Ukraine: der Psycho-Krieg im Hintergrund

Der chinesische Stratege und Philosoph Sun Tsu benannte im sechsten Jahrhundert v. Chr. sieben Grundfragen der militärischen Taktik. Eine, die er als gleichbedeutend mit der nach der Stärke der gegnerischen Armee bezeichnete, war: „Welcher der beiden Herrscher handelt im Gleichklang mit dem Gesetz der Moral?“ Spätestens seit damals suchen Gegner einander ins Unrecht zu setzen, ganz besonders heute im Medienzeitalter, wo wichtiger ist, wie etwas aussieht, als wie es ist.

Von Florian Stumfall

Der Westen, so die Ansicht des russischen Politologen Fjodor Lukjanow, will Russland in einen Krieg gegen die Ukraine ziehen. Die Absicht, dadurch Russland ins Unrecht zu setzen, ist unverkennbar, schließlich wird Moskau und insbesondere dem Präsidenten Putin bereits jetzt angelastet, dass Kiew im Osten der Ukraine Krieg führt. Würde es angesichts der Bombardierung der Städte Donezk, Slawjansk oder Lugansk für Russland unausweichlich, dagegen militärisch vorzugehen, so könnten die Propagandisten von Washington bis Warschau nicht nur die Pressekommentare, sondern auch die Aufsätze für die Geschichtsbücher fertig aus den Schubladen ziehen.

„Das Streben des Westens, Russland zu einem Einmarsch zu bewegen“, so Lukjanow, der Chef des Präsidiums des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik, „geht auf mehrere Momente zurück. Erstens, würde dies für Russland viele Probleme in der Region schaffen, weil die Reaktion dort nicht so eindeutig sein würde wie auf der Krim. Zweitens würde dies den Weg zur Anwendung des gesamten Spektrums des wirtschaftlichen Drucks eröffnen.“

Auch der Präsidentenberater Sergej Glasjew vertritt eine reziproke Auffassung. Nach seiner Meinung treiben die USA die Ukraine „absolut hart, beharrlich und konsequent zu einem Krieg gegen Russland“. Ziel der neuen ukrainischen Präsidenten Poroschenko sei „ein Krieg gegen Russland, weil sich die Krim auf eine andere Weise nicht zurückholen lässt. Die Amerikaner und ihre Handlanger in Kiew haben Kurs auf eine Militarisierung und die Bildung eines diktatorischen Nazi-Regimes sowie auf eine totale Mobilisierung der Bevölkerung gegen Russland eingeschlagen“, so Glasjew.

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Natürlich sind die Russen Lukanjow und Glasjew nicht neutral. Das heißt aber keineswegs, dass sie Unrecht haben. Um das zu beurteilen ist es notwendig, die  Plausibilität dessen,  was sie sagen, und die Frage zu prüfen, ob man damit die Ereignisse erklären kann. Unabhängig davon, dass die Ukraine massiv aufrüstet, meint Lukjanow, dass eine militärische Einmischung sowohl für Russland als auch für die ukrainischen Territorien kontraproduktiv wäre, auf denen der Konflikt im Gange ist. Zugleich könne sich Russland eine militärische Niederschlagung der „Volksrepubliken“ in der Ukraine nicht leisten. „Russland muss diesen engen Pfad, den es heute geht, weiter gehen“, sagte er. „Man muss in die Phase zurückkehren, als der politische Druck auf Kiew stärker war als heute.“ 

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