Neulich las ich einen Text mit dem Thema "Generation beziehungsunfähig". Und darin war die Aussage eklatant erkannt, dass die Einstellung zur Arbeit, zum Beruf im Großen und Ganzen die Hauptschuld daran trägt, dass es kaum noch Familien nach dem klassischen Vorbild Mann, Frau, 2 Kinder im gemeinsamen Domizil, im eigenen Haus gibt. Halt, ein kleiner Widerspruch. Nein, mehrere Widersprüche. Denn nicht nur die geänderte Einstellung zum Beruf, sondern auch die Gesellschaft, das veränderte ICH-Bewusstsein und die Kommunikation untereinander und miteinander tragen ihr Scherflein dazu bei.

Von Marcel Grasnick

In einer Zeit, in unserer Zeit der kommunikativen, fast unbegrenzten Möglichkeiten ist es zur Tatsache geworden, dass zwar viel gesagt wird, aber nichts gemeint. Oberflächlichkeiten werden in Masse geteilt, mitgeteilt und verteilt – doch die wirklichen Dinge, die wichtigen, bleiben unsagt und verlieren sich im Strom der schnellen Worte.

Miteinander zu reden ohne wirklich etwas zu sagen ist wohl der mit Abstand größte Beziehungskiller schlechthin. Denn auch in grauer Vorzeit, die noch nicht all zu lange her ist, gab es die Berufung zum Beruf, nur wurde dort noch untereinander geredet, Gefühle nicht nur verbal, auch mental mitgeteilt.

Über Gefühle zu reden ist ein schwerer Akt der Unmöglichkeit geworden. Ja, es wird miteinander geredet, doch nichts gesagt. Banalität und Alltagsgeschwafel bestimmen den Gesprächsgrundstoff, wenn denn mal geredet wird. Vielleicht sollte man mehr miteinander reden statt gegeneinander zu schweigen.

Reden ist Silber und schweigen ist Gold – sagt das alte Sprichwort und wird doch viel zu oft an der falschen Stelle angewendet. Denn genau dann, wenn eine persönliche Aussprache wirklich wichtig ist, herrscht nur noch tiefes Schweigen. Schlimmer noch, anstatt einmal die Wahrheit am Schopfe zu packen und gnadenlos, dafür ehrlich einen reinen Tisch zu machen, dort, wo es angebracht ist, ergeht Mensch sich in Ausflüchten, in Lügen und Notlügen.

Ein vernünftiges Gespräch unter Erwachsenen, in den ernst der Lage vertieft, ohne humoristischen Seitenhieb oder sonstigen Schabernack, das scheint kaum noch möglich. Ach wie schön scheinen da doch die Zeiten, als selbst in bierseliger Laune noch ein tiefsinniges Gespräch möglich war, in dem zivilisiert Pro und Kontra, Für und Wider zwar heftig, dabei aber noch im Rahmen geblieben, zur Sprache kamen und mit viel Feingefühl, Taktgefühl und Ehrlichkeit bis zum Ende gestritten wurde. Apropos gestritten…

Genauso, wie die Kultur der Kommunikation am Boden liegt, liegt auch die Kultur des Streites am Boden. Eine ordentliche, mit Argumenten und auch Einsichten untermauerte Diskussion ist kaum noch möglich. Zu gefestigt ist das persönliche Ego, zu verbohrt die Ansichten, zu groß das eigene Ehrgefühl, um bloß einer gegenteiligen Meinung auch juristische ein fussbreit Raum zu geben. Wenn nicht immer nur das persönliche Ego im Weg stehen würde.

Doch ausgerechnet dann, wenn eine ehrliches und informatives Gespräch geführt wird, bleibt es bei banalen Fakten ohne Menschlichkeit, ohne Gefühl. Weitergabe von Informationen, ja das kann ein Gespräch sein. Ein informatives sogar. Doch wenn es nur um den Austausch von Informationen geht, da kann auch gleich die moderne Version der Kommunikation genutzt werden. Handy, Kurznachricht, E-Mail … Weitergabe von Inhalt mit Sinn ohne Umschweife, doch ohne tieferes Verständnis.

5 KOMMENTARE

  1. Der Druck hat seltsamerweise auch was Gutes. Man erkennt sich ohne Worte und wenn sie dann geführt werden, finden sie sofort den Punkt.

    Wildfremde Menschen sprechen mich an. Das erlebe ich sehr häufig.

    Das natürlich nicht im Netz, sondern einfach so auf der Straße.

    Im Netz bohren wir uns schnell fest. Da hat der Autor zweifellos Recht.

  2. Herr Grasnick

    Ihre Darlegungen zu der heutigen Gesellschaft treffen dies schon sehr gut. Wer es so noch nicht erkannt hat, der stiert wahrlich lieber aufs I-Phon, anstatt selbst Sätze mit Inhalt zu formen, uim sich mit seinen Mitmenschen zu unterhalten.

    Vor etwa einer Stunde direkt erlebt. Dem Kind wird ne Tüte mit irgendwelchen Sachen hingehalten, damit dies etwas zu tun hat und den Mund trotzdem bewegt, und die Mutter tastelt auf dem I-Phon-Brett umher. So wird sie von ihrem Nachwuchs nicht gestört, hat sich aber indirekt mit dem Nachwuchs "beschäftigt". Das dieser dann nur noch Quark stammelt, wenn er herangewachsen ist, da wird dann der Lehrer für zur Verantwortung gezogen..

  3. Die Zustände unserer Zeit, z.B. das oberflächliche Unwissen, entspricht einer Krankheit.

    Erst wenn diese derart schmerzhaft ausartet, wird sich der Mensch darüber Gedanken machen. Desshalb haben die vergifteten Rahmen- und Lebensbedingungen, in welche man uns korsettiert, auch etwas Gutes.

    Nämlich den Erkenntnisgewinn, dass wir die falsche Richtung eingeschlagen haben, nämlich die, die zu unserem Niedergang auf allen Gebieten führt. Dies kommt ja nicht mal irgendwann, sondern wir sind ja schon mitten drin.

    Erst nachdem die finale Bruchlandung vollzogen ist, werden wir die lebensexistentielle Wichtigkeit erkennen, uns wieder neue und zukünftsfähige, vor allem aber menschenwürdige Lebensmodelle zu erarbeiten, welche für alle gut sind.

     

  4. …ich bin wesentlich skeptischer: ich denke, wir haben die Endzeit bereits erreicht. Die 'unheilige Allianz': Bank/Finanzen, IT/Militär, Werbung/Beratung unterstützen sich gegenseitig, befeuern sich gegenseitig und gehören denselben Eigentümern at large. Sie beherrschen uns zu 100%. Der Mensch ist seit dem WWII in die Hände dieser USA ( unmöglicher Saustall augias) geraten und ist nur Zahlschwein dieser Gesellschaften. Brainwash hat schon immer funktioniert und ich schätze aufgrund meines Alters und Erfahrung, dass 85% aller Bürger dieses Landes brainwashed sind und nicht mehr klar, funktional, konsekutiv und konzise denken können. Was sie können, ist konsumieren in jeder Form: Sozialwesen, Geldwirtschaft, Essen und Trinken, Unterhaltung, Wohlsein, Beruhigung, Krisenhype, Pseudo-Politik, Pseudo-Gesundheit, Pseudo-Wahrheit, Definitions-Lexicon, Begriffsverwirrung, Regierungsform.

    Alles wird konsumiert. Nichts wird hinterfragt. Nichts wird erdacht oder durchdacht. Nichts wird auf Ursache und Wirkung untersucht. Nichts wird gewendet, betrachtet, bewertet. Niemand ist ehrlich. Niemand ist wahrhaftig. Niemand hat Aufrichtigkeit. Alles wird dem Konsum untergeordnet. Alles ist entweder toll oder shit, Differenzierungen gibt es nicht mehr: IT = ja-nein = schwarz-weiss = Daumen rauf oder runter = like it – or not.

    Alle Märkte sind durch unsichtbare Kapital-Lenkungsströme determiniert. Alle persönlichen Ambitionierungen sind determiniert durch Konzern-und Macht-Blockaden. Alle politischen Begehren sind determiniert durch omnipotente Gesellschafts-Strukturen- die UNFREIHEIT ist GESETZ! Selbst das Saatgut wird determiniert. Selbst die Scholle wird international aufgeteilt. Selbst die Luft wird gelenkt kontaminiert. Selbst die komplett Unschuldigen werden getötet oder massakriert.

    Der pace und die speed werden durch die 185 families definiert; alles wird von dort ferngelenkt, gesteuert, beeinflusst, eingerichtet und ausgerichtet. Der Orwellsche Staat ist längst errichtet, der Weg in die Huxley'sche Neue WELT wird schon vorbereitet und ist auf dem Weg. Die grössten Verbrecher haben erreicht, dass man über sie kein Wort verlieren darf. Die grössten Verbrecher haben alle Mittel in der Hand. Die grössten Verbrecher haben die UN besetzt, alle Friedens-Organisationen gekpert, sitzen weltweit in allen Organisationen und lenken dort die NICHT-Eingriffe fremder Menschen zum Wohle IHRER Macht.

    Selbst 45 Jahre detaillierter Widerstand im Kleinen an allen Stellen hat noch nicht einmal ein Jota bewegt. Wir sind ohne Machtmittel, weil wir dumm sind. Dumm sein, heisst "anständig" sein. Die 185 families sind nicht dumm, sie regieren die Welt, weil sie einen Plan haben, dem sie bedingungslos folgen: Herrschen um jeden Preis, egal wieviel casualities! Sie gegen über Leichen, berge von Leichen, wenn es ihnen nutzt. Gegen jede Vernunft, gegen jede Logik, gegen jedes Gesetz, gegen jede Welt-Regel. Deswegen regieren sie uns heute. 

  5. Sicherlich trägt am Niedergang der Streitkultur Fernsehen und Internet eine Mitverantwortung. Und die Kommunikation per Email und SMS trägt sicherlich auch dazu bei, dass der sprachliche Austausch auf der Strecke bleibt und aufgrund kurzer Texte längere Sinnzusammenhänge nicht mehr so gut verstanden werden. Trotzdem glaube ich nicht, dass man dies so ganz pauschal verallgemeinern kann. Wie (und ob) in einer Gruppe oder Familie diskutiert wird, hängt doch auch sehr vom Einzelfall ab!

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