Diskussionslos – Communis opinio

Schon aufgegeben, bevor die Diskussion erst anfängt. Warum? Weil das Gegenüber nicht akzeptieren kann oder will, dass es auch andere Meinungen gibt, die quer die eigenen kreuzen. "Das bringt doch nichts, diese Diskussion". Und auf die Frage nach dem "Warum?" beantwortet: "Alleine wenn es um die Quellen geht". Schade eigentlich, denn wenn man Argumente mit Quellen belegen kann, ist der nächste Schritt, um eine vorgefasste Meinung argumentationslos zu verteidigen, die Quellen anzuzweifeln.

Von Marcel Grasnick

Aber mal ehrlich gefragt, warum sollte ein einheimischer Fernsehsender als Quelle besser geeignet sein als ein ausländischer? Leidet die Glaubwürdigkeit eines "gegnerischen" Fernsehsenders mehr als die des eigenen in einem medialen Krieg? So hat man doch – um seine Meinung zu verteidigen – die Möglichkeit, diese auch zu belegen (auch ohne mediale Desinformation) und zwar via Internet. Man muss es nur wollen und darf nicht zu faul sein. Es wäre ja auch möglich, Medien als Informationsquelle für Argumentationshilfen auszuschließen. Nur ganz so einfach ist das nicht in einer Welt, die medial geprägt ist. Und in einer Welt der Bequemlichkeit. Die Bequemlichkeit, Vorgesetztes zu konsumieren ohne es zu hinterfragen.

Eine Diskussion ist doch dazu da, um verschiedene Standpunkte gegeneinander abzuwägen und bereichert die menschliche Kommunikation. Sie hilft ungemein, Aggressionen und Missverständnisse abzubauen. Wir haben unsere Streitkultur verloren. Wo früher herzliche Debatten geführt wurden, vergammeln die Argumente im sogenannten Denkerstübchen, nur um den Schein der Friedfertigkeit zu wahren. Und wo dieser Schein gewahrt wird, bricht umso heftiger die Aggression und Diskussion nicht in verbaler, sondern in tätlicher Natur aus. Dann doch lieber einen zivilisierten Streit, auch auf die Gefahr hin, diesen zu verlieren? Aber das geht ja nicht, es wollen alle nur Gewinner sein – und verlieren damit noch mehr, gelegentlich auch das eigene Leben.

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Also ergießt sich in den Wortgefechten menschlicher Interaktion in der Jetzt-Zeit dann nur noch die normale Smalltalk-Mentalität, nur um den wichtigen Themen, die es ja reichlich auszudiskutieren gibt, auszuweichen. Mahlzeit Menschheit, soweit ist es schon. Statt Wortgefechte gegenseitiges vollsülzen. Aber das lernen wir ja zur Genüge von den Medien. Es lebe die "Communis opinio" – die allgemeine Meinung.

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