Problem mit „Made in China“? Stärkt „Made in Europe“

Sich über den wachsenden wirtschaftlichen Einfluss Chinas aufzuregen ist scheinheilig, so lange man das Outsourcing politisch begünstigt. Made in Europe ist immer noch problemlos möglich. Man muss nur wollen.

Von Marco Maier

Im Zuge der allgemeinen China-Hysterie, die derzeit vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch innerhalb der Europäischen Union um sich greift, sowie als Folge der gestörten Lieferketten im Zuge der Produktions, Reise- und Transportbeschränkungen aufgrund der Covid-Lockdowns, wächst der Ruf nach einer Auslagerung der zuvor fleißig nach China verlagerten Produktion von Gütern.

Auch wenn die internationale Arbeitsteilung lange als ökonomisches Dogma der Kapitalisten galt, so gab es schon früher immer wieder Kritik am „Outsourcing“ in Billiglohnländer. Das vom „Begründer der Nationalökonomie“, Adam Smith, eingeführte Prinzip, wonach sich jedes Land auf die Produktion jener Produkte konzentrieren soll, die es besser herstellen kann als andere, hat bis heute überdauert.

Sah Smith damals, dass es besser und günstiger für alle ist wenn Portugal oder Spanien den Wein produziert, England dafür Leinentücher, dann hatte er damit durchaus Recht. Britischer Wein dürfte wohl ohnehin zu sauer sein und durch die Massenausbeutung der Arbeiterschaft konnten die Engländer ihre Tücher auch günstig produzieren. Das heißt: die Engländer verkauften ihre Tücher an die Iberer und erhielten dafür Wein. Für beide Länder ein Vorteil.

Doch heute sieht es schon etwas anders aus. Klar, TV-Geräte, Computer und selbst Plastikteile können in Ländern wie China deutlich günstiger hergestellt werden als in Deutschland oder den Vereinigten Staaten, doch zu welchem Preis für die Menschen in den „Hochlohnländern“?

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Wenn die gut bezahlten Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe und der Industrie ausgelagert werden, müssen die Menschen auf den schlechter bezahlten Dienstleistungssektor ausweichen um Einkommen zu generieren. Zwar sind viele Produkte durch die Auslagerung billiger geworden, doch wenn jemand beispielsweise nur mehr 1.200 Euro netto im Monat als Dienstleister verdient anstatt 2.400 netto als Industriearbeiter, dann hilft es ihm auch nicht viel, wenn das neue TV-Gerät 399 statt 799 Euro kostet. Denn abzüglich der laufenden Fixkosten bleibt ihm ja viel weniger frei verfügbares Geld übrig.

Klar, auch heute gibt es bei diversen Produkten noch eine volkswirtschaftlich sinnvolle internationale Arbeitsteilung – doch ist dies angesichts der zunehmenden Automatisierung überall der Fall? Wohl kaum. Hier geht es ja nicht nur um die Löhne selbst, sondern auch um die Sozialabgaben und die Steuern. Die massenhafte Auslagerung der Produktion kostet die Staaten ja auch entsprechende Steuereinnahmen.

Doch das hat die regierende Politik in Europa (und den Vereinigten Staaten) natürlich lange Zeit nicht wirklich interessiert. Dank diverser Freihandelsabkommen lohnte sich die Auslagerung (zulasten der „Hochlohnländer“) immer mehr. Die Regierungen fielen nicht nur mehr um die diversen Steuern (Lohnsteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer usw.) und die Sozialabgaben um, sondern auch um die – zum Ausgleich gedachten – Zölle.

Argentinisches Rindssteak kostet heute Dank solcher Abkommen und recht günstiger Transportkosten nicht mehr als ein einheimisches Steak. Bei anderen Produkten sieht es nicht besser aus. Und nur weil etwas beispielsweise in China, Vietnam oder sonst in einem günstigeren Land produziert wird, heißt es noch lange nicht, dass es deshalb auch günstig verkauft wird.

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Ein iPhone 11 Pro Max kostet an Material knapp 450 Euro. Verkauft wird es für 1.650 Euro. Die Differenz: 1.200 Euro. Das fällt garantiert nicht an Arbeits-, Standort-, Entwicklungs-, Marketing- und Vertriebskosten, sowie an Steuern an. Würde man das Smartphone in den Vereinigten Staaten oder in Europa herstellen, wäre die Gewinnspanne für Apple vielleicht etwas geringer, doch teurer verkaufen müssten sie es deshalb auch nicht.

Wollen sich die Europäer ihren Wohlstand bewahren, müssten sie ihre Wirtschafts- und Handelspolitik ein wenig überdenken und das Outsourcing erschweren. Vielleicht nicht so rabiat wie es die Amerikaner unter Präsident Trump tun, doch durchaus mit etwas ökonomischem Verstand.

Vor allem muss man verstehen, dass der Fehler nicht in der Billiglohn- bzw. Niedrigsteuerpolitik anderer Länder liegt, sondern vielmehr an den Konzernen und „käuflichen“ Politikern, die die Abwanderung überhaupt erst möglich machten.

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