Russland hat in Idlib angeblich Zivilisten bombardiert. Deshalb fordert CDU-Politiker Röttgen neue Sanktionen. Scheinheiligkeit par excellence.

Von Marco Maier

Wie sehr die deutsche Politik von eifernden Transatlantikern durchsetzt ist, zeigt die jüngste Wortmeldung des CDU-Außenpolitikers Norbert Röttgen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags fordert neue Sanktionen gegen Russland, weil bei der Bekämpfung von Terrormilizen wohl auch Zivilisten zu Schaden kamen.

„Die gezielte Bombardierung von Zivilisten durch die russische Luftwaffe ist ein abscheuliches Kriegsverbrechen. Viele sterben, eine Million Menschen sind bereits auf der Flucht“, sagte Röttgen der „Bild“, ohne darauf hinzuweisen, dass die Amerikaner und die NATO, sowie deren Verbündete (wie z.B. Saudi-Arabien) in den vergangenen Jahren immer wieder vorsätzlich Zivilisten bombardiert haben.

Das „Wegschauen des Westens“ sei eine „Schande und es ist gegen unsere eigenen Sicherheitsinteressen“, so der CDU-Politiker weiter.

Doch wo waren der CDU-Politiker und „der Westen“, als die Amerikaner z.B. in Afghanistan trotz Hilferufe im Tiefflug ein Krankenhaus bombardierten und dort dutzende Menschen ermordeten? Wo waren er und „der Westen“, als die US-Koalition im Irak bei der „Befreiung von Mossul“ vom „Islamischen Staat“ unzählige Zivilisten bombardierten und ermordeten?

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„Das, was jetzt nötig ist, ist maximaler politischer und wirtschaftlicher Druck auf Russland, die Bombardierung der Zivilbevölkerung einzustellen. Wenn die Verbrechen weitergehen, muss es Sanktionen gegen Russland geben“, sagte Röttgen.

Gut Herr Röttgen, dann sprechen wir aber bitte auch über Sanktionen gegen die USA, gegen Großbritannien, gegen Frankreich, gegen Israel, gegen Saudi-Arabien, gegen die Türkei und weitere Länder, die im Nahen Osten mit Bomben und Raketen um sich werfen und dabei immer wieder Zivilisten massakrieren.

Fakt ist, dass die Zivilbevölkerung immer der Hauptleidtragende in kriegerischen Konflikten ist. Wo gehobelt wird da fallen Späne und wo Krieg geführt wird sterben Zivilisten. Allerdings kann man versuchen, die zivilen Opferzahlen so niedrig wie möglich zu halten, was zumindest bislang seitens des russischen Militärs auch versucht wird.

Nicht zu vergessen, dass Russland im Gegensatz zur Türkei, zu den USA, zu Saudi-Arabien und anderen Ländern völkerrechtlich legal in Syrien agiert, weil das russische Militär mit Erlaubnis der legitimen Regierung in Damaskus vor Ort ist und auch mit den staatlichen Streitkräften koopertiert. Im Gegenzug haben der Westen und dessen nahöstlichen Verbündeten in den letzten Jahren immer wieder illegal Angriffe auf das Land durchgeführt und zudem dschihadistische Mörderbanden mit Waffen und anderem Kriegsgerät versorgt.

Auch das findet der Transatlantiker Röttgen nicht erwähnenswert, weil das nicht in sein Weltbild passt. Denn der Westen mit seiner „regelbasierten Weltordnung“ kümmert sich einen Dreck um irgendwelche (selbst aufgestellten bzw. unterstützten) Regeln, wenn diese den eigenen geopolitischen Zielen zuwiderlaufen. Denn „wir sind die Guten“, oder?

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One thought on “Wegen Idlib: Röttgen verlangt neue Russland-Sanktionen”

  1. Wenn die Politiker der RF ähnliche Gedanken hegen würden, wäre Deutschland ohne Gas und Öl und sonstige Rohstoffe die aus der RF kommen. Wenn dann noch die Chinesen ähnlich handeln würden wie Deutschland wäre die Autoindustrie in D sofort tot.
    Sanktionspolitik auf Befehl der USA, Herr Rötgen sie haben die EU zu vertreten und für die Sicherheit der EU einzugestehen und auch dafür dass besonders ihre Partei die demokratischen Regeln auch ernst nimmt. Das faschistische Agieren der CDU/CDU wobei die SPD unf FDP gleichauf sind hat mit einer Demokratie nichts zu tun.

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