Philippinen: Rezession statt starkem Wachstum

In den letzten Jahren verzeichneten die Philippinen ein starkes Wirtschaftswachstum. Der lange Lockdown stürzt das arme Land nun in eine verheerende Rezession.

Von Marco Maier

Die philippinische Wirtschaft erlitt im zweiten Quartal, inmitten einer der frühesten und längsten Lockdowns Asiens gegen die Coronavirus-Pandemie, ihren stärksten jemals verzeichneten Rückgang, wie Bloomberg berichtet.

Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Vergleich zu vor einem Jahr um 16,5 Prozent, so die nationale Statistikbehörde, was der schlechteste Wert in einer Datenreihe ist, die bis ins Jahr 1981 zurückreicht.

In einer Bloomberg-Umfrage unter 21 Wirtschaftswissenschaftlern wurde im Median ein Rückgang um 9,4 Prozent prognostiziert. Im Quartalsvergleich ging das BIP zum zweiten Mal in Folge um 15,2 Prozent zurück, was bedeutet, dass sich die Wirtschaft in einer Rezession befindet. Und wenn man bedenkt, dass das Land zuvor mit einem Wirtschaftswachstum von mindestens 4 Prozent rechnete, sieht man, wie schwerwiegend die Auswirkungen sind. Das heißt, das Minus liegt vielmehr bei rund 20 Prozent, wenn man das erwartete Wachstum berücksichtigt.

„Die wirtschaftlichen Kosten des Versuchs, den Virus einzudämmen, hinterlassen große Narben in den Bilanzen der Haushalte und Unternehmen, die die Nachfrage noch viele Monate lang stark belasten werden“, schrieb der Analyst von Capital Economics, Alex Holmes, in einer Notiz nach der Veröffentlichung.

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„Ein Versagen bei der Eindämmung des Virus, anhaltende Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und unzureichende politische Unterstützung bedeuten, dass die Philippinen wahrscheinlich auch eine der langsamsten Erholungen in der Region erleben werden“.

Besonders hart sind die Lockdown-Maßnahmen in den wirtschaftlichen Kraftzentren des Landes. So wurde die National Capital Region (NCR) rund um die Hauptstadt Manila auf Drängen des überlasteten medizinischen Personals erneut für mehr als zwei Wochen unter verschärfte Quarantänemaßnahmen gestellt. Auch in Cebu auf den Visayas und Davao auf Mindanao gelten nach wie vor sehr strikte Einschränkungen.

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Doch in den anderen Landesteilen sieht es nicht besser aus, zumal es weiterhin starke Einschränkungen bei der Geschäftstätigkeit gibt. Zwar boomt das Liefergeschäft angesichts der „Stay at home“-Order und der Restriktionen in Sachen Social Distancing, doch immer mehr Restaurants und Carenderias beenden den Geschäftsbetrieb, weil es sich einfach nicht mehr lohnt. In den Tourismusgebieten ist der wirtschaftliche Schock noch größer.

Aber auch das öffentliche Verkehrswesen leidet. So dürfen die Tricycle, die fast im ganzen Land das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel sind, nur noch mit minimalen Passagierzahlen fahren. Für die Fahrer, die beispielsweise zuvor 700 bis 900 Peso (12 bis 15,50 Euro) Umsatz machten und davon etwa 400 bis 500 Peso für den Betrieb ausgeben müssen, ist das katastrophal. Viele der Fahrer sind heute froh, wenn sie am Ende des Tages überhaupt noch mit 100 Peso für die eigene Tasche dastehen. Die in Metro Manila dürfen – wieder einmal – gar nicht fahren.

Gleichzeitig geht der Regierung das Geld aus. Die ganzen Kredite, die unter anderem bei der Weltbank aufgenommen wurden, verpuffen angesichts der weitverbreiteten Armut im Nichts. Das Land hat nun deutlich mehr Schulden, ohne damit eine substanzielle Verbesserung der Lage geschaffen zu haben.

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Ein Kommentar

  1. Das hartnäckige Festhalten am Lockdown wirft Fragen auf. Die Politik vereinnahmt von der Pharma?
    Oder will die Regierung mit allen Mitteln den Oligarchen an den Kragen?

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