Gibraltar: Iberoamerikanischer Gipfel fordert Briten und Spanier zu Verhandlungen auf

Auf dem Gipfeltreffen der iberischen und lateinamerikanischen Staaten im kolumbianischem Cartagena das Indias, berieten die Teilnehmer unter anderem über den ungelösten Konflikt zwischen Spanien und Großbritannien um Gibraltar. Am Ende stand eine gemeinsame Erklärung, in der zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgerufen wird.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Gibraltar! Der Streit um den Felsen, der an Spaniens Südspitze die Einfahrt zum Mittelmeer (die Straße von Gibraltar) kontrolliert, geht zurück bis in die graue Vorzeit. Der letzte bekannte Siedlungsraum der Neandertaler vor 28.000 Jahren war an dem strategisch wichtigem Ort, der seither viele Völker und Kulturen als Heimat diente und immer wieder erobert wurde. Das letzte mal wechselte die Stadt, die rund um einen Militärstützpunkt entstand, 1713 im Frieden von Utrecht den Besitzer. Seither gehört Gibraltar den Briten und seither wollen die Spanier „das Tor zum Mittelmeer“ zurückhaben. Doch diese „Säule der Herakles“ gehört dem Vereinigten Königreich und erst 2002 stimmten 99 Prozent für einen Verbleib bei Großbritannien. Bei 90 Prozent Wahlbeteiligung stimmten damals keine 200 Bewohner des Affenfelsens für eine geteilte Souveränität. Nicht einmal die Berberaffen scheinen zu Spanien gehören zu wollen, oder?

Nun, was die Affen betrifft ist ziemlich klar, dass ihnen alles egal ist solange die Touristen ihnen fleißig Leckereien auf ihren Felsen bringen. Schon die Bevölkerung, die zu jeweils einem Viertel britischer und spanischer Herkunft ist, ein weiteres Viertel aus Italien und Portugal kommt und der Rest aus Malta und allen Herren Länder stammt und dennoch, unabhängig von ihrer Herkunft, sich als Gibraltarer fühlen, könnten inzwischen anders denken. Gerade diese Vielfalt der Abstammung gibt den rund 35.000 Menschen, die auf der Halbinsel leben, das Gefühl besondere Europäer zu sein. Aber die Welt hat sich seit dem Referendum weitergedreht. Zuerst kam die Krise und Gibraltar hat – typisch Briten, aber auch Spanier, Portugiesen, Italiener – eine eigene Fußballnationalmannschaft gegründet, die in Portugals Algarvestadion ihre Heimspiele bestreitet. Damit setzten sie ein Zeichen gegenüber Spanien, dass nicht nur finanziell in der Krise steckt, sondern auch politisch. Großbritannien bekam dadurch eine „wir sind autonom“-Nachricht geschickt.

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Doch wenn die Bürger von Gibraltar nicht zu Spanien gehören wollen, wie kommen die Staaten auf dem iberoamerikanischen Gipfel dann dazu, das Thema wieder auszugraben? Es ist das Resultat eines weiteren Referendums, in dem die Gibraltarer ein eventuell widersprüchliches Zeichen setzten. Sie stimmten mit über 95,9 Prozent gegen den Brexit. „Wir sehen uns als Briten, unsere Zukunft aber liegt innerhalb der Europäischen Union. Wenn man also dieses Resultat mit etwas überschwänglichem Optimismus paart, dann könnte man fast glauben, dass Gibraltar lieber mit Spanien in der EU als mit Großbritannien außerhalb der EU sein möchte. Wahrscheinlicher aber ist, dass die Bürger Gibraltars, die sich voll und ganz als Briten fühlen, einen Sonderstatus in der EU anstreben. Wenn es überhaupt zu den in Cartagena das Indias geforderten Verhandlungen kommt, dann wird höchstens ein solcher Sonderstatus dabei zum Thema seitens Gibraltar und Großbritannien gemacht. Alles andere müsste man den Bürgern – und den Affen auf ihrem Felsen – von außen aufzwingen.

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10 Kommentare

  1. Die Briten haben keinen Anspruch auf Gibraltar …

    …außer ihrem selbsterpressten.

    Allerdings werden sie Gibraltar, das eigentlich zu Spanien gehört, selbst um den Preis eines Krieges nicht wiederhergeben.

    Gibraltar ist das Instrument, mit dem man ganze Völkerschaften erpressen kann, mit ein paar wenigen Kanonen, die ausreichen, einen der wichtigsten Seehandelswege  weltweit und den Wichtigsten Europas zu sperren.

    Die folkloristischen Affen werden daran nichts ändern – sie machen es noch nicht mal erträglicher.

  2. Es sei hierbei die Doppelzüngigkeit erwähnt, die Gibraltar zurückfordern, Ceuta und Melilla (Marokko) oder auch Olivença (Portugal) behalten wollen. Innerhalb einer funktionierenden Europäischen Gemeinschaft gäbe es aber keine Gründe für solche Streitigkeiten. 

    1. Hallo, ich bin der Meinung, wenn Spannien darauf besteht Gibraltar zurück zu bekommen muss im Gegensatz auch Olivença an Portugal zurück geben!! 

  3. Ob es die Engländer verwalten oder gleich die Affen – was macht das für einen Unterschied? keinen!

    Übertragt den Affen ihre Felsen, und gut ist.

      1. Ja doch. Stur aber nicht uneinsichtig, höflich, humorvoll, bodenständig, klar und präzise, sehr angenehm. Mit denen kann man durchaus zurechtkommen. Mein Eindruck. Bedauerlich und wirklich ein Verlust, das die sich vom Acker machen.

        1. Naja, Es gibt solche und solche, was das Thema „angenehm“ betrifft. Das trifft aber auch auf Spanier oder sonstige Leute zu. Aber das sie cleverer sind, weil sie „uns“ zweimal in der Arsch getreten haben,,, Das haben sie doch nicht allein geschafft und ohne USA ist es fragwürdig, ob sie das geschafft hätten. Also clever sind auch nur ein paar Menschen in jeder Gesellschaft, wobei man all die Klischees einfach mal außen vor lassen sollte.

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