Erdogans schwieriger Weg zu besseren Beziehungen zu den USA

Seit dem Amtsantritt von Joe Biden als US-Präsident scheinen sich die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei von einem dornigen und krisengeschüttelten Weg, der die Ära Trump kennzeichnete, zu einer relativ ruhigen Phase der Zusammenarbeit entwickelt zu haben.

Diese Gelassenheit äußerte sich darin, dass zwischen den beiden Staatsoberhäuptern relativ wenig kritische Äußerungen ausgetauscht wurden. Erdogans jüngste Bereitschaft, die USA bei ihrem Rückzug aus Afghanistan durch die Entsendung zusätzlicher türkischer Truppen zum Schutz des Flughafens von Kabul zu unterstützen, ist nur eine der Maßnahmen, mit denen der türkische Präsident versuchte, die bilateralen Beziehungen zu verbessern.

So erklärte der türkische Außenminister kurz nach Bidens Ankunft im Weißen Haus im Januar 2021 ehrgeizig, dass Ankara bereit sei, einen Fahrplan für die Versöhnung mit Frankreich aufzustellen, eine internationale Konferenz über das östliche Mittelmeer mit der Europäischen Union abzuhalten, die Sondierungsgespräche mit Griechenland wieder aufzunehmen und “einen gemeinsamen Ausschuss” zur Lösung der S-400-Frage mit Washington einzusetzen. Um die Türkei als noch “fortschrittlicher” und prowestlicher darzustellen, bestätigten türkische Beamte Ende Juni, dass der Rücktritt von Netanjahu in Israel eine neue Ära in den türkisch-israelischen Beziehungen einläuten könnte. Dieses Muster positiver Botschaften an die USA und den Westen zeigt, dass Ankara ernsthaft versucht, sich als “verantwortungsbewusster” Akteur in Europa und der NATO zu profilieren.

Was ist die Folge des subtilen Strebens der Türkei nach reibungslosen Beziehungen zu den USA? Als Biden und Erdogan im Juni 2021 zusammentrafen, äußerten sie sich zuversichtlich über die Zukunft ihrer Beziehungen. Dies unterschied sich zwar deutlich von dem Ton, den Trump und Erdogan einander gegenüber anschlugen, hat aber bislang nicht zu den von der Türkei erhofften substanziellen Ergebnissen geführt.

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So lauern trotz des scheinbaren Optimismus die zugrundeliegenden Probleme – insbesondere der Kauf des russischen S-400-Systems durch die Türkei und die wachsenden militärischen Beziehungen zu Moskau – weiterhin im Hintergrund und verhindern eine vollständige Normalisierung mit den USA oder sogar der NATO. Trotz Erdogans Angebot, einen gemeinsamen Ausschuss einzurichten, beharrt Ankara auf der Beibehaltung des russischen Systems, während Washington eine vollständige Rücknahme vorzieht. Daher gab es trotz des optimistischen Tons von Erdogan und Biden keinen Durchbruch in der S-400-Frage, wobei sich beide Führer verpflichteten, den Dialog fortzusetzen.

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Eine Analyse von Salman Rafi Sheikh

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