Während ihrer jeweiligen Amtszeit waren sie untereinander nie so einig wie jetzt bei der Beurteilung des Problems „Sanktionen gegen Russland“: die drei früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder.

Von Florian Stumfall

Schmidt wurde mit seinem norddeutschen Charme am deutlichsten. Er nannte die Sanktionen „dummes Zeug“. Sie würden den Westen genauso treffen die Russland, gab er zu bedenken und fuhr fort: „Es wäre ideal, sich jetzt zusammenzusetzen. Es wäre jedenfalls dem Frieden bekömmlicher als das Androhen von Sanktionen.“ Kohl, in dessen Amtszeit die deutsche Wiedervereinigung vonstatten ging, und der daher erhebliche russische Erfahrungen hat, sieht „große Versäumnisse“ in der Ukraine-Politik und eine „mangelnde Sensibilität im Umgang mit unserem russischen Nachbarn“. Gerhard Schröder wiederum pariert den Vorwurf des Bruchs von Völkerrecht mit dem Hinweis, auch Deutschland habe unter seiner eigenen Kanzlerschaft im Jahr 1999 völkerrechtswidrig seine Kampfjets nach Jugoslawien geschickt.

Einhellig wendet sich die deutsche Wirtschaft gegen Sanktionen. So traf sich erst vergangene Woche der Siemens-Chef mit Putin und versicherte ihm, sein Konzern werde an den Kooperationsplänen mit Russland festhalten. So wie Siemens halten es auch der Energie-Riese E.ON, Volkswagen oder auch die Deutsche Bank, um nur einige zu nennen.

Doch auch bei der EU werden Bedenken laut. Der Vize-Präsident der Kommission, Olli Rehn, ist der Meinung: „Was Wirtschaftssanktionen anbelangt: Kein vernünftiger Europäer würde Wirtschaftssanktionen und eine Eskalation der Krise sehen wollen. Wenn Russland keine Eskalation der Krise ansteuert, müssen wir in der Lage sein, diese Sanktionen zu vermeiden.“

Allerdings scheinen die vernünftigen Europäer in der Defensive zu sein. Bundeskanzlerin Merkel kritisierte den Siemenschef wegen dessen Russland-Reise und erklärte, die deutschen Unternehmen sollten sich „ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein und die europäischen Werte nicht zum Opfer ihrer Geschäftsinteressen in Russland machen“. Abgesehen davon, dass Sanktionen eine völlig neue Komponente sozialen Verhaltens darstellen, wäre Merkels Kritik an Siemens glaubwürdiger, wenn nicht der Konzern vorab das Bundeskanzleramt informiert hätte und von dort keinerlei Einwände erhoben worden wären.

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1 KOMMENTAR

  1. Zwar auf den ersten Blick lobenswert wie sich die drei Ex-Kanzler verhalten, aber… ist das auch glaubwuerdig?

    Schroeder ist befangen weil er fuer Gazprom arbeitet und von Putin ein angedientes Kind adoptiert hat. Kohl hat die Deutschen nach Strich und Faden belogen, weil er schon Anfang der 90er wusste, dass die Transferunion geplant war und nur einen Vorwand brauchte, die Finanzkrise von 2008. Kohl, der ausserdem genauso Freimaurer ist wie Mitterand und die meisten Bruessler Pseudo-Volksvertreter, wusste von Anfang an Bescheid ueber die Expansionsgelueste der EU.
    Und Schmidt, ebenso Bilderberger wie Kohl und Schroeder, ist ebenso bestens informiert ueber die Ur-Plaene der EU, sich Russland einzuverleiben.

    Also bitte, die 3 sind nicht im Geringsten ernstzunehmen. Das hat eher was von Verschleierungstaktik und Appeacement, oder vielleicht sogar was von schlechtem Gewissen, weil alle drei das eigene Land verraten und brav den angloamerikanischen Geluesten geopfert haben, waehrend Putin diesen Oligarchen gehoerig in den Arsch tritt, um die Souveraenitaet seines Volkes zu bewahren.

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