Bayern-Arzt Müller-Wohlfahrt. Bild: nodpossible.ch

Jackson Martinez war der Matchwinner der Partie, obwohl niemand mit ihm gerechnet hatte. Oder vielleicht gerade darum? Der Spieler des FC Porto war über 5 Wochen verletzt und niemand hatte erwartet, dass er mehr als die letzten 10 bis 15 Minuten spielen könnte. Gleich in der zweiten Spielminute war er ausschlaggebend für die 1:0 Führung. Die Konsequenz dieser Niederlage der Bayern kam genauso unerwartet. Dr. Müller-Wohlfahrt, sein Sohn und zwei weitere Mitglieder seines Teams verlassen den FC Bayern, nachdem es schon länger Probleme mit Pepe Guardiola gab. Es scheint, als würde das CL-Viertelfinale in einem Duell der Vereinskliniken entschieden.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Der Rücktritt des langjährigen Mannschaftsarztes des FC Bayern München, Hans-Willhelm Müller-Wohlfahrt, und drei weiterer Mitglieder seines Klinik-Teams, kam genauso überraschend wie auf der anderen Seite die Genesung und der entsprechende Einsatz von Portos Starstürmer Jackson Martinez. Im Nachhinein wird deutlich, dass bei dem 3:1 Sieg des FC Porto über die Münchner Bayern, das bessere Klinik-Team den Ausschlag gab. Dazu erst einmal ein Rückblick auf das Spiel, dass dem FC Porto eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel gibt.

Die Portugiesen, mit Ausnahme der meisten Fans, hatten große Zweifel, dass der FC Porto gegen  die Weltklassemannschaft des FC Bayern viel ausrichten könnte. Die Verletzten beider Mannschaften, so die allgemeine Auffassung, würden durch andere Weltklassespieler ersetzt und von daher keine Rolle spielen. Nichts ferner als das! Es begann mit einem Paukenschlag und der Pauker war Jackson Martinez. Nach über 5 Wochen im Lazarett wurde ja schon diskutiert, dass der Kolumbianer im Aufgebot war, obwohl er in den öffentlichen 15 Minuten des letzten Trainings nicht auf dem Platz gesehen wurde. Aber rechtzeitig zum Anpfiff stand er auf dem Platz und war sofort zur Stelle, als Xabi Alonso wenige Meter vor dem eigenem Strafraum vor sich hin träumte.

Jackson überraschte den Spanier, raubte ihm den Ball und umkurvte danach Manuel Neuer. Der Torhüter der Bayern, der 2008 an gleicher Stelle den FC Porto fast im Alleingang besiegte, fasste diesmal daneben und holte Jackson Martinez mit den Händen von den Beinen. Pepe Guardiola hatte gesagt, dass dem FCB die Hände fehlen, wenn Porto meint, ihnen würden ein paar Finger fehlen. Hier haben ausgerechnet die Hände, die mithalfen den Bayern und der Deutschen Nationalmannschaft so viele Titel zu gewinnen, einen Elfmeter verursacht. Pures Glück hatte Neuer, nicht auch die Rote Karte gesehen zu haben. ZDF-Kommentator Oliver Kahn war ebenso dieser Meinung wie alle anderen, mit Ausnahme des Schiedsrichters, der nur Gelb zeigte.

Ricardo Quaresma, der alte Fuchs, ließ sich nicht lange bitten und machte den Elfer rein. Manch einem Fan ging das verlorene Elfmeterschießen von 2008 durch den Kopf, doch diesmal hatte Neuer keine Chance. Ricardo Quaresma war auch der Protagonist der, gleich nach Jackson, am meisten zum Sieg der Blau-Weißen beitrug. Beim 2:0 raubte er Dante den Ball, lief in den Strafraum  und zirkelte den Ball an Manuel Neuer vorbei, direkt ins Tor. Das 2:1 durch Thiago Alcantara kam in einem Moment der Unachtsamkeit der Porto-Abwehr. Doch noch vor der Halbzeit hätte Alex Sandro den Abstand wieder auf 2 Tore bringen können, hätte Neuer den Ball nicht gerade noch an die Latte gefingert.

In der zweiten Halbzeit wurde der FCB wieder von Anfang an unter Druck gesetzt. Dennoch konnten die Deutschen Meisterkicker einen Hauch ihrer Spielkunst aufblitzen lassen.Manuel Neuers Abwehr eines Schusses von Herrera betraf. Der Mexikaner machte beinahe ein Tor nach einem der schönsten Kombinationen über die rechte Flanke. Auch Casimiro hätte beinahe das 3:1 gemacht, als er den Ball vom Mittelkreis aus auf Tor schoss. Der Ball kam allerdings etwas zu kurz und Neuer konnte das Leder fangen. In der 65' war wieder Jackson an der Reihe. Nach einem langen Pass von Alex Sandro, nahm er der Ball in großem Stiel an, umzirkelte abermals Manuel Neuer und machte das 3:1. Das Stadion tobte und bis zum Abpfiff war eher noch mit einem 4. Tor für die Blauen Drachen zu rechnen, wie mit einer Reduzierung durch die Rot-Weißen.

Somit ist klar, dass es ein hochverdienter Sieg für Porto war. Doch während die medizinische Abteilung des FC Porto alles richtig gemacht hat und Jackson in Topform zurück ist, hat der Bayern Vorstand und vor allem Trainer Pepe Guardiola dem Mannschaftsarzt beschuldigt, Spieler wie Robben, Alaba und Schweinsteiger und insbesondere Frank Ribery nicht rechtzeitig fit bekommen zu haben. Wenn man sich aber ansieht, wer für die Verletzten gespielt hat und wie gut diese auch in Bundesliga und DFB-Pokal ihre Kollegen ersetzt haben, sieht man schnell, dass es wohl eher eine Ausrede ist. Gut möglich, dass Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt die längerfristige Gesundheit der Spieler nicht riskieren wollte. Auf alle Fälle haben er und sein Team den Hut genommen.

Dass es nach dem 1:3 gegen den FC Porto Diskussionen in der Kabine der Bayern-Spieler gab, ist klar. Wie die Bild berichtet, soll es auch zu Debatten zwischen Vorstandboss Karl-Heinz-Rumenigge und Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt gekommen sein.

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