Österreich wird als Industriestandort zunehmend uninteressant. Hohe Kosten für Energie und Personal, sowie die überdurchschnittlich hohe Steuer- und Abgabenbelastung sind Gründe dafür, weshalb der ehemals staatliche Industriekonzern Voestalpine in Österreich Kapazitäten abbauen und stärker in den USA investieren will.

Von Marco Maier

Rund 550 Millionen Euro investiert der Konzern derzeit in Texas. Die dort geplante Anlage soll bis Dezember 2015 fertiggestellt werden und dort hochwertiges Eisen produzieren. Das 50 Millionen Euro teure Werk in Georgia soll schon in wenigen Tagen den Betrieb aufnehmen und Fahrgestelle für Autos fertigen. Ein weiteres Werk soll bis 2016 in den Vereinigten Staaten entstehen. Damit wird der österreichische Traditionskonzern zu einem aktiven Teil der amerikanischen Reindustrialisierungwelle. In Österreich hingegen sieht das Voest-Management keine sonderlich großen Zukunftsperspektiven mehr.

Grund für den geplanten Kapazitätsabbau in der Alpenrepublik ist der Kostenfaktor. Nicht nur die Energiepreise spielen dabei eine Rolle, sondern ebenso die Tatsache, dass die Lohnkosten in den Vereinigten Staaten knapp ein Drittel unter jenen Österreichs liegen. Hinzu kommen die deutlich günstigeren Grundstücke. Für ein Industriegrundstück in den USA bezahlt der Konzern gerade einmal rund 5 Prozent dessen, was er in Österreich aufwenden müsste.

Hinzu kommt die drückende Steuer- und Abgabenlast. Die Abgabenquote in Österreich dürfte in diesem Jahr mit 45,2 Prozent (zum Vergleich: USA: 26,7 Prozent) des Bruttoinlandsprodukts einen neuen Rekordwert erreichen. Verkrustete Strukturen und die parteipolitische Klientelpolitik verhinderten bislang eine umfassende Staatsreform, so dass ein schlanker, effizienter Staat bislang nicht realisiert werden konnte. Das "urplötzlich" nach der letzten Nationalratswahl aufgetauchte "Budgetloch", sowie die immensen Kosten für die verstaatlichte Krisenbank Hypo-Alpe-Adria tun ihr Übriges dazu, dass eine baldige Steuerreform nicht zu erwarten ist.

Konzernchef Wolfgang Eder kritisierte zudem die völlig unberechenbare Klimapolitik der EU, was aus Sicht der Industrie untragbar werde. Hier zeigt sich, dass die besten Regeln und Vorschriften in Sachen Umweltschutz nicht viel nützen, wenn sie von anderen Staaten unterlaufen werden. So lange die anderen Industriestaaten – insbesondere die USA – nicht an entsprechend hohen internationalen Standards interessiert sind, werden den Europäern im industriellen Bereich die Felle davon schwimmen – und der Umwelt nützt es schlussendlich gar nichts.

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