Ein portugiesischer Männerchor. Bild: museudafala.com

Nach der Mediterranen Küche und dem Fado, wurde jetzt auch der Cante Alentejano zum immateriellem Weltkulturerbe erkoren und den Portugiesen damit einen Grund gegeben, auf etwas stolz zu sein. Anderswo wäre diese Mitteilung wohl untergegangen, aber im krisengebeuteltem Portugal ist so eine positive Nachricht ein Rettungsanker der verhindert, dass die Moral der Menschen noch weiter in den Keller sinkt. Dass sich die Politiker im Ruhm der Männer des Alentejo sonnen ist normal und wird vom Volk weitgehend eher für Proteste genutzt.

Von Rui Filipe Gutschmidt

"Auf nach Paris", rief der Busfahrer den Männern zu und stieg in den Bus. Eine Busfahrt, die viele, ja eigentlich zu viele Portugiesen, nur allzugut kennen. Doch diesmal ist es nicht eine der tausenden Fahrten von Gastarbeitern, die ihre Familien und Freunde zurücklassen müssen weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden.
Diesmal war es eine Busladung Kultur. Besser noch: eine Busladung Weltkulturerbe war auf dem Weg nach Paris um als solches anerkannt zu werden und die Auszeichnung stellvertretend für die vielen Männerchöre entgegenzunehmen, die überall im Alentejo, aber auch in der Diaspora, dem zweistimmigen Gesang frönen.

Die Sänger aus Serpa haben ihre Stimmbänder unterwegs nicht geschont. Früher, noch vor 20 oder 30 Jahren, wären sie völlig heiser in Frankreich angekommen, da die Reise auf den alten Straßen um die 2 bis 3 Tage dauerte. Heutzutage braucht man keine 18 Stunden mehr wenn alles glatt geht – und das war auch der Fall. Ein TV-Kamerateam war dabei und hat eine Exklusivreportage gedreht. Kein Wunder also, das die typischen 5-Liter-Weinkrüge, die "Garrafões", nur zur Brotzeit herausgeholt wurden.

Die Männer waren gut versorgt und so fehlte es nicht an Käse, Schinken und anderen geräucherten Spezialitäten des Alentejo. Ganz zu schweigen vom Wein, der bei einer typischen Brotzeit nicht fehlen darf. Schließlich ist die Region seit der Zeit der Römer, nein eigentlich schon seitdem Kelten, Phönizier und Griechen dort siedelten und Handel mit den Mittelmeervölkern betrieben, eine besonders fruchtbare und daher ertragreiche Agrarregion, die südlich des Rio Tejo liegt.

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Doch auch der Bergbau hat Tradition, in der weitläufigen Landschaft und es ist nicht ganz klar, ob es Landarbeiter oder Bergleute waren, die den Cante Alentejano erfunden haben. Doch eigentlich ist es den Männern egal. Sie haben Spaß, wie in letzter Zeit eher selten. Auch wenn die Troika offiziell gegangen ist und das Rettungsprogramm "erfolgreich" abgeschlossen wurde, so führt die Regierung die Sparpolitik doch weiter.

Und der bevorstehende Wahlkampf im nächsten Jahr hat nur ein paar populistische Maßnahmen gebracht, die die Menschen am Ende nicht positiv in ihrem Geldbeutel spüren werden. Doch das alles ist heute Nebensache. Heute ist feiern angesagt. Heute fahren die Männer nach Paris und nehmen eine Ehrung entgegen, die nicht nur den Alentejo, sondern ganz Portugal stolz macht. In diesem Sinne, lasst uns singen, bis dass uns die Stimme versagt.

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