Erdogan: „Macron braucht eine psychiatrische Behandlung“

Nach der Ermordung eines Lehrers durch einen Islamisten in Frankreich wegen einer Mohammed-Karikatur gehen die Wogen zwischen Paris und Ankara hoch.

Von Redaktion

Es war ein Wochenende, an dem wütende diplomatische Äußerungen zwischen der Türkei und Frankreich ausgeteilt wurden. Die Beziehungen zwischen den beiden NATO-Mitgliedern waren bereits angespannt, da Frankreich die Versuche Griechenlands, türkische Öl- und Gasförderschiffe von seinen Hoheitsgewässern im östlichen Mittelmeer fernzuhalten, nachdrücklich unterstützte.

Paris hat nun den französischen Botschafter in der Türkei in der bisher größten Eskalation am späten Samstag zurückgerufen. Sie begann damit, dass Präsident Erdogan sich darüber empörte, wie Emmanuel Macron die brutale Ermordung des Mittelschullehrers Samuel Paty charakterisierte, der am 16. Oktober vor den Toren von Paris von einem jungen tschetschenischen Flüchtling enthauptet wurde, der wütend war, dass der Lehrer Mohammed in Karikaturen dargestellt hatte.

Präsident Macron hatte ihn klar als „islamistischen Terroranschlag“ definiert, während er Frankreich drängte, einem solchen Extremismus zu widerstehen: „Dies ist unser Kampf, und er ist existentiell. Sie [die Terroristen] werden keinen Erfolg haben … Sie werden uns nicht spalten“, hatte Macron in den Tagen nach dem Anschlag gesagt. „Einer unserer Landsleute wurde heute ermordet, weil er … die Freiheit der Meinungsäußerung lehrte, die Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben“, fügte er hinzu. Macron gelobte ferner, die Radikalen aus der französischen Gesellschaft auszurotten.

Auch der französische Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hat das, was er „die Ungeheuerlichkeit des islamischen Terrorismus“ nannte, in einem Tweet beschrieben.

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In Erklärungen vor seiner regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AK) widersprach Erdogan den Worten Macrons und sah sie als Angriff auf den Islam. Er sagte, die Worte des französischen Führers stellten einen Angriff auf Millionen von Muslimen dar, die „misshandelt“ würden. Erdogan sagte laut türkischen Medien:

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„Was ist Macrons Problem mit dem Islam und den Muslimen? Er braucht psychiatrische Behandlung“, schlug Erdogan um sich. Er „versteht die Glaubensfreiheit nicht“.

„Was kann man einem Staatsoberhaupt sagen, das Millionen von Angehörigen einer religiösen Minderheit in seinem Land auf diese Weise behandelt? Zunächst einmal (er braucht) eine psychische Untersuchung“, fügte Erdoğan hinzu.

Tage zuvor hatte auch der türkische Präsident seine Empörung über einen Vorfall in Berlin in der vergangenen Woche zum Ausdruck gebracht. Die deutsche Polizei hatte in der grossen Mevlana-Moschee eine Razzia inmitten einer drohenden strafrechtlichen Untersuchung wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten durchgefuehrt:

„Europa, das jahrelang als die Wiege der Demokratie, der Menschenrechte und der Freiheiten bezeichnet wurde, hat sich heute leider in eine Struktur verwandelt, die ihre Unterschiede bekämpft“, sagte Erdogan.

Er sagte weiter, die ganze „anti-islamische“ Rhetorik bringe „Europa näher an die Dunkelheit des Mittelalters“.

Währenddessen reagierte Macrons Büro auf die Serie von Erdogan-Erklärungen, die den Geisteszustand des französischen Präsidenten beunruhigten, mit den Worten: „Empörung und Beleidigung sind keine Methode“.

Die französische Öffentlichkeit scheint sich um Macron zu versammeln, verärgert darüber, dass wenig getan wurde, um das Problem des islamischen Fundamentalismus – das viele Rechte auch mit der ultralaxen EU-Einwanderungspolitik in Verbindung gebracht haben – auszurotten. Die ganze Episode hat die nationale Debatte über Redefreiheit versus politische Korrektheit und „Sensibilität“ für die Überzeugungen islamischer Hardliner mit Heftigkeit wieder aufleben lassen, wie man insbesondere bei einigen öffentlichen Auftritten in Frankreich vor kurzem gesehen hat, die vom Massaker von Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 inspiriert waren.

Ankara hat dann am Sonntag nachgelegt: „Ich habe es am Samstag gesagt und wiederhole es noch einmal“, erklärte Erdogan am Sonntag in einer Fernsehansprache. „Macron muss sich untersuchen lassen.“

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Viele in der französischen und westlichen Öffentlichkeit werden Erdogans „Wut“ und seine Reaktion auf Macrons Verurteilung islamisch-extremistischer Gewalt zweifellos als gleichbedeutend mit der Verteidigung des Mörders der Lehrerin der Mittelschule ansehen, der sogar so weit gegangen war, ein Video der Enthauptung online zu stellen, um ausdrücklich zu zeigen, dass sie im Namen des Islam geschah.

Nach Erdogans Weltbild sollten die französischen Führer in der Lage sein, offenbar alles als islamistischen Terroranschlag zu synchronisieren. Doch was soll man von einer Religion halten, die Gewalt gegen jene legitimiert, die sich gegen die religiösen Regeln stellen?

Es sei daran erinnert, dass auch der „Abfall vom Glaube“ (Apostasie) und Atheismus dem Islam auch als todeswürdig gelten und deshalb viele Menschen bereits ermordet wurden. In mehreren muslimischen Staaten steht darauf nach wie vor die Todesstrafe.

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