Die Exitstrategie aus dem Imperium

Der libertäre Denker Garet Garrett machte sich Gedanken darüber, wie man Imperien wieder auflösen kann. Denn Imperien – so wie jenes der USA – werden ansonsten unkontrolliert kollabieren.

Von Wendy McElroy / Antikrieg

Das Römische Reich zweifelte nie daran, dass es der Verteidiger der Zivilisation war. Seine guten Absichten waren Frieden, Recht und Ordnung. Das spanische Reich hat die Rettung (der Seelen durch die christliche Religion, d.Ü.) hinzugefügt. Das britische Empire fügte den noblen Mythos der Last des weißen Mannes hinzu. Wir haben Freiheit und Demokratie hinzugefügt.
Garet Garrett, der Aufstieg des Imperiums

Der erste Schritt zur Schaffung des Imperiums besteht darin, die Invasion und Besetzung einer anderen Nation moralisch zu rechtfertigen, selbst wenn diese keine glaubwürdige oder erhebliche Bedrohung darstellt. Aber wenn das die Einstiegsstrategie ist, was ist dann die Ausstiegsstrategie?

Ein Ansatz zur Beantwortung dieser Frage besteht darin, herauszufinden, wie Imperien im Lauf der Geschichte entstanden ist und ob der Prozess rückgängig gemacht werden kann. Ein Imperium, das sich unter dem zunehmenden Gewicht dessen, was es ist – nämlich eine Nation, die die ultimative Autorität über eine Reihe von Satellitenstaaten ausübt – unweigerlich selbst zerstört. Imperien sind anfällig für Überbeanspruchung, Rebellion, Krieg, innere Unruhen, finanzielle Erschöpfung und Wettbewerb um die Vorherrschaft.

Der libertäre Journalist Garet Garrett (1878-1954) legt in seiner Monographie Rise of Empire (Entstehung des Imperiums) einen Plan vor, wie das Imperium möglicherweise rückgängig gemacht werden könnte und warum er glaubt, dass eine Rückgängigmachung nicht eintreten würde. Garrett war in einer einzigartigen Position, das amerikanische Imperium aufschlussreich zu kommentieren, weil er einen Platz in der ersten Reihe hatte, um Ereignisse zu kommentieren, die seinen Status festigten: den Zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg. Das Amerika des Zweiten Weltkriegs hatte natürlich bereits eine Geschichte der Eroberung und Besetzung hinter sich, aber in der Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Nation zu einem selbstbewussten und unmissverständlichen Imperium mit einem selbst erteilten Auftrag, seine Ideologie in der ganzen Welt zu verbreiten.

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Ein Weg zur Umkehrung des Imperiums

Garrett identifiziert die ersten fünf Komponenten des Imperiums:

  • die Dominanz der Exekutive: das Weiße Haus regiert über den Kongress und die Justiz.
  • die Unterordnung innenpolitischer Belange unter die Außenpolitik: Die bürgerlichen und wirtschaftlichen Freiheiten weichen militärischen Bedürfnissen.
  • der Aufstieg einer militärischen Mentalität: aggressiver Patriotismus und Gehorsam werden verherrlicht.
  • ein System von Satellitennationen im Namen der kollektiven Sicherheit;
  • und ein Zeitgeist von eifrigem Patriotismus und Furcht zugleich: Kampfeslust wird mit Panik vermischt und wird von Panik getragen.
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Das sind keine aufeinanderfolgenden Stufen der Entwicklung zum Imperium, sondern sie treten in Verbindung miteinander auf und verstärken sich gegenseitig. Das bedeutet, dass ein Versuch, das Imperium in Richtung einer Republik umzukehren, mit der Schwächung einer der fünf charakteristischen Komponenten in beliebiger Reihenfolge beginnen kann.

Garrett hat sich nicht direkt mit der Strategie der Eliminierung des Imperiums befasst, aber seine Beschreibung seiner Schöpfung kann zu einem guten Vorteil genutzt werden. Der erste Schritt besteht darin, jede Komponente des Imperiums in überschaubarere Teile zu zerlegen. Zum Beispiel akkumuliert die Exekutive Macht auf verschiedene Weise. Dazu gehören:

  • Delegation – der Kongress überträgt dem Präsidenten seine verfassungsmäßigen Befugnisse.
  • Neuinterpretation der Verfassung durch einen sympathisierenden Obersten Gerichtshof.
  • Innovation, durch die sich der Präsident Befugnisse aneignet, die nicht verfassungsrechtlich verboten sind, weil die Verfasser sie nie in Betracht gezogen haben.
  • Verwaltungsbehörden, die rechtskräftige Verordnungen erlassen.
  • Usurpation – der Präsident konfrontiert den Kongress mit einer vollendeten Tatsache, die nicht ohne weiteres abgelehnt werden kann.

Die Verflechtung mit der Außenpolitik lässt die Macht des Präsidenten anschwellen, weil er sowohl traditionell als auch verfassungsmäßig für die Außenpolitik zuständig ist.

Die Dekonstruktion dieser Führungsstützen, eine nach der anderen, schwächt das Imperium. Wenn alle fünf Komponenten dekonstruiert sind, stellt dieser Entwicklungsprozess einen möglichen Weg dar, das Imperium selbst aufzulösen.

Eine sechste Komponente des Imperiums

Aber in Rise of Empire (Aufstieg des Imperiums) bietet Garet Garrett eine erschreckende Einschätzung basierend auf seiner sechsten Komponente des Imperiums. Es gibt keinen Ausweg. Eine Bewertung, die Prävention umso wichtiger macht.

Aus diesem Grund beschäftigt sich Garrett nicht damit, wie man den Prozess des Imperiums umkehren kann. Wenn ein Imperium erst einmal errichtet ist, argumentiert er, wird es zu einem "Gefangenen der Geschichte" in einer Falle, die es sich selbst geschaffen hat. Er schreibt: "Eine Republik kann ihren Kurs ändern oder ihn umkehren, und das wird ihre eigene Angelegenheit sein. Aber die Geschichte des Imperiums ist eine Weltgeschichte und gehört vielen Völkern. Eine Republik ist nicht verpflichtet, auf die Welt einzuwirken, sie zu ändern oder ihr Anweisungen zu geben. Das Imperium hingegen muss seine Macht entfalten."

In seinem Buch For A New Liberty (Für eine neue Freiheit) erweitert Murray Rothbard Garrett's Punkt: "Die Vereinigten Staaten von Amerika fühlen sich wie frühere Imperien selbst als 'Gefangene der Geschichte'. Weit jenseits der Angst liegen die ‚kollektive Sicherheit’ und das Spielen der angeblich vorbestimmten amerikanischen Rolle auf der Weltbühne."

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Kollektive Sicherheit und Angst sind eng miteinander verbunden. Es ist kein Zufall, dass die sechste Komponente des Imperiums – eingesperrt sein – direkt nach den beiden Komponenten "System von Satelliten-Nationen" und "Komplex aus Angeberei und Furcht" kommt.

Satellitenstaaten

"Wir sprechen von unseren eigenen Satelliten als Verbündete und Freunde oder als freiheitsliebende Nationen", schrieb Garrett." Trotzdem ist Satellit das richtige Wort. Das bedeutet die angestellte Wache." Warum angestellt? Obwohl die Männer des Imperiums davon sprechen, China [oder] Europa zu verlieren … wie könnten wir China oder Europa verlieren, wo sie uns doch nie gehörten? Sie meinen, dass wir … möglicherweise eine Anhängerschaft von abhängigen Leuten verlieren, die als äußere Wächter fungieren."

Ein Imperium denkt, dass Satelliten für seine kollektive Sicherheit notwendig sind. Satelliten glauben, dass das Imperium für das territoriale und wirtschaftliche Überleben notwendig ist; aber sie sind bereit, sich abzusetzen, wenn ein (anderes) Imperium mit einem besseren Geschäft winkt. Amerika kennt das und versucht, Satelliten zu befriedigen, die unbeständig werden könnten. Garrett zitiert Harry Truman, der das moderne amerikanische Satellitensystem geschaffen hat: "Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Freunde und Verbündeten im Ausland weiterhin die Hilfe erhalten, die sie brauchen, um ihren vollen Beitrag zu Sicherheit und Fortschritt für die gesamte freie Welt zu leisten. Das bedeutet nicht nur militärische Hilfe – obwohl das lebenswichtig ist -, sondern auch wirkliche Programme wirtschaftlicher und technischer Hilfe."

Im Gegensatz zu einer Republik ist das Imperium sowohl ein Herr als auch ein Diener, weil der Druck von außen es in die militärische und wirtschaftliche Unterstützung der Satellitenstaaten rund um den Globus einbindet, die alle ihre eigene Agenda haben.

Garrett betont auch, wie der inländische Druck das Imperium einsperrt. Einer der mächtigsten innenpolitischen Zwänge ist die Angst. Eine Atmosphäre der Angst – real oder geschaffen – treibt die öffentliche Unterstützung der Außenpolitik an und macht es für das Imperium schwieriger, sich von dieser Politik zurückzuziehen. In seiner Einführung zu Garrett's Buch Ex America behandelt Bruce Ramsey Garrett's Punkt. Ramsey schreibt, das Imperium habe "weniger Kontrolle über sein eigenes Schicksal als eine Republik", kommentierte er[Garrett], weil es ein "Gefangener der Geschichte" sei, regiert von Angst. Angst vor was? "Angst vor dem Barbaren."

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Es spielt keine Rolle, ob der Feind tatsächlich ein Barbar ist. Wichtig ist, dass die Bürger des Imperiums an die Grausamkeit des Feindes glauben und eine militärische Haltung ihm gegenüber unterstützen. Innenpolitische Angst treibt die Politik der Satellitenstaaten an, Schutzverträge, Polizeieinsätze und Kriege. Ausländische Verflechtungen führen zu einer verstärkten globalen Einbindung und stärkerem Engagement. Die beiden verstärken sich gegenseitig.

Das fünfte Merkmal des Imperiums ist nicht nur Angst, sondern auch "Angeberei". Angeberei bedeutet, sich damit zu rühmen oder etwas übermäßig zu loben – zum Beispiel die Rolle Amerikas in der Welt zu loben und zu übertreiben. Angst gibt einen emotionalen Impuls zur Eroberung; Angeberei liefert die moralische Rechtfertigung für das Handeln auf der Grundlage der Angst. Die moralische Pflicht ist vielfältig formuliert: Führung, Gleichgewicht der Kräfte, Frieden, Demokratie, Bewahrung der Zivilisation, humanitäre Verpflichtung. Von diesem Punkt aus ist es ein kleiner Sprung, zu dem Schluss zu kommen, dass der Zweck die Mittel heiligt. Garrett bemerkt, dass "es bald einen Punkt gibt, von dem es kein Zurück mehr gibt … Das Argument für das Weitergehen ist bekannt. Woodrow Wilson fragte einmal: "Sollen wir das Herz der Welt brechen?" Jetzt sagen viele: "Wir können die freie Welt nicht im Stich lassen. Moralische Führung der Welt ist keine Rolle, in die du eintrittst und von der du zurücktrittst, wie es dir gefällt."

Schlussfolgerung

Auf diese Weise, so glaubte Garrett, steckt das Imperium selbst in der Falle eines ewigen Kriegs für Frieden und Stabilität, die immer die erklärten Ziele sind. Doch wie Garrett abschließend feststellte, ist die Realität Krieg und Instabilität.

Es steht nicht fest, ob er recht damit hatte, dass das Imperium nicht rückgängig gemacht werden kann. Aber egal, ob er recht hatte oder nicht, am besten ist es, das Imperium bei seiner Entstehung zu bekämpfen.

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5 Kommentare

  1. Machtmissbrauch der Menschenplünderer… Es ist Zeit aufzustehen !!!
    Europäischer Einheitsstaat im Vormarsch!
    Nein, es ist kein Geheimnis. Europa soll grundlegend „erneuert“ und letztendlich die Vision eines europäischen Staatenbundes, der ähnlich wie die Vereinigten Staaten von Amerika organisiert ist, umgesetzt werden. In seiner Rede, nur zwei Tage nach den Bundestagswahlen, zeigte der französische Präsident Emmanuel Macron seine Vorstellungen für die zukünftige EU auf.
    Sehen Sie in dieser Sendung,  http://www.kla.tv/11181  in welcher Weise die Entscheidungsbefugnisse der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten massiv eingeschränkt werden sollen und am Beispiel der Vereinigten Staaten von Amerika, wohin dies fast zwangsläufig führen muss.

  2. Die "Nation" gibt es in den USA nur als Fassade. Ein Bürgerkrieg in den USA, wo ein Einzelner 59 Menschen erschiessen kann, würde nicht Jahre, sondern ein paar Tage dauern. Wenn der Spuk vorbei ist wird sich der Rest der Welt wundern wie es dieser "Nation" gelungen ist den Rest der Welt so lange zu beherrschen. 

  3. Ach wie schön; ich bin nicht der einzige welcher Geschichtsbücher liest 🙂

    Das ganz oben in blau ist der Grund, weshalb ich seit vielen Jahren sage: "Es gibt keine dümmere Spezies auf diesem Planeten als die selbsternannte "Krone der Schöpfung", denn sie ist die einzige welche geschichtlich völlig lernresistent ist"

    Seit tausenden von Jahren schwingen sich in unglaublicher Regelmäßigkeit immer wieder irgendwelche Durchgeknallte auf und wollen die Welt beherrschen und in genau der gleichen Regelmäßigkeit fallen sie früher oder später auch wieder auf die Schnauze.

    (  lol…und dazu fällt mir dann immer Albert Einstein ein: "die reinste Form des Wahnsinns ist, etwas immer und immer zu wiederholen und auf ein anderes Ergebnis zu hoffen" ^^)

     

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