Die US-Führung warnt Russland und China vor einer Einmischung in Venezuela – sie sollen sich aus der westlichen Hemisphäre raushalten. Wie wäre es, wenn sich die Amerikaner dann vom Rest der Welt fernhalten?

Von Marco Maier

Russland und China versuchen dem US-geführten Regime Change in Venezuela Einhalt zu gebieten. Dies führt in Washington zu verbalen Ausritten gegen Moskau und Peking. Man wolle eine Einmischung der Russen und Chinesen auf dem amerikanischen Kontinent nicht dulden, heißt es. Doch da stellen sich einige berechtigte Fragen.

In den Vereinigten Staaten herrscht immer noch der Grundsatz der „Monroe-Diktrin“ vor, wonach der gesamte amerikanische Doppelkontinent sozusagen eine direkte Einflusssphäre der Vereinigten Staaten darstellt. Andere Mächte (egal ob aus Europa, Asien oder sonst wo her) sollen sich dort gefälligst raushalten. In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich Lateinamerika zunehmend zum „Hinterhof der CIA“, die auch mehrere Putsche gegen unliebsame (zumeist linksorientierte) Machthaber organisierte und selbst mit brutalen Diktatorenregimes (z.B. in Chile, Argentinien oder Brasilien) kein Problem hatte, so lange sie sich gegenüber Washington unterwürfig verhielten.

Doch gleichzeitig entwickelte sich auch der „amerikanische Exzeptionalismus“. Das heißt in diesem Fall: Während anderen Mächten der Zugang zu Gesamtamerika quasi verboten wurde, begann Washington ein globales Imperium aufzubauen. Dass man dabei den regionalen Mächten Russland (in Osteuropa und Zentralasien) oder China (in Ost-, Süd- und Südostasien) in die Quere kam, wurde hingenommen. Immerhin war man seit dem Zerfall der Sowjetunion ja DIE Supermacht schlechthin – und so oder so der „Führer der freien Welt“.

Eben in dieser sogenannten „freien Welt“ wird dieses Hegemonialprinzip der Vereinigten Staaten auf hoher politischer Ebene jedoch faktisch gar nicht hinterfragt oder kritisiert. Man nimmt es vielmehr einfach hin, dass Washington einfach doppelte Standards setzt und für sich Sonderrechte beansprucht, die bei anderen (gegnerischen) Staaten direkt zu Sanktionen und diversen politischen, wirtschaftlichen und/oder finanziellen Strafmaßnahmen führen würden.

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Genauso fragt sich kaum jemand, warum man beispielsweise den Russen oder Chinesen die Verteidigung von Einflusssphären vorwirft, während die Amerikaner dies ständig tun – und zwar in Amerika selbst, in Europa, in Asien und sogar in Afrika. Und wenn man dabei mit den Einflusssphären der jeweiligen Regionalmächte kollidiert? Dann werden diese zu Aggressoren erklärt, obwohl sie zumeist nur auf die US-Aggression in ihrer direkten Umgebung reagieren.

Vielleicht sollten Moskau und Peking Washington einen Deal anbieten. Ganz nach dem Motto: Haltet euch aus Europa und Asien raus, dann halten wir uns auch aus Amerika heraus.

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3 thoughts on “Washingtons Doppelmoral”

  1. Mit den Yankees Verträge machen zu wollen, ist keine gute Idee. Das wusste schon der Stammeshäuptling Sitting Bull, und er brachte es einmal noch vor seinem Tode auf den Punkt: „Sie kommen am Tage um die Friedenspfeife mit uns zu rauchen. Dann kommen sie nachts wieder und erschießen alles was sich bewegt und brennen den Rest nieder.“
    Und wie zur Bestätigung wurde er nachts während er schlief hinterlistig ermordet. – An seinen Worten hat sich seither nichts geändert. – Das sollte man immer bedenken.

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