Eigentlich müsste man meinen, die Geldschwemme der letzten Jahre hätte deutliche Spuren beim allgemeinen Preisniveau hinterlassen müssen. Nun, die Preise sind durchaus stark gestiegen: allerdings nicht bei den Konsumentenpreisen. Inflation sehen wir derzeit vor allem auf den Finanzmärkten.

Von Marco Maier

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum in Europa und den Vereinigten Staaten die Angst vor einer Deflation (sinkendes Preisniveau) herumgeht, obwohl doch die Notenbanken unablässig Geld in die Märkte pumpen? Die Antwort ist an und für sich recht einfach: Das viele Geld fließt nicht zur breiten Masse der Bevölkerung, die ja als Konsumenten den Großteil der Nachfrage stellen, sondern zu den Banken und Finanzinstitutionen. Diese kaufen ja kaum Nahrungsmittel, Autos, Handys oder Computer, sondern eben Aktien, Anleihen, Immobilien und dergleichen. Im nachfolgenden Beispiel versuche ich die Problematik zu erläutern, ohne dabei zu tief in die Mathematik abzutauchen. Ich hoffe, dass es trotz der massiven Vereinfachung verständlich und nachvollziehbar ist. Leider ist es im Rahmen eines Artikels kaum möglich, sämtliche Aspekte umfassend anzusprechen. Ergänzungen werden jedoch auf jeden Fall noch folgen.

Wenn nun die gesamte Geldmenge eines Landes bei 1.000 Geldeinheiten (GE) liegt, davon die unteren 90 Prozent der Bevölkerung 350 Geldeinheiten (also 35 Prozent) und die reichsten 10 Prozent die restlichen 650 GE (65 Prozent) besitzen, wirkt sich die Veränderung der Geldmenge so aus:

Geldschwemme RealwirtschaftFließt das zusätzliche Geld wie in den letzten Jahren vor allem in die Finanzmärkte, profitieren vor allem die Besitzer von Vermögenswerten. Die Grafik links /zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken) stellt ein stark vereinfachtes Schema dar. In unserem Beispiel erhöht sich die Geldmenge nun um 10 Prozent oder 100 GE auf 1.100 GE. Da die Reichen stärker davon profitieren, und die Löhne ja auch nur leicht steigen, gehen von diesen 100 GE nur 20 an die ärmeren 90 Prozent der Bevölkerung. Die Vermögensverteilung neu sieht dann so aus: 370:730 GE.

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Zwar hat die breite Masse der "Normalbevölkerung" jetzt auch mehr Geld zur Verfügung, doch nur ein Teil davon landet im Konsum. Vor allem die obere Mittelschicht spart ja auch einen Teil davon. Für die Anbieter von Waren und Dienstleistungen heißt dies, dass sich in Sachen Kaufkraft der Bevölkerung an sich nicht viel geändert hat.

Die oberen 10 Prozent hingegen, die den Großteil des zusätzlichen Geldes erhalten, müssen sich etwas überlegen. Immerhin können sie nicht das ganze Geld in den Konsum stecken. Also investieren sie es in Aktien, Immobilien und vielleicht auch in Anleihen. Auf diesen Märkten jedoch ist das Angebot ebenfalls beschränkt, so dass die Preise (Kurse) nach oben steigen. Dies wirkt sich jedoch insofern auf die finanzielle Situation der ärmeren 90 Prozent aus, indem sie mit stärker steigenden Mietpreisen konfrontiert werden. Damit bleibt vom zusätzlichen Geld wieder nichts für den Konsum übrig.

Wie wir sehen, ist die Geldpolitik von Fed und EZB für die Realwirtschaft und den Großteil der Menschen äußerst kontraproduktiv. Selbst wenn das Geldsystem in sich zusammenbricht, werden die oberen 10 Prozent kaum wirklich etwas verlieren. Immerhin haben sie sich schon den Großteil der realen Werte angeeignet, womit sie danach wieder mit einem enormen Startvorteil ausgestattet so weiter machen können wie bisher.

Eine sehr anschauliche Darstellung der Problematik finden Sie übrigens auch im äußerst informativen Goldjournal von Nikolaus Jilch.

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