Erdogans Schönwetterpolitik löst sich kurz vor der Wahl in Rauch und Nebel auf. Die Türkische Lira erlebte einen "Flash Crash" und droht die Finanzmärkte und die Wirtschaft des Landes zu zerfetzen.

Von Marco Maier

Wie in meinem gestrigen Artikel bereits angesprochen, steht die türkische Wirtschaft auf extrem wackligen Beinen. Vor allem die Dollar-Abhängigkeit des Landes bei Importen und im Finanzsektor (Kredite) sorgt für massive Probleme. Diese haben sich vor wenigen Stunden noch einmal verschärft, als die Türkische Lira einen "Flash Crash" erlebte und ein weiterer massiver Kursverlust erwartet werden kann.

Der
Der "Flash Crash" der Türkischen Lira

Für die türkische Zentralbank ist es fast unmöglich, den anhaltenden Abwärtstrend zu stoppen. Man muss sich nur einmal die Entwicklungen ansehen: Zum US-Dollar verlor die türkische Währung in nur einer Woche 9,2 Prozent ihres Wertes. Statt rund 4,35 müssen inzwischen schon (Stand 5 Uhr morgens) 4,76 Lira für einen Dollar bezahlt werden. Zum (etwas schwächer performenden) Euro hat die Türkische Lira in nur einer Woche 7,7 Prozent verloren – statt 5,20 müssen nun etwa 5,60 Lira für einen Euro bezahlt werden.

Zum Vergleich: Vor etwa einem Jahr konnte man einen US-Dollar für noch etwa 3,60 Lira erhalten, ein Euro kostete etwa 4 Lira. Das sind Wertverluste von 33 bzw. 40 Prozent. Und da man davon ausgehen kann, dass insbesondere der US-Dollar (ungeachtet der realwirtschaftlichen Tatsachen in den USA) zumindest in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter zulegen wird, dürfte dies für die Türkei zu einer katastrophalen Situation führen. Denn die Zinswende der Fed sorgt (wieder einmal) dafür, dass gerade die Schwellenländer besonders unter dem Kapitalabzug leiden.

Einerseits ist da die Auslandsverschuldung des Landes, die vor allem auf Dollar- und Eurobasis läuft. 210 Milliarden Dollar waren es noch im letzten Jahr – und das nur beim Staat selbst. Inklusive Privathaushalte und Unternehmen waren es mehr als 400 Milliarden Dollar. Davon ausgehend, dass das Niveau nach den ganzen hohen Zuwachsraten der letzten Jahre stabil blieb, heißt dies: Aus 1,44 Billionen Lira wurden nun 1,9 Billionen Lira an Schulden – nur weil die Lira dahinschmilzt wie Butter unter der türkischen Sommersonne.

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Eine alte 100.000 Lira-Banknote. Die Geschichte wiederholt sich?
Eine alte 100.000 Lira-Banknote. Die Geschichte wiederholt sich?

Auch die starke Abhängigkeit von Kapitalzuflüssen aus dem Ausland, weil das Leistungsbilanzdefizit nach wie vor sehr hoch ist, wird sich rächen und die Lira noch weiter nach unten drücken, sofern die türkische Zentralbank die Zinsen (auch aufgrund der extrem hohen Inflationsrate) nicht deutlich nach oben drückt. Aber selbst das wird nicht viel nützen, da das Vertrauen der Kapitalmärkte in die türkische Währung stark gesunken und ein Ende dieser Entwicklung nicht abzusehen ist.

Nun stellt sich nur noch die Frage: Wann geht die galoppierende Inflation in eine Hyperinflation über? Man kann zwar davon ausgehen, dass Präsident Erdogan alles in seiner Macht stehende tun wird, dies bis zu den Wahlen am 24. Juni hinauszuzögern, um die Wiederwahlchancen für sich selbst und seiner AKP zu erhöhen. Doch das Potemkin'sche Dorf wird bald schon in sich zusammenfallen.

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