosen für 2018 her, wonach der Wert der Finanzvermögen bis 2018 auf 198,2 Billionen Dollar steigen soll, sieht es dann wohl in etwa so aus: bei einem ungefähren Weltsozialprodukt 2018 von 83 bis 85 Billionen Dollar, wächst das globale Finanzvermögen auf etwa 230 bis 240 Prozent dessen an.

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Abgesehen davon, dass von dieser Entwicklung effektiv vor allem die ohnehin schon reichsten 5% der Menschheit profitieren, darf man die Auswirkungen auf die Realwirtschaft nicht aus den Augen verlieren: wachsende Finanzvermögen verlangen trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) des Niedrigzinsumfelds zunehmend höhere Renditen. Diese müssen jedoch zuerst real erwirtschaftet werden, was jedoch angesichts des anteilsmäßig immer kleiner werdenden Kuchens für Löhne und andere Kostenfaktoren bei der Produktion immer schwieriger wird.

Es sind nämlich nicht die einfachen Menschen oder die kleinen und mittleren Unternehmen die von diesem Vermögenszuwachs profitieren, sondern hauptsächlich die Superreichen. Darunter leiden müssen insbesondere die Mittelschicht (die effektiv die meisten Steuern und Abgaben zu tragen haben) und die armen Schichten (die kaum eine Chance zur wirtschaftlichen Verbesserung haben). Das heißt: die Mittelschicht muss die Unterschicht alimentieren, während die Superreichen den Sozialneid schüren und die Umverteilung von der breiten Masse unten zur kleinen Spitze oben weiterläuft.

Man muss nämlich bedenken, dass insbesondere die Vermögenden (neben jenem Teil der Mittelschicht, der in Aktienfonds investiert) ihr Kapital über die Börsen veranlagt, wodurch diese von der Geldschwemme den größten Profit haben. Damit jedoch erwerben diese Bevölkerungsteile nicht nur Realvermögen, sondern zudem noch den Anspruch auf Renditen. Im Vergleich zu den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte kann man hier sagen: von den Produktivitätszuwächsen ging nur ein kleiner Teil in Form von niedrigeren Preisen und/oder höheren Löhnen an die breite Masse. Der Großteil floss hingegen an das Management und die Aktionäre.

Effektiv erleben wir mit den Kursfeuerwerken an den Börsen nichts weiter als eine gewaltige inflationäre Blase, die in keinem Zusammenhang mehr mit den realwirtschaftlichen Entwicklungen steht. Somit kann es nur noch zwei Möglichkeiten geben, um wieder einen Normalzustand im Verhältnis dieser beiden Größen zu erhalten: Entweder erleben wir bald schon eine enorme Preisinflation an den Realmärkten, damit die steigenden Renditeforderungen überhaupt noch erfüllt werden können, oder es findet eine massive Preiskorrektur an den Börsen statt. Was davon wahrscheinlicher ist, ist jedoch eine andere Frage.

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3 Kommentare

  1. Eine Anleihe, die heute über 100% notiert, wird trotzdem zu 100 % refinanziert. Und schwupps, sind Billionen verschwunden. Ob der DOW 2018 bei 100000 oder 4000 steht, ist keine ausgemachte Sache. So dann aber auch die Finanzprodukte auf die Wertpapiere. Siehe Japan, der Nikkei stand schon mal bei 38000, heute um 15000. Auch die allermeisten Aktien haben nur ihre Emittenten, aber nicht die späteren Besitzer, reich gemacht. Die Diskussion über diesen (meist nur fiktiven) Reichtum an den Finanzmärkten ist Quatsch. Ein paar Glücksritter gewinnen, in den seltensten Fällen dauerhaft. Da wird vorgegaukelt, die Pensionsfonds und Lebensversicherungen könnten ewig ihren Verpflichtungen nachkommen. Können sie nicht, weil der gesamte Finanzmarkt von Parasiten befallen ist. Die leben nicht von billigen Zentralbankkrediten, sondern (relativ gesehen) winzigen Bröckchen, die sie jeden einzelnen Tag im Jahr von den ganz realen Spargeldern abzocken.

  2. Lebensversicherungen und Riesterrente gehen auch durch diese Schmarotzer vor die Hunde. Anstatt alle in die Rentenkasse einzahlen zu lassen, vertraut man das Geld, das eigentlich für die Rentner gedacht, den Zockern an. Durch die Zockerbanden gibt es doch jetzt schon keine Zinsen mehr auf Erspartes. Man fragt sich jeden Tag aufs Neue, von welchen Idioten wir hier eigentlich regiert werden.

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