Griechenland: 120 Milliarden Euro Finanzierungsbedarf?

Schätzungen des Bundesfinanzministeriums zufolge braucht Griechenland bis zum Jahr 2040 rund 120 Milliarden Euro zusätzlich.

Von Marco Maier

Laut Zahlen des Bundesfinanzministeriums könnte der Finanzierungsbedarf Griechenlands bis zum Jahr 2040 auf rund 120 Milliarden Euro anwachsen. Zumindest dann, wenn sich Athen und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit ihren Forderungen bei den Verhandlungen mit den EU-Behörden durchsetzen. Denn die ganzen Stundungen der Kredite kommen neuen Krediten gleich, da sich die Geldgeber für die gegebenen Finanzmittel auf den Kapitalmärkten refinanzieren müssen.

Hierbei geht es vor allem darum, dass die Griechen und der IWF auf weniger sogenannter "Reformen" (also geringere Austeritätsmaßnahmen) setzen und der ohnehin viel zu hoch angesetzte Primärüberschuss (also ein Haushaltsplus vor Zinszahlungen) deutlich niedriger ausfallen soll. Offenbar sollen nun realistischere Ziele angestrebt werden, zumal Athen einfach nicht in der Lage ist, die derzeitigen Forderungen umzusetzen.

Insgesamt würde das Volumen der zu stundenden Zinszahlungen bis 2040 auf Basis der jetzt ausstehenden Kredite aus den Rettungspaketen GRC I, II und III "in der Größenordnung von rund 120 Milliarden Euro liegen", heißt es. Zinseszinsen sind in der Kalkulation nicht enthalten. In dem Papier wird laut der Zeitung "Die Welt" darauf verwiesen, dass der IWF in seinen bisherigen Schuldentragfähigkeitsanalysen – im Lichte negativer Reformerfahrungen – nur einen Primärüberschuss von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zugrunde gelegt habe. Griechenland aber habe mit der Eurozone ein absolut unrealistisches Haushaltsplus vor Schuldentilgung von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung für das Jahr 2018 und darüber hinaus vereinbart. Inzwischen versucht Athen, diese Ziele zu senken – lange Zeit sogar mit Unterstützung des IWF. Deutschland und andere Europäer aber wehren sich gegen das Vorgehen, obwohl sie wissen, dass die Griechen die Forderungen niemals erfüllen werden können.

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6 Kommentare

  1. Die gültigen Marktprozesse, zur Einleitung der Bereinigung der Staatsfinanzen, bzw.des Austritts Griechenlands aus der EURO-Zone, mit der Erklärung der ISDA des griech. Staatsbankrotts, wurden unter der Mißachtung des EU eigenen Lissabonvertrags, ausgeschaltet, weil die Politik dieses Schulden durch gemeinsame Rettungsschirme sozialisierte. Das drückte künstlich die Risikoprämien der Anleihen, nicht nur für Griechenland nach unten und Griechenland kann sich, mit Hilfe der EZB, weiterhin munter verschulden. Der von Angela Merkel gefeierte sogenannte Fisalpakt mit den 'Austeritätsmaßnahmen' ist ein Rohrkrepierer. Der Hang zur Verschuldung läßt sich durch politische Vereinbarungen nicht bremsen. Diese Bremsversuche machen die Merkelregierung nur zu einem besserwissenden Schulmeister, welcher Griechenland eine Austeritätspolitik vorschreibt, der Griechenland und die anderen finanziell angeschlagenen Staaten in den wirtschaftlichen Ruin treiben. Zur Vernunft, wenn überhaupt, dürfte diese Pleiteunion erst kommen, wenn die Finanzmärkte dem Zahlmeister dieser Union Deutschland den Geldhahn, wie allen anderen an dem EZB Tropf hängenden Länder zudrehen werden, und dann der ISDA nicht anderes mehr andres übrig bleibt, als  nicht nur für Griechenland, sondern gleich für mehrere Länder die Staatsbankrotte zu erklären womit  die CDS fällig werden. Dieser Prozeß könnte vielleicht durch eine anhaltende Konjunktur Deutschlands aufgehalten werden, was aber, aufgrund der Maßnahmen der Merkelregierung mit den kommenden U.S. Zahlungsverpflichtungen u.a. für eine NATO, den ESM, sowie die Kosten für den Ostukrainekonflikt und die Rußlandsanktionen, ziemlich unwahrscheinlich ist, und somit die sechs amerikanischen Großbanken ebenfalls ihren Konkurs anmelden dürfen. Das dürfte bestimmt nicht mehr bis 2040 dauern.

     

     

     

  2. Natürlich braucht Griechenland jährlich neues Geld.

    Das liegt daran, dass man Griechenlands Wirtschaft mit Marktöffnung zu Billiglohnländern kaputt gemacht hat.

    Die Billiglohnländer haben den griechischen Markt übernommen. Jetzt lebt Griechenland nur von Importen, also auf Pump. So funktioniert kein Staatshaushalt.

    Merke: Marktöffnung führt in der Regel zu einem Verlierer des Handelskrieges. Dieser Verlierer sinkt dann in die Staatspleite und in die Zinsfalle der Wallstreet.

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    Griechenlands Sanierung kann nur funktionieren, wenn man die Grenzen dicht macht und die heimische Produktion wieder aufbaut. Dieser Aufbau muß sehr schnell und effektiv ablaufen. Griechenland muß weitgehendst zum Selbstversorgerstaat werden.

    Folglich muß Griechenland eigene Industrie aus dem Boden stampfen. Dazu muß die Regierung die arbeitslosen Akademiker organisieren. Diese neuen Industrieunternehmen sollten Staatsbetriebe sein, die auf gemeinnützig auf Selbstkostenbasis arbeiten.

    Nach dem gleichen Konzept muß der Agrarsektor wieder aufgebaut werden.

    Für einen solchen Neuanfang braucht Griechenland aber fähige und mutige Politiker. Tsirpas hingegen bringt das nicht.

    1. Zwecklos. Für einen solchen Neustart bräuchten die Griechen schon wieder Geld und die Schulden würden sie auffressen. Für Griechenland gibt es kein Entkommen mehr, die sind Eingetütet.

      1. Es gibt da Lösungswege.

        Griechenland müßte einen kompletten Schuldenschnitt gegenüber Europa und den Wallstreetbanken durchführen. Ab da müßte es schon mal keine Zinszahlungen mehr leisten. Das schafft finanziellen Handlungsspielraum.

        Im nächsten Schritt käme der Austritt aus dem Euro und eine staatliche Zentralbank, die Staatswechsel ähnlich den früheren "Mefo-Wechseln" ausstellen würde. Das Volk gibt sich praktisch selbst Kredit.

        Mit diesem selbst gegebenem Kredit würde Griechenland dann die Produktionsbetriebe hoch ziehen. Getilgt würden die Kredite zeitversetzt mit den Produkten aus den Staatsbetrieben.

        Es ist alles nur eine Frage der Organisation!

        1. Im Kern mögen Sie Recht haben. Jedoch sehe ich entscheidende Denkfehler.

          Ein Schuldenschnitt würde die Kreditwürdigkeit Griechenlands entgültig ruinieren. Kredite sind aber zum Neuaufbau von Infrastrukturen nötig. Die ausgeblutete Bevölkerung kann nicht ausreichend Kredite an ihren Staat vergeben.

          Der Euro-Austritt ist unausweichlich und einzig wirksame Medizin, um dem Abwärtsstrudel zu entkommen. Nur mit eigener Währung kann Griechenland ggü. dem Ausland abwerten und somit den eigenen Binnenmarkt wieder flott machen. ABER: Die Fokusierung auf den Binnenmarkt in Verbindung mit einer binnenzirkulierenden Währung kann den benötigten Aufschwung nicht erbringen. Nur wettbewerbsfähige Exporte bringen zusätzliches Geld ins Land und in Umlauf, was die Binnenkonjunktur treibt, zu erneuten Investitionen verlockt, die Tilgungsfähigkeit sichert, letztlich den Wohlstand wieder mehrt und die "ausgemerkelten" Griechen zurück auf den richtigen Weg bringt.

    2. So scheut man sich in dieser EUdSSR davor eine Analyse dieser EUROsion dieser Föderation von EU-Staaten, die in einen Schuldensumpf versinken, zu erstellen. In der Schweiz würde ein Kanton niemals Hilfe von einer Notenbank oder dem Zentralstaat bekommen. Kalifornien steht am Rande der Pleite, die US-Notenbank kauft trotzdem kein einziges Staatspapier von dort. Nicht umsonst befolgt man in den U.S.A. die 'non-bail out' Regel, welcher der Garant der Stabilität dieser föderativen Staaten ist, da man die leidvollen Erfahrungen des amerikanischen Bürgerkriegs noch in Erinnerung hat. Ausgelöst wurde der durch die verhängnisvolle Finanzpolitik eines Alexander Hamiltons, der meinte mit dem Vormodell dieses EUROsion-Systems die Schulden des Unabhängigkeitskriegs mit einem amerikanischen ESM-Modell lösen zu können, was gründlich schief lief, da die einzelnen verschuldeten Staaten nicht willens waren ihre Verbindlichkeiten zurückzuzahlen. So steht dieser 'EU' noch bevor, was die U.S.A. mit ihren Auseinandersetzungen zwischen Nord- und Südstaaten schon hinter sich gebracht haben, denn freiwillig wird kaum ein verschuldeter EU-Staat bereit sein, u.a. die Target II Salden, auch mit zwei Geschwindigkeiten, auszu-gleichen.

       

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