Mainstream investigativ: „Alles Böse führt nach Russland“

Um den Dialog mit Russland zu fördern, wurden im Januar hier drei Institutionen vorgestellt. Eine weitere Plattform geriet im Zusammenhang mit den gewaltsamen Anti-Flüchtlings-Protesten in die Schlagzeilen einer Wiener Tageszeitung. Warum wohl?!

Von Christian Saarländer

Das Zentrum für Kontinentale Zusammenarbeit in München (ZKZ) organisiert Veranstaltungen, Seminare und dergleichen. Die Münchner Nichtregierungsorganisation will die Schaffung „eines gemeinsamen Raumes von Lissabon bis Wladiwostok“, wie man auf dem offiziellen Internetauftritt lesen kann. Die Ziele des Centers for Continental Cooperation (CCC), wie die Organisation im Englischen bezeichnet wird, sind in sieben Punkten zusammengefasst.

Aus diesen Zielen heraus ergibt sich die Idee eines kontinentaleuropäischen gemeinsamen Wirtschafts-. Sozial- und Kulturaumes, die gerade die stattfindenden TTIP- und TISA-Verhandlungen unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika bekämpft und durch die transpazifischen TPP-Verhandlungen flankiert wird. Europa soll von der US-amerikanischen „Hegemonie“ befreit werden, welches aus Sicht des Zentrums bereits alle Ebenen des politischen Bereiches durchdrungen hat.

Direktor des Münchner Zentrums ist Jrij Kofner, der unter anderem auch Vorsitzender der Eurasischen Bewegung der Russischen Föderation ist. Im aktuellen politischen Meinungskampf sehen viele westliche Leitmedien in Russland die Ursache aller negativen Umstände, die sich im Westen gerade abzeichnen. So haben auch zwei Journalisten des Wiener „Standards“ im Duett über die hinteren Kanäle nach Moskau sinniert, welche die Identitäre Bewegung (neben alternativen Medien und der FPÖ) nach Angaben der beiden Herren aus Wien nun pflegen soll.

Demnach werde Wien zusehends Knotenpunkt „eurasischer Propagandisten“, welche nach Standard-Angaben bereits höhere Beträge an die Gruppe überwiesen haben sollen. Der „deutsche Auslandsgeheimdienst“ untersuche bereits seit Monaten, ob die russische Regierung rechte Kreise unterstütze. Beweise wurden dafür nicht genannt.

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Vom „KGB-Agenten“ bis zum „SS-Bewunderer“…

Die westlich-transtlantisch ausgerichtete Wiener Tageszeitung Der Standard geht auf ein englischsprachiges Zeitungsformat zurück, das man in Österreich seit dem Jahre 1988 numehr publiziert, so zumindest die Online-Enzyklopädie Wikipedia.de über das Medium, welches von Wissenschaftlern als „linksliberal“ wahrgenommen wird. Wie transatlantisch das manchmal sein kann, zelebrierte der Standard-Vertreter Eric Frey im Jahre 2014 in einer Talkrunde auf Puls 4, wo er mit dem deutschen Publizisten Dirk Müller ein wenig aneinander geriet, als es um die Rolle der Amerikaner im Ukraine-Krieg ging.

https://www.youtube.com/watch?v=boD0T2ioq9c

Aber auch das gehört zur Meinungsfreiheit und auch Propaganda treiben – also Wissen und Glaubensinhalte mit psychologischen und geistigen Mitteln fortpflanzen (lat. Propagare) – und verbreiten. Immer wieder taucht der Vorwurf auf, dass Russland rechte Strömungen in Europa unterstütze, wobei hier oftmals die Anschuldigungen nicht zutreffen.

Gerne werden hier Facebook-Freundschaftsverbindungen genannt, wobei man selbst bei stark frequentierten Nutzerprofilen mit weit über 2000 Kontakten gleich auf private Bekanntschaften schließen lässt. Selbstverständlich dürfen da Kontakte aus dem seit über 25 Jahre entflochtenen KGB nicht fehlen, ebensowenig die „Putin-Vertrauten“ oder „SS-Bewunderer“ mit denen die Mitglieder „in enge Verbindung“ gebracht werden, um auch die komplette Palette an Möglichkeiten auch abzuschöpfen.

Aber immerhin: Am Ende gab man stichpunktartig an, wie man die „organische Verbindungen“ der Mitglieder des Think Tanks gewonnen hat: Man kann die Internetseite des Zentrums abrufen. Auf Veranstaltungen und Kontakte wird ebenfalls auf der Seite hingewiesen. Folgt man dieser Standard-Ansicht daraufhin, dann wurde man wieder einmal vom linksliberalen Qualitätsjournalismus zum Positiven bekehrt.

Oder man macht sich seine eigenen Gedanken und bildet sich selbst eine Meinung. Im Übrigen gibt es viele solcher Begegnungsstätten in München, die auf verschiedenen Ebenen austauschen, mehrheitlich transatlantischer Natur, wobei hier auch sowohl rechte als auch Vertreter des linken politischen Couleurs ebenfalls Anschluss finden können. Insoweit hat München zwischen "Bahnhofs-Klatschern" und "Putin-Verstehern" viel Pluralismus zu bieten.

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7 Kommentare

  1. Im Moment sind ja "gewalttätige russische Fußballhooligans" groß in Mode, von denen die allseits präsente französische Polizei allerdings keinen einzigen fassen konnte und von denen auch kein einziger auf den im Fernsehen gezeigten Aufnahmen zu sehen ist.

    P.S.: Habe ich irgend etwas verpaßt? Wo bitteschön gab es "gewaltsame Anti-Flüchtlings-Proteste"?

    1. @Strafgefangener 106

      STIMMT !! Toller, sowie alles sagender Beitrag. Danke für diese Info.

      Ich finde den Beitrag sehr informativ, sowie aufschlussreich.

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