Die Saudis machten den Petrodollar erst möglich. Nun droht Riadh mit dem Ende. Washington könnte einen Regime-Change versuchen.

Von Marco Maier

Damals als die USA sich vom Bretton Woods-System und dem Goldstandard verabschiedeten, waren es die Saudis, die mit der Etablierung des US-Dollars als Zahlungsmittel für Ölverkäufe der OPEC den Grundstein für den Petrodollar legten.

Dafür profitierte das radikalislamische Königreich auch in mehrerer Hinsicht: Einerseits konnte man so die subversive Praxis der Radikalisierung anderer sunnitischer Länder durch die Finanzierung von Moscheen und die Entsendung von wahhabitischen (salafistischen) Imamen vorantreiben, andererseits sorgte die weitere Fixierung des US-amerikanischen Geldes als Weltleitwährung zumindest auch für eine gewisse finanzielle Sicherheit. Hinzu kommt, dass der Schurkenstaat faktisch tun und lassen kann was er will, ohne dass CIA und Pentagon gleich mit Regime-Change-Plänen aufkreuzen.

Doch seit dem Mord am Journalisten Jamal Kashoggi, der zunehmenden öffentlichen US-Kritik am Krieg gegen den Jemen und dem Versuch die Saudis für 9/11 zur Kasse zu bitten wendet sich das Blatt. Eine Wendung die sich noch rascher vollziehen könnte: Denn jetzt, so Reuters, unter Berufung auf drei unbekannte Personen, die mit der saudi-arabischen Energiepolitik vertraut sind, droht Saudi-Arabien, den Dollar als Hauptwährung beim Verkauf seines Öls fallen zu lassen, wenn die USA ein Gesetz (NOPEC, No Oil Producing and Exporting Cartels Act) verabschieden, das OPEC-Mitglieder US-Kartellverfahren unterwirft.

Die Saudis wissen um die „nukleare Option“, die der US-Dollar darstellt, zumal die Amerikaner nicht umsonst schon Regierungen (wie jene des Iraks und Libyens) stürzten, nur weil sie ihr Öl nicht mehr in US-Dollar verkauften, was eine Bedrohung für die Vorherrschaft der USA darstellt. Denn ohne den Dollar als wichtigste Handels- und Transaktionswährung fällt auch einiges an Erpressungspotential weg.

Damit begibt sich die aktuelle Saudi-Führung jedoch auf sehr dünnes Eis. Auch wenn die Amerikaner die Saudis für ihre Kriegspläne gegen den Iran und ihre regionalen Hegemonialansprüche im Nahen Osten, sowie für ihre Rüstungsexporte (in den letzten zehn Jahren kaufte kein anderes Land so viele Rüstungsgüter von den Amerikanern wie die Saudis) brauchen, so sehr benötigen sie für ihre Ziele auch die globale Dollar-Dominanz. US-freundliche Ersatzleute gibt es bei den al-Sauds genügend, so dass ein Regime Change nicht zwangsläufig zu Chaos führen muss.

Wie es schlussendlich nun weitergeht, muss sich noch zeigen. Aber: Sollte die Riege um Kronprinz Mohammed bin Salman mit den Drohungen gegen Washington Ernst machen, wäre das Ende seiner Karriere an der Staatsspitze wohl schon besiegelt. Doch der Schlag gegen den Dollar hätte bis dahin schon enorme Auswirkungen auf die USA.

1 COMMENT

  1. Die USA und Israel sind sicher die weltweit unangefochtene Nummer Eins im Ranking Club of Terror.
    Allerdings glaube ich nicht zwingend daran, das alles besser sein wird, was danach folgt.

    Libyen und Irak sind Beispiele, wohin die Reise in der Welt führen könnte.
    Oder China übernimmt die Rolle des Imperators und versklavt die Weltbevölkerung für eine Chinesische Mauer 2.0 ?
    Indien und Pakistan haben auch jeweils über eine Milliarde Menschen, die sich auf Dauer nicht mit Almosen der Weltpolitik zufrieden geben werden.

    Keine beruhigenden Zeiten..

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