Flüchtlings-Abkommen: Erdogan verlangt mehr Geld und Aufnahme in die EU

Die Verhandlungen zwischen der EU und der Türkei in Sachen Flüchtlinge erweisen sich schwieriger als von Brüssel gedacht. Ankara nennt das EU-Angebot "inakzeptabel" und zu niedrig. Erdogan bringt erneut die EU-Aufnahme der Türkei ins Gespräch.

Von Marco Maier

Großspurig verkündete EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bereits eine Einigung bei den Verhandlungen mit der Türkei über die Sicherung der türkischen Grenze und die Rücknahme von Flüchtlingen aus den EU-Ländern. Dafür hatte Brüssel eine Visa-Freiheit für türkische Bürger und bis zu 3 Milliarden Euro "frisches Geld" zur Versorgung der Flüchtlinge in der Türkei angeboten.

In Ankara jedoch betonte man, dass es noch gar keine Grundsatzeinigung gebe, sondern lediglich einen Entwurf über den gesprochen werde, so Außenminister Feridun Sinirlioglu. Die von der EU bisher angebotene Finanzhilfe sei zu niedrig und "inakzeptabel", kritisierte der Minister. Auch der Sprecher der Regierungspartei AKP, Ömer Celik, sagte, die Verhandlungen zwischen der EU und der Türkei gingen weiter.

Indessen übte Präsident Recep Tayyip Erdogan während einer Konferenz in Istanbul heftige Kritik an der EU-Flüchtlingspolitik. "Die Sicherheit und Stabilität Europas und des Westens hängt von unserer Stabilität und Sicherheit ab, das haben sie jetzt akzeptiert". Und weiter: "Wenn es also ohne die Türkei nicht gehen kann, warum nehmt ihr die Türkei dann nicht in die EU auf?" Erdogan warf der EU außerdem vor, bisher nur umgerechnet 366 Millionen Euro überwiesen zu haben, während die Türkei sieben Milliarden Euro für die Versorgung von Flüchtlingen ausgegeben habe. Die EU sei erst aufgewacht, als die Bilder des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan auf den Titelseiten aufgetaucht seien.

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Die Verhandlungen werden sich angesichts solcher Forderungen noch weiter in die Länge ziehen, zumal Präsident Erdogan gerade jetzt vor der Neuwahl des Parlaments und der laut Umfragen immer noch bestehenden Patt-Situation unbedingt noch mehr Stimmen für die AKP braucht. Sollte das Ergebnis wieder wie bei den letzten Wahlen ausfallen und die AKP die absolute Mandatsmehrheit verfehlen weil die HDP ebenfalls einzieht, wird es aufgrund der politischen Differenzen zwischen den Parteien wieder keine Koalitionsmöglichkeit geben.

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3 Kommentare

  1. Das ist doch wieder ein Vorgang, der die Liebe zu Erdogan weiter aufblühen läßt. Und dabei tröstet mich auch der Gedanke nicht, dass sein Verhalten zum Wohle seines Volkes sein könnte.
    Ich werde einen Gedanken nie vergessen: “Nur der Türke ist des Türken Freund.” Das dieser Emir die Situation versucht zu seinem Vorteil zu nutzen… man könnte es ihm nachsehen. Aber wie er das macht… Betrachten wir nur mal die Kontakte zwischen der Türkei und Russland. Man handelt miteinander (100 Mrd sind gleich erreicht) und immerhin unterstützt R.E. die Sanktionspolitik nicht. Aber auf der anderen Seite das Theater um South stream. Rabbatforderungen, Beschränkung des Durchflusses und Drohung ganz abzusagen, die Luftraumverletzung, die Versorgung der “Opposition” aus der Türkei, die Geschäfte seines Verbrechersohnes (“schaff schnell alles Geld aus dem Haus…”) mit dem vom ISIL gestohlenen Öl, jetzt wieder EU… leck mich. Da wird man wohl auf eine biologische Lösung warten und die Kurden unterstützen müssen…..

  2. Also Erdogan ist die größte Opportunistensau, die die Welt je gesehen hat.
    Aber eins kann man ihm nicht vorwerfen: Fehlender Geschäftssinn!
    Der Hund Erdogan hat die Nase immer auf der Fährte des Geldes 🙂

    Ich mag ihn nicht. Aber was man zumindestens berücksichtigen muss, ist die Tatsache, dass er denjenigen, die es wirklich verdient haben, einen langen dicken Keil in den Hintern schiebt: Den EU-Politikern

    Zitat von Erdogan: “In die EU dürfen wir nicht. Aber die Drecksarbeit für die EU, die sollen wir erledigen”

  3. Was fuer ein bescheidener und friedlicher Mensch,der Herr Erdogan.
    Er bittet nicht..er fordert.
    Es ist wohl seine Sternstunde.Nun kann er auskeilen und bekommt dafuer noch eine Belohnung.
    Wie lange hat er darauf gewartet.
    Demuetig kommt Frau Merkel und oeffnet in Erdogan’s Beisein die Portokasse der EU.
    Man kann fast schon das Glitzern in Erdogans Aeuglein erkennen.
    Wird er mit dem Geld die Zelte der Fluechtlinge in komfortable Haeuser verwandeln..
    Oder seinen alten Palast durch einen neuen,seinem Rang entsprechenden neuen ersetzen lassen…?
    Wir werden es vielleicht nie erfahren.
    Allah’s Wege sind unergruendlich…

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