Gregor Gysi, Vorsitzender der europäischen Linken - Bild: Flickr.com / LInke CC BY 2.0
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Es werde vom Westen versucht, Russland totzurüsten und wirtschaftlich kaputt zu machen – wie im Kalten Krieg, so Gysi. Wagenknecht rät er die Partei neu auszurichten.

Von Redaktion

Unter dem Eindruck der Münchner Sicherheitskonferenz hat der langjährige Linksfraktionschef und jetzige Chef der Europäischen Linken, Gregor Gysi, Deutschland und den USA einen verantwortungslosen Rückfall in den Kalten Krieg mit Russland vorgeworfen.

Gysi zur „Rheinischen Post“: „US-Präsident Donald Trump erzwinge einen Kampf des Westens und der Nato gegen Moskau, um von dem Verdacht abzulenken, dass er von Russland Wahlkampf-Hilfe angenommen habe. Und unser Außenminister macht mit.“

Trump hätte, anstatt auf die Kündigung des INF-Vertrags zwischen den USA und Russland zum Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenraketen zu setzen, ein unabhängiges Expertenteam nach Russland zur Überprüfung schicken sollen. „Dann hätte Putin Farbe bekennen müssen“, so Gysi weiters.

Angetrieben von Trump versuche der Westen nun, Russland wieder tot zu rüsten und damit wirtschaftlich kaputt zu machen. Deutschland und andere westliche Staaten machten denselben Fehler wie im Kalten Krieg: „Sie sehen Russland als Feind. Es ist nicht zu glauben, aber sie haben immer noch nicht verstanden, dass es ohne Russland keine Sicherheit und keinen Frieden in Europa gibt.“

Der Westen habe vor Jahren Putins Angebote zur Zusammenarbeit in der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik ausgeschlagen und nicht damit gerechnet, dass er sich danach „auch imperial“ behaupten werde mit der Annexion der Krim und seiner Präsenz im Nahen Osten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hätte das mit ihrer Erfahrung aus der DDR ahnen müssen.

Linke muss sich neu orientieren

Gysi hat seiner – in Teilen der Partei – umstrittenen Nachfolgerin Sahra Wagenknecht zu einer Neuorientierung geraten. Auf die Frage, ob die 49-Jährige die Richtige an der Fraktionsspitze sei: „Ich glaube, Sahra muss ihre Rolle in der Partei für sich neu definieren.“

Sie sei wichtig für die Linke und eine sehr bekannte Persönlichkeit der Partei, und sie trete im Fernsehen gut auf. „Man muss aber immer wissen, was man gut kann und was man nicht so gut kann.“ Die von Wagenknecht und deren Ehemann Oskar Lafontaine gegründete Sammlungsbewegung „Aufstehen“, die von etlichen Parteimitgliedern als Konkurrenz zur Linken verstanden wird, werde sich Schritt für Schritt von selbst erledigen, sagte Gysi. „Man kann eine Bewegung nicht von oben beschließen. Das entsteht entweder von unten oder gar nicht.“

Eine Bewegung funktioniere auch immer nur im Einsatz für ein einzelnes Thema wie gegen die Abholzung eines alten Waldes in Nordrhein-Westfalen oder für die Bienen in Bayern. Aber für ein Angebot von A bis Z gebe es Parteien.

Gysi distanzierte sich auch von einer Solidaritätsaktion Wagenknechts mit den Gelbwesten in Frankreich. „Die Methoden der Gelbwesten sind zum Teil nicht akzeptabel, ihre Anliegen aber zum Teil gerechtfertigt“, sagte er. Er wünsche sich ein „Rebellentum ohne Gewalt“, so der Politiker abschliessend zur „Rheinischen Post“.

5 KOMMENTARE

  1. Dieser Mann ist dermaßen zwiespältig, da er die Wahrheit mit Unwarheiten vemischt. Kontroverser kann man seine Meinung nicht darstellen . Auf der einen Seite braucht man Russland und auf der anderen wird Putin Wahleinmischung unterstellt. Dieser Typ kommt aus seiner SED-Zwangsjacke einfach nicht heraus. Da kann er ein noch so wortgewandter Charmeur sein. Er ist und bleibt ein gewiefter Falschspieler.

    • Leider muß ich Ihnen da völlig Recht geben.Gysi ist sehr klug aber eine gespaltene Persönlichkeit.Eloquent wie er ist kommt er gut bei den Leuten an aber was er alles falsch sagt wie Annektion der Krim (von bekannten Staatsrechtlern wie Reinhard Merkel u.a. gut belegt).Was das Thema INF betrifft muß bedacht werden das die Nato praktisch entgegen der Versicherung bei der Auflösung des Warschauer Pakts nun an der russischen Grenze steht.Da müssen die Russen darauf reagieren.

  2. Gysi ist einer der in usrael besser aufgehoben wäre! Er und seine SAntifaschistische linke…… zur Zeit gibt aber auch jeder möchte gern Politiker sein Geschwafel zum besten…..

  3. Gysi hat in Bezug auf Russland(nicht in Bezug auf die Rüstung) und Aufstehen Unrecht. Die Aktion Bunte Westen einiger Ortsgruppen von Aufstehen am Wochenende wurde nicht „von oben“, sondern von einer Ortsgruppe von Aufstehen aus Neubrandenburg organisiert, der sich einige Ortsgruppen in einigen Teilen Deutschland anschlossen. Die Meinung der Teilnehmer zu Russland übrigens ist von der Haltung Gysis deutlich entfernt. Es gibt also eine Bewegung von unten.
    Es wurde nicht auf die „von oben“ für den Frühling angepeilten Aktionen gewartet. Das Bedürfnis zu Aktionen ist jedenfalls da, auch wenn die Teilnehmerzahlen nicht groß waren. Alle Bewegungen fangen klein an. Ob es sich erledigt, hängt auch davon ab,ob die gegenwärtige Unabhängigkeit der Bewegung von allen Parteien erhalten bleibt.

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