Eine - natürlich nicht mehr scharfe - Atombombe im South Dakota Air and Space museum. Foto: Flickr / Andrea Church CC-BY 2.0
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Eine atomwaffenfreie Welt wäre schön, aber eine Utopie. Auf der anderen Seite haben die Atombomben auch viele große Kriege verhindert. Sollten nicht alle Staaten welche besitzen?

Von Marco Maier

An und für sich bin ich ja ein Gegner von Atombomben. Es sind fürchterliche Massenvernichtungswaffen, die unvorstellbare Schäden verursachen und generationenlanges Leid. Dennoch muss man auch konstatieren, dass diese Waffen trotz alledem auch etwas Gutes haben.

Hätten Russland und China keine Atombomben, wären die Amerikaner samt Verbündeten längst einmarschiert. Indien und Pakistan hätten sich ohne Atombomben wohl längst schon gegenseitig zerfleischt und Israel würde ohne diese Waffen wohl auch nicht mehr existieren. Das sind durchaus Gründe, die für die bloße Existenz dieser Bomben und Raketen sprechen.

Gerade jetzt im Falle der von den USA erneut verschärften Iran-Krise müsste man eigentlich sagen: Verdammt nochmal, der Iran soll doch einfach seine Atombomben bauen – und Saudi-Arabien gleich noch mit dazu. Dann kann man sich zumindest einigermaßen sicher sein, dass diese beiden Staaten den ganzen Nahen und Mittleren Osten in einen Flächenbrand versetzen, der schlussendlich auch zu einem dritten Weltkrieg führen könnte.

Klar, man könnte auch damit argumentieren, dass schon (mehr oder weniger) demokratisch gewählte Staatsführer mit Atombomben herumschmissen und dabei bewusst unschuldige Zivilisten auslöschten – warum sollten irgendwelche Autokraten und Diktatoren da wählerischer sein? Nun ja, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Atomwaffeneinsatz eine entsprechende Gegenreaktion in Form von Atomraketen auf das eigene Land zur Folge hat, dürfte selbst Hitzköpfe etwas einbremsen.

In diesem Sinne kann die Parole "Atomwaffen für alle" durchaus über den Globus schallen. Denn so würden sich Konflikte wie jene zwischen Indien und Pakistan bzw. Indien und China auf einem sehr sehr niedrigen Niveau abspielen – zum Beispiel mit kleineren Scharmützeln an den Grenzen. Doch große Waffengänge wären dann eher unwahrscheinlich. Und auch die Amerikaner könnten so nicht mehr in jedes beliebige Land einmarschieren.