General Haftar, Libyen. Bild: Libyan Gazette

Seit dem Sturz und der Ermordung Gaddafis kommt Libyen nicht mehr zur Ruhe. Nun droht ein neuer Kriegsausbruch, nachdem General Haftars Truppen weiter nach Tripolis vorrückten.

Von Marco Maier

Als die NATO-Bomben oppositionellen Milizen dabei halfen, den Sturz von Staatschef Muammar al-Gaddafi durchzuführen, war aufmerksamen Beobachtern klar: das wird kein gutes Ende nehmen. Heute hat das von Stämmen und Clans geprägte nordafrikanische Land mehrere „Regierungen“, die die Herrschaft über ganz Libyen beanspruchen. Darunter auch die von den Vereinten Nationen anerkannte „Regierung der nationalen Einheit“ in der Hauptstadt Tripolis, die jedoch ihren Einfluss nur auf einen kleinen Teil des Landes ausweiten konnte.

Truppen, die dem Führer im östlichen Teil Libyens, General Khalifa Haftar, treu ergeben sind, rückten in einer erneuten Konfrontation zwischen den rivalisierenden Regierungen nach Westen in Richtung der Hauptstadt Tripolis vor. Dies könnte eskalieren und erneut die Ölproduktion und -exporte Libyens stören. Haftar führt eine selbsternannte libysche Nationalarmee (LNA) mit einer Basis in der östlichen Stadt Benghazi an. Die LNA ist der Hauptgegner der von der UN unterstützten libyschen Regierung in der Hauptstadt Tripolis im Westen.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, der gerade in Libyen ist, um rivalisierende Führer im ganzen Land zu einer nationalen Versöhnungskonferenz zusammenzubringen, twitterte: „Ich bin zutiefst beunruhigt über die in Libyen stattfindende Militärbewegung und die Gefahr einer Konfrontation. Es gibt keine militärische Lösung. Nur ein inner-libyscher Dialog kann libysche Probleme lösen. Ich rufe zur Ruhe und Zurückhaltung auf, während ich mich darauf vorbereite, die libyschen Führer im Land zu treffen.“

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Das ölreiche Libyen, das zwischen einer von der UNO unterstützten Regierung mit Sitz in Tripolis und einer alternativen Verwaltung und Institutionen im Osten zerrissen ist (von den vielen kleineren Milizen und Gegenregierungen ganz zu schweigen), könnte die jahrelange politische Krise in diesem Monat durch die Schaffung einer einzigen Regierung lösen, sagte Haftar nur ein paar Tage vor.

Seit dem Sturz von Muammar Gaddafi im Jahr 2011 hat die Spaltung der politischen Landschaft in Libyen zu häufigen Angriffen auf Ölfelder und die Energieinfrastruktur durch verschiedene Gruppen geführt. Libyen hat seit Jahren Schwierigkeiten, seine Ölproduktion auf über 1 Million Bpd zu halten, verglichen mit 1,6 Millionen Bpd vor Beginn der Auseinandersetzungen. Haftar-treue Streitkräfte kontrollieren die vier Ölhäfen im sogenannten Ölhalbmond im Osten und die dortigen großen Ölfelder. Das sorgt dafür, dass Haftar über deutlich mehr Finanzmittel verfügt als die Einheitsregierung in Tripolis.

Wie wird es nun weitergehen? Sollten sich die Kampfhandlungen intensivieren, wäre ein erneuter Ausbruch des Bürgerkriegs im ohnehin schon extrem unruhigen und unsicheren Land sehr wahrscheinlich.

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3 KOMMENTARE

  1. Zurück in die Räuberbande.
    Wer seinen guten Chef nicht die Stange hält zur rechten Zeit,
    wird einmal vorbehaltlos vorlieb nehmen müssen mit dem,
    was an dessen Stelle tritt.

  2. Die Oligarchen der Welt geraten in Libyen nicht aneinander. Also wird der Bombardierung 1 durch die NATO eine Bombardierung 2 folgen, bis dann so etwas wie „Merkel“ installiert ist.

    • Das liegt auf der Hand. Danach haben sie über sich Demokratie in Reinkultur.
      Kennen wir!!
      Die Dummen bestätigen und wiederbestätigen ihre Metzger im Schoßhündchen-Mäntelchen.

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