Rodrigo Duterte, seines Zeichens Präsident der Philippinen, versucht einen schwierigen Balanceakt zwischen den USA und China zu meistern.

Von Marco Maier

Vom 16. bis noch ins 20. Jahrhundert waren die Philippinen fremdbeherrscht. Erst kamen die Spanier im Jahr 1565 und dann übernahmen 1898 die Amerikaner die südostasiatischen Inseln. Diese Jahrhunderte der Fremdbeherrschung haben die Filipinos geprägt. Und selbst als sie 1946 endlich (zumindest formal) ihre Unabhängigkeit erhielten, ließen sie die Amerikaner nicht einfach so gehen.

Neben diversen Knebelverträgen (wirtschaftlich und militärisch) konnte Washington auch auf die Unterstützung der korrupten proamerikanischen Regierungen unter Manual Roxas und Elpidio Quirino zählen. Auch der Nachfolger Ramon Magsaysay zählte auf die Amerikaner und galt als strikter Antikommunist, doch im Gegensatz zu seinen Vorgängern war er im Volk beliebt. Sein nationalistischer Nachfolger Carlos P. Garcia hielt zwar an den US-Beziehungen fest, verfolgte jedoch eine „Filipino First“-Politik.

Sämtliche nachfolgenden Präsidenten, von Diosdado Macapagal über Ferdinand Marcos, hin zur der den Diktator ablösenden Corazon Aquino und dem Duterte-Vorgänger Benigno Aquino III. galten alle Staatschefs als „Amboys“ – als proamerikanisch. Bis dann der frühere Bürgermeister von Davao, Rodrigo Duterte, das Ruder übernahm und die außenpolitische Ausrichtung des Landes änderte.

Dieser sah, dass die bisherige – von Washington vorangetriebene – Konfrontationspolitik gegenüber dem Nachbarn China keine gute Sache war. Die USA sind weit entfernt und die verarmten Philippinen sehen sich mit chinesischen Gebietsansprüchen in der Westphilippinischen See (einem Teil des Südchinesischen Meeres) konfrontiert. Anstatt wie seine Vorgänger als Hund an der Leine gegen Peking zu kläffen entschloss sich der Pragmatiker, den Verhandlungsweg zu suchen. Man kann davon ausgehen, dass seine sino-philippinischen Freunde in Davao ihm zu dieser Vorgehensweise geraten haben, um so das Beste aus dieser Situation herauszuholen.

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Auch wenn die Filipinos den Chinesen deutlich reservierter gegenüberstehen als den Amerikanern und sich Duterte damit weder bei der herrschenden Oligarchie noch beim Volk wirklich viele Freunde machte, scheint seine Strategie aufzugehen. Die chinesischen Investitionen im Land wachsen deutlich, der Handel weitet sich aus und das arme Land erhält günstige Kredite, die es von den Banken und Anleihenkäufern zu solchen Konditionen wohl nie bekommen hätte.

Duterte mag zwar für seine oftmals etwas rüde Ausdrucksweise bekannt und berüchtigt sein, doch schlussendlich spielen seine Taten eine Rolle. Er weiß, dass die Volksrepublik die vorherrschende Macht in Asien ist und es ein Fehler wäre, sich an die Amerikaner zu binden und den großen Nachbarn zu sehr zu verärgern. Er weiß auch um die guten Beziehungen zwischen den Staatsführern Chinas und Russlands, so dass er sich auch mit Wladimir Putin gutstellt. Eine Politik des Ausgleichs zwischen den Mächten, dies hat er erkannt, kann seinem Volk langfristig am meisten helfen – auch wenn dieses das (noch) nicht erkennt. Es sind eben sehr viele „Amboys“ im Land, die in China den Billigkram-Produzenten und in den USA das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sehen, was wohl unter anderem auch auf die zumeist dürftige Bildung und die einseitige mediale Berichterstattung zurückzuführen ist.

Seine Halbzeit der sechsjährigen Amtsperiode hat der nunmehr 74-Jährige schon durch und in den nächsten rund zweieinhalb Jahren bleibt für ihn noch viel zu tun. Für die Filipinos selbst bleibt zu hoffen, dass sein Nachfolger (bzw. seine Nachfolgerin) den Ausgleichskurs beibehält und ebenso auf vernünftige Beziehungen sowohl zu den USA als auch zu China (und ggf. Russland) setzt.

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